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Christian von Stetten wegen Engagement für die Malediven unter Druck
Von unserem Redakteur Matthias Stolla
Künzelsau/Male - Bewegte Zeiten für Christian von Stetten. Im Finanzausschuss des Bundestags versucht der Hohenloher CDU-Abgeordnete, den Euro zu retten. Gleichzeitig gerät er wegen seines Engagements für die Malediven in die Kritik. Eine evangelische Organisation setzt die junge Inselrepublik auf Rang sechs jener Länder, die Christen verfolgen. Und: Von Stetten muss aufpassen, was er sagt. Als Honorarkonsul der Malediven ist er der Regierung des Landes verpflichtet. Und die ist seit dem Beinahe-Putsch am Mittwoch eine andere.
Machtwechsel
"Seit gestern arbeite ich für die neue Regierung", sagt der Hohenloher. Ehrenhalber berät er die Machthaber der Inselrepublik im Indischen Ozean. "Das ist die jüngste Demokratie der Welt", erklärt er. Nach 30 Jahren Diktatur habe es im Urlaubsparadies drei Jahre vor dem arabischen Frühling einen maledivischen Frühling gegeben: die ersten freien Wahlen.
Aus denen ging Mohamed Nasheed als Gewinner hervor, und den zählt von Stetten zu seinen Freunden. Kennen gelernt haben sich die beiden, als von Stetten während eines Urlaubsaufenthalts Kontakt zu Oppositionellen aufgenommen hatte. "Er hat mich gebeten mitzuhelfen", sagt von Stetten.
Der Abgeordnete half und wurde Honorarkonsul. Ihm kommt jetzt zugute, dass er sowohl den alten als auch den neuen Präsidenten kennt: Mohammed Waheed Hassan war Stellvertreter Nasheeds.
Mohamed Nasheed habe einen Fehler begangen, sagt von Stetten. Der hin und wieder als "Mandela der Malediven" bezeichnete Präsident habe außer dem Militär- und dem Polizeichef keine Führungsperson entlassen. Und das, obwohl er unter der Diktatur gefoltert worden war. "Er ist halt eher ein Freiheitskämpfer als ein Politiker und trägt sein Herz auf der Zunge." Das sei ihm jetzt zum Verhängnis geworden. Nach wochenlangen Unruhen habe er vor zwei Möglichkeiten gestanden: Rücktritt oder Blutvergießen. Nasheed trat zurück.
Ängste
Möglicherweise hat auch der vom Hohenloher Bundestagsabgeordneten eingefädelte Staatsbesuch in Deutschland dazu beigetragen, Nasheeds Position zu schwächen − unbeabsichtigt. "Die Bilder wurden dort noch ein halbes Jahr später im Fernsehen gezeigt: Unser Mann bei der mächtigsten Frau der Welt", sagt von Stetten und räumt ein, dass der Schuss auch nach hinten losgegangen sein könnte: "Manche haben Ängste geschürt, das Land werde verwestlicht. Außerdem hat sich der Präsident mit einer Frau(!) getroffen. Manche haben wohl diese Karte gespielt."
Die Malediven sind ein muslimisches Land. Eines, das Christen verfolge, behauptet die evangelische Organisation Open Doors. In einer Pressemitteilung heißt es: "Der Honorarkonsul der Republik Malediven in Berlin gehört ausgerechnet zu der Bundestagsfraktion, die sich den Schutz der Christen weltweit auf die Fahnen geschrieben hat." Von Stetten, so weiter, vertrete "ein Land, in dem die Scharia als Gesetzesgrundlage dient und der Übertritt vom Islam zu einer anderen Religion verboten ist".
Zweifelhaft
Letzterem widerspricht der Abgeordnete nicht. "Es ist halt ein muslimisches Land", sagt er, "aber es gibt dort niemanden, der wegen seiner Religion im Gefängnis sitzt oder gefoltert wird." Unbestritten sei aber, dass die Staatsangehörigkeit an den Islam gekoppelt sei: Christen können nicht Malediver werden.Von Stetten hält die Kriterien des Open-Doors-Rankings dennoch für zweifelhaft. Länder wie Nigeria, in denen Christen getötet werden, rangierten nicht so hoch wie die Malediven, wo die Islamisten kaum eine Rolle spielten. "Die haben nur drei Prozent. Da hat die NPD bei uns mehr", so von Stetten.
Sorgen um die Zukunft der Inselrepublik mache er sich nicht, sagt der Abgeordnete. Der neue Präsident sei ein langjähriger Beamter der UNO und westlich geprägt. Auch sein Konzertprojekt mit Chris de Burgh auf den Malediven am 1. November sieht er nicht gefährdet: "Wir stärken dort die Demokratie."
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