Chef mit Clownsnase im Betrieb?

Pfedelbach - So mancher Pfedelbacher, der dieser Tage in den Abendstunden am Rathaus vorbeigekommen ist, mag seinen Ohren nicht getraut haben. Aus den geöffneten Fenstern des Sitzungssaals erschall vielstimmiges, lautes Lachen.

Von unserer Redakteurin Bettina Henke

 

Pfedelbach - So mancher Pfedelbacher, der dieser Tage in den Abendstunden am Rathaus vorbeigekommen ist, mag seinen Ohren nicht getraut haben. Aus den geöffneten Fenstern des Sitzungssaals erschall vielstimmiges, lautes Lachen. Und das minutenlang. In den verschiedensten Tönen. "Hahaha", "hihihi", "hähähä", "huhuhu" war da zu hören, immer wieder unterbrochen von Jubelrufen "sehr gut, sehr gut, yeah". Was war da los? Hatten Verwaltung und der Gemeinderat einen unerwarteten Geldsegen erhalten?

Chef mit Clownsnase im Betrieb?
Es waren rund 65 Gäste des 5. Pfedelbacher Wirtschaftskreises − Unternehmer, Handel- und Gewerbetreibende, Handwerker, Banker −, die sich zusammen mit Gemeinderäten und Verwaltungsmitarbeitern samt Bürgermeister Torsten Kunkel von Lachyogatrainer Thomas Kaiser aus Berlichingen mitreißen ließen. Der 40-jährige Unternehmensberater und "Marketing-Fuzzy", wie er sich selbst scherzhaft bezeichnet, war der letzte von drei Referenten, die an diesem Abend nach der Begrüßung durch den Rathauschef mit jeder Menge Infos für die Gäste aufwarteten.

Doch auch wenn Bauamtsleiterin Brigitte Niesing mit ihrem Überblick über die Bauprojekte in der Gemeinde und Franziska Püschel, Leiterin des Büros des Bürgermeisters, über die Kinderbetreuung in Pfedelbach viel Erfreuliches zu berichten hatten, ernteten sie kein Lachen. Das war erst Thomas Kaiser vorbehalten − der selbst schon herzhaft lachend ans Rednerpult trat. Und zunächst mit leicht konsternierten Blicken bedacht wurde. Was ihn aber nicht hinderte, sich die Herren erst einmal ihrer Krawatten und Sakkos entledigen zu lassen, um so für eine lockere Atmosphäre zu sorgen.

Lebensfreude

"Erst der Spaß, dann das Vergnügen − mit Humor zum Erfolg im Unternehmen" hatte Kaiser seinen kurzweiligen Vortrag überschrieben − der durchaus ernste Hintergründe hat. Denn Kaiser weiß aus eigener Erfahrung, wovon er spricht. Es hatte ihm selbst schon einmal den Boden unter den Füßen weggezogen: Burnout, Depressionen, Selbstmordversuch. Dann hat er den Humor als Quell’ der Lebensfreude entdeckt. Heute schult er unter anderem Betriebsräte, wie man Burnout bei Mitarbeitern vorbeugen kann. Und er vermittelt, wie man mit Lachen und Lebensfreude mehr Spaß und Erfolg in der Arbeit hat.

"Denn Lachen ist der größte Feind des Stresses" und habe zudem überaus positive Auswirkungen auf die Gesundheit. Wer regelmäßig lache, stärke sein Immunsystem. Durch Lachen gelange 25 Prozent mehr Sauerstoff ins Gehirn, die Leistungsfähigkeit steige. Das gemeinsame Lachen fördere die Teambildung und die Kundenzufriedenheit.

Chef mit Clownsnase im Betrieb?

"Verabschieden Sie sich vom Bewerten und Verurteilen" forderte Kaiser auf. Wer lache, öffne sich und sei authentisch. "Entspannt löst sich ein Problem ganz anders." Es gebe so viele Dinge, wie man mit Mitarbeitern ins Lachen kommen könne. "Sind Sie mutig. Ziehen Sie sich eine Clownsnase an. Laufen Sie damit durch die Firma. Was passiert? Alle lachen". Ein weiterer Kaiser-Tipp: "Wenn Sie ihrem Mitarbeiter schreiben, machen Sie ein Smiley drauf. Er wird sich freuen." Gefreut haben sich die Teilnehmer des Wirtschaftskreises an Kaisers Auftritt. Und zu Beginn mochte wohl kaum einer glauben, dass er am Ende tatsächlich alle zum herzhaften Lachen hinreißen würde.

Manchem seiner Tipps wollte der eine oder andere Chef dann aber doch nicht so ganz folgen. Eberhard Bauer: "Ich kann mir nicht vorstellen, mit der Clownsnase durch den Betrieb zu laufen. Vielleicht, wenn ich kurz vor der Rente stehe."