Biber hat sich ein Revier am Kocher erobert

Öhringen - Horst Geiger hat einen äußerst kompetenten und überaus fleißigen Kollegen. Gehölzpflege, Wasserbau und Landschaftsarchitektur sind sein Fach. Doch zwei Jahre lang hat der Leiter des Öhringer Tiefbauamtes nichts von dem Kollegen gewusst.

Von unserem Redakteur Peter Hohl

Neubürger mit scharfen Zähnen
Der Biber selbst hat sich am Kocher noch nicht blicken lassen, doch seine Spuren an den Bäumen im Uferbereich sind unübersehbar. Er legt die Bäume um, damit er die weiche Rinde abnagen kann. Tiefbauamtsleiter Horst Geiger hält es für an der Zeit, die Öffentlichkeit über den Neubürger der Natur zu informieren.Fotos: Peter Hohl (3)/dpa

Öhringen - Horst Geiger hat einen äußerst kompetenten und überaus fleißigen Kollegen. Gehölzpflege, Wasserbau und Landschaftsarchitektur sind sein Fach. Doch zwei Jahre lang hat der Leiter des Öhringer Tiefbauamtes nichts von dem Kollegen gewusst. Gesehen hat er ihn bis heute nicht. Sein Name: Castor fiber, besser bekannt als Biber. Seine Wohn- und Arbeitsstätte hat er am Kocher zwischen Ohrnberg und Möglingen. Weil die Spuren seines Tuns nicht mehr zu übersehen sind, hat Horst Geiger eine öffentliche Informationsveranstaltung in Ohrnberg anberaumt. Dort spricht ein Fachmann über das Miteinander von Mensch und Biber.

Mitte des 19. Jahrhunderts hatten die Württemberger den Biber ausgerottet. Nun kehrt er − aus Richtung Bayern − zurück. Dort wurden Mitte der 60er Jahre rund 30 Tiere angesiedelt. Sie haben sich entlang der Flüsse verbreitet und dabei auch Wasserscheiden überschritten. Zum Beispiel bei Crailsheim. Im Oberlauf der Jagst sind Biber seit 17,18 Jahren wieder heimisch, im Raum Mulfingen und Krautheim seit sechs, sieben Jahren.

Neubürger mit scharfen Zähnen

Spuren

Auch am Kocher bei Kochersteinsfeld wurden bereits vor drei Jahren die unverwechselbaren Spuren des Großnagers entdeckt: rundum angeknabberte oder gar umgelegte Baumstämme. Wenige Kilometer flussaufwärts, in Möglingen und Ohrnberg, hat Landwirt Fritz Brauch im Winter 2009/10 die ersten Nagespuren am Rande seiner Wiese am Kocherufer entdeckt. Er hat sein Wissen nur mit wenigen (wie Ortsvorsteher Alfred Hirth) geteilt: "Ich wollte den Biber in Ruhe lassen." Außerdem sei nicht klar gewesen, ob er bleibt.

Dann war Horst Geiger im vergangenen Herbst in anderer Sache am Kocher unterwegs und hat ebenfalls die Biberspuren entdeckt. "Ich würde mich freuen, ihn als Mitarbeiter im Bauhof begrüßen zu dürfen. Er beherrscht die Gehölzpflege", sagt der Tiefbauamtsleiter augenzwinkernd, schränkt allerdings ein: "Es ist nur wichtig, dass er die richtigen Bäume erwischt."

Neubürger mit scharfen Zähnen
Tiefbauamtsleiter Horst Geiger zeigt die Spuren im Uferbereich. Doch der Biber selbst hat sich am Kocher noch nicht blicken lassen.Fotos: Peter Hohl, dpa

Bisher hat der Biber − vielleicht ist es längst eine Familie − nur diejenigen Bäume am Flussufer umgelegt, die aus Sicht des (Hoch-)Wasserexperten Geiger ohnehin nicht in den Himmel wachsen sollen. Der Baum treibe wieder aus, bilde stärkere Wurzeln aus und sei weniger gefährdet, bei Schnee, Sturm oder Hochwasser umzuknicken und den Fluss zu blockieren, sagt Geiger. Schon träumt er davon, dass die mächtigen Nager die Ohrn bis hinauf nach Öhringen als Lebensraum für sich entdecken: "Für die Landesgartenschau wäre es spitze, wenn er dort wäre." Oberhalb des Möhriger und des Cappeler Wehrs sei der Wasserpegel konstant hoch genug.

Denn der Eingang zum Biberbau muss jederzeit im Wasser liegen. Sinkt der Pegel zu stark ab, fängt der Nager an, Dämme zu bauen und den Fluss aufzustauen. Das kann im engen Kocher- und Ohrntal zu Problemen führen: "Die Straßendämme sind nicht per se für eine dauernde Durchfeuchtung ausgelegt", sagt Horst Geiger. Sprich: Der Untergrund von Landes- und Kreisstraßen könnte weich werden, die Straßendecke einbrechen.

Neubürger mit scharfen Zähnen

Risiken

Aber auch ein ganz normaler Biberbau ohne Damm ist nicht ganz risikolos. Denn die mächtigen Tiere graben Höhlen in die Uferböschung. "Wenn ein Traktor drüber fährt, bricht er ein", sagt Horst Geiger. Mehrere Meter sollte der Schutzstreifen am Flussufer breit sein, um das zu verhindern. Kocher- und Ohrntalstraße liegen stellenweise schon ohne Biberstau deutlich näher am Wasser. Doch der Biber und sein Bau sind streng geschützt. "Wenn solche Interessen aufeinanderprallen, wird es spannend", weiß Horst Geiger.

Rainer Allgöwer, Bibermanager des Regierungspräsidiums Stuttgart, informiert am Donnerstag, 19. Januar, 19 Uhr in der Turn- und Festhalle Ohrnberg über die Verbreitung des Bibers und den Umgang mit dem geschützten Tier.