Bahn frei für Haltestelle am Römerwall

Öhringen - Sie ist nach dem Hauptbahnhof die wichtigste, aber bei weitem schwierigste Stadtbahn-Haltestelle. Der vierte Haltepunkt am Römerwall kostete die Stadt Öhringen schon einige Nerven, jetzt sind endlich die Weichen für den Bau gestellt.

Von Ralf Reichert

Bahn frei für Haltestelle am Römerwall
Links am Bohrbrunnen vorbei führt der Zugang zum südlichen Bahnsteig.

Öhringen - Sie ist nach dem Hauptbahnhof die wichtigste, aber bei weitem schwierigste Stadtbahn-Haltestelle. Der vierte Haltepunkt am Römerwall kostete die Stadt Öhringen schon einige Nerven, jetzt sind endlich die Weichen für den Bau gestellt. Weil die Albtal-Verkehrsgesellschaft (AVG) als Betreiberin der Stadtbahn erkannt hat, dass es keine Alternative zu der bereits vor zwei Jahren vom Gemeinderat beschlossenen Lösung gibt.

Sie leitet bis Ende 2009 das Planfeststellungsverfahren ein. Nach Vorlage beim Eisenbahnbundesamt wird dieser Prozess wohl eineinhalb bis zwei Jahre in Anspruch nehmen. „Wir müssen damit rechnen, dass nicht jeder Anlieger mitmachen wird“, befürchtet Stadtbaumeister Reiner Bremm. „Es gibt einen Besitzer, der seit zehn Jahren erklärt, dass er keinen Quadratmeter seiner Wiese hergibt.“ Dennoch glaubt er, dass alles geklärt wird: „Anfang 2012 könnte mit dem Bau begonnen werden.“ Bei einer Bauzeit von einem Jahr könnten die ersten Fahrgäste Anfang 2013 zu- und aussteigen.

Verzögerung

„Wir haben große Probleme mit dieser Haltestelle gehabt“, bekannte Ex-OB Jochen K. Kübler schon vor vier Jahren. Und Bremm sprach damals im Gemeinderat genau jenen Satz, den er und Bürgermeister Dieter Pallotta gestern im HZ-Gespräch wiederholten: „Wir sind nach vielen, vielen, vielen Versuchen zu der nicht ganz optimalen, aber bestmöglichen Lösung gelangt.“ Im Juni 2005 war man noch davon ausgegangen, die vierte Haltestelle Ende 2006 übergeben zu können. Dann hieß es im Juli 2007: Frühestens in einem Jahr wird gebaut. Doch das Projekt kam einfach nicht voran: Einerseits spielte die Stadt auf Zeit und hoffte insgeheim, dass die Firma Naturella ihren Standort doch noch verlagert, was die Planung extrem erleichtert hätte. Andererseits machte die AVG in den vergangenen zwei Jahren wegen weiterer Großprojekte kaum Anstalten, den Bau der vierten Öhringer Haltestelle unbedingt managen zu wollen. Und die Betreibergesellschaft war wohl auch nicht so recht von der Planung überzeugt.

Nun ist der gordische Knoten durchschlagen. Denn es geht auch um viel Geld. Damit das 80-Millionen-Projekt Stadtbahn Heilbronn - Öhringen abgerechnet werden kann und die Zuschüsse fließen, müssen alle Arbeiten abgeschlossen sein. Die Stadt Öhringen ist somit das letzte Glied in der Kette, weil ihr vierter und letzter Haltepunkt fehlt.

Bahn frei für Haltestelle am Römerwall
Einigung erzielt: Die Stadtbahnhaltestelle Römerwall kommt.Foto: Reichert

Hickhack

Der Grund für das jahrelange Hickhack ist das enorm schwierige Umfeld des Haltepunkts. Und die Forderung der Deutschen Bahn nach einem behindertengerechten Zugang. Zum einen gibt es in dem Gelände größere Höhenunterschiede, zum anderen begrenzt die bestehende Bebauung die Möglichkeit einer optimalen Wegführung zu den Bahngleisen. Nördlich der Bahnlinie liegen Gewerbebetriebe, vor allem Naturella, südlich der Gleise befindet sich das alte Wasserwerk.

Nach langem Hin und Her rang sich der Gemeinderat zu einem (kostspieligen und für Passanten unattraktiven) Aufzug am nördlichen Bahndamm durch. Die letzte Kostenschätzung ist schon einige Jahre alt und beläuft sich auf 3,6 Millionen Euro. 85 Prozent wird gefördert, so dass Stadt und Kreis jeweils rund 340 000 Euro übernehmen. Allerdings glaubt die AVG, dass es auch etwas günstiger gehen könnte.

Teuerste Haltestelle

Das schwierige topografische Umfeld und die bestehende Bebauung machen die vierte Stadtbahn-Haltestelle am Römerwall zur teuersten. Bisher gibt es die Haltepunkte West, Hauptbahnhof und Cappel.
Nach den vom Gemeinderat gebilligten Planungen führt von Süden her eine westliche Rampe hinauf zum Bahnsteig und eine östliche hinab zum Fußgängertunnel. Außerdem gibt es eine Treppe direkt vom Bahnsteig zum Eingang der Unterführung. Von Norden her führt ein Rollstuhl-, Fahrrad- und Kinderwagenlift in zwei Abschnitten zunächst hinab zum Bahnsteig und dann tiefer zur Gleisunterquerung. Fußgänger können Treppen benutzen.