Kommen wirklich mehr Dienstleister?

Von Ralf Reichert

Kommen wirklich mehr Dienstleister?
Die Software steht: Friedrich Fischle setzte den EA im Kreis um.Foto: Reichert

Hohenlohe - Mehr Arbeitsplätze, mehr Wachstum, mehr Innovation durch mehr Wettbewerb und damit mehr Wohlstand: Die Ziele klingen verlockend. Auch für den Hohenlohekreis. Doch bis Dienstleister aus ganz Europa auf den Trichter gekommen sind, dass sie seit Anfang 2010 im EU-Raum ohne größere bürokratische Hemmnisse ihre Niederlassung beantragen und genehmigen lassen können, dürften noch einige Monate oder Jahre vergehen.

Papierkram

Schließlich ist jene Praxis, die das Hohenloher Landratsamt sowie die Industrie- und Handelskammer Heilbronn-Franken jetzt anbieten, bei der Handwerkskammer Heilbronn-Franken bereits seit Oktober 2007 bestens erprobt: eine zentrale Stelle, die den üblichen Papierkram koordiniert und auf elektronischem Wege gesammelt den zuständigen Behörden zur Bearbeitung weiterleitet. Der Kunde muss seine Daten nur einmal melden - alles andere erledigt ein Fallmanager, der den Wust aus Genehmigungen und Anmeldungen dem Kunden am Ende bequem in einem Paket zukommen lässt. Die Rennerei von einer Behörden zur anderen, die nationalen Unterschiede im Gewerbe- oder Wirtschaftsrecht, die sprachlichen Barrieren: Alles kein Problem. So weit die Theorie.

In der Praxis hat sich seit 2007 kein einziger Handwerker aus dem Ausland bei der Kammer gemeldet, um vom so genannten "Starter Center" zu profitieren - dessen Äquivalent auf EU-rechtlicher Ebene seit 2010 den sperrigen Titel "Einheitlicher Ansprechpartner" trägt. "Zwei bis drei Anmeldungen pro Woche" zählt Michael Weiß, Referatsleiter bei der Handwerkskammer, "das macht im Jahr etwa 150." Dabei handelte es sich jedoch ausschließlich um Existenzgründer aus der Region: "Wir hatten noch keinen aus Zypern, Malta oder Estland hier."

Freiwillig

Die Berufskammer wirbt weiter mit ihrem "Starter Center" - obwohl sie nun offiziell als "Einheitlicher Ansprechpartner" (EA) firmiert, also die Vorgaben der komplexen EU-Dienstleistungs-Richtlinie erfüllt. Während die Kammern einen EA wie Michael Weiß stellen müssen, konnten die Kreise freiwillig auf diesen Zug aufspringen. Der Hohenloher Kreistag hat der Option zugestimmt, seit 2010 ist Wirtschaftsförderin Margot Klinger der EA für den Kreis. "Bisher hatten wir noch keine Anfrage", sagt Friedrich Fischle, als Leiter des Personal- und Organisationsamts der Mann für diese Materie - und mithin Sprecher eines von drei Pilotkreisen im Land.

Im ersten Jahr soll noch keine Gebühr für den Service erhoben werden, auch mit dem bestehenden Personal ist der EA wohl noch eine Weile problemlos zu stemmen. "Wenn es sich aber mal herum gesprochen hat und wir mehr Arbeit bekommen, müssen wir uns über Gebühren unterhalten." Der Kreis hofft, durch einen eigenen EA Existenzgründer gezielt in Hohenlohe ansiedeln zu können. Beratung in Wirtschaftsfragen und Förderchancen inklusive. Die Kammern dagegen verweisen auf ihre Kompetenz bei der Gründungsberatung. Und darauf, dass der Service wohl "auf jeden Fall" kostenfrei bleibe, wie Weiß sagt. Kommentar "Startprobleme"


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