Nachwuchssorgen auf dem Bau

Von Hagen Stegmüller

Nachwuchssorgen auf dem Bau
Auf der Öhringer Sparkassen-Baustelle wird gearbeitet, obwohl die Temperaturen unter dem Gefrierpunkt liegen. Auf junge Leute wirkt das abschreckend.Foto: Stegmüller

Hohenlohe - Zu tun gibt es genug. Milliardenschwere Konjunkturpakete haben der Bauwirtschaft einen enormen Schub verliehen. Maurern und Straßenbauern winkt auf Jahre hinaus ein sicherer Arbeitsplatz. Allerdings greifen immer weniger junge Leute zu.

"Wir hatten im September drei Lehrstellen zu vergeben. Keine einzige wurde besetzt", bedauert Udo Schneider, kaufmännischer Leiter der Kupferzeller Baufirma Stauch. Zuvor hatte man das Arbeitsamt eingeschaltet, in Zeitungen annonciert und sich auf Messen präsentiert. Alles umsonst.

So wie die Firma Stauch gibt es zahlreiche Baufirmen im Hohenlohekreis, denen die Suche nach geeigneten Azubis erhebliche Schwierigkeiten bereitet. "Wir kriegen die Leute, die in anderen Berufen nicht unterkommen", sagt Heiko Hillebrand von der Firma Schwarz in Ingelfingen. Auch die Landesvereinigung Bauwirtschaft weiß, dass das Image der Branche schlecht ist. Junge Leute bringen mit der Arbeit eines Bauarbeiters vor allem Hitze, Kälte, Schmutz und einen rauen Umgangston in Verbindung.

Schulische Mängel

"Jeder will Kaufmann werden", bestätigt Rolf Thanhäuser, Geschäftsführer beim Bretzfelder Straßenbauer Dietz Strobel. Selbst bei den Handwerksberufen sei der Bau "nicht an oberster Stelle" in der Beliebtheitsskala gelistet, wie es Thanhäuser diplomatisch formuliert. Die Bauwirtschaft leide unter dem Dilemma, dass sich oftmals junge Leute ohne klare Vorstellungen um eine Ausbildungsstelle bemühten. Dazu kommen schulische Mängel, meint Udo Schneider von der Firma Stauch. "Einen Plan sollte man schon anschauen können", sagt Schneider, doch daran scheitere es schon bei vielen. Grundfertigkeiten wie Rechnen seien oft schwach ausgeprägt.

Um Ausbildungsberufe wie Stahlbetonbauer, Baugeräteführer und Tiefbauer bewerben sich in Hohenlohe vor allem Hauptschüler oder junge Männer, die schon in einem Berufskolleg eine Ehrenrunde gedreht haben. Trotzdem bekommen sie auf dem Bau ihre Chance. "Wenn sich einer anstrengt, sehen wir über schulische Mängel auch mal hinweg", erläutert Heiko Hillebrand von der Firma Schwarz in Stachenhausen. Bis zum Ende der Ausbildung habe man noch Zeit, Defizite zu beheben.

Gute Chancen

Udo Schneider von der Firma Stauch macht den Schulabgängern nach Klasse neun ebenfalls Hoffnung: "Ein guter Hauptschüler ist mir lieber als ein schwacher Realschüler." Und Rolf Thanhäuser von Dietz Strobel sieht für Azubis und Gesellen gute Chancen auf dem Bau. Die jungen Leute müssten aber bereit sein, sich im Beruf weiterzuentwickeln.

Nicht schick genug

„Für die Bauwirtschaft ist es seit jeher schwierig, im Wettbewerb mit vermeintlich schickeren Berufen zu bestehen“, sagt Eleni Auer, Sprecherin der Landesvereinigung Bauwirtschaft in Stuttgart. Es gehe auch um Begrifflichkeiten. Seit der Beruf des Setzers nun Mediengestalter heiße, würden Druckereien und Verlage von Bewerbern überschwemmt. „Wenn der Maurer stattdessen Fassadenkonstrukteur hieße, sähe es schon ganz anders aus“, wünscht sich Auer auch in der Bauwirtschaft modernere Bezeichnungen.

Weniger Mitarbeiter

Insgesamt hat die nachlassende Bautätigkeit zu einem Rückgang der Beschäftigten im Bauhauptgewerbe geführt. Die Zahl sank deutschlandweit von 1,2 Millionen auf 700.000. Inzwischen herrscht wieder ein Mangel an Facharbeitern. „Vor allem für die mittlere Führungsebene wie Polier werden dringend gute Schulabgänger gesucht“, sagt Auer.

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