Wozu der menschliche Körper fähig ist

Von unserem Redaktions- mitglied Anna Gögelein

Wozu der menschliche Körper fähig ist
Wenn er auf seinem Hochrad durch die Gänge rast, zeigt Christoph Engels, wie gut akrobatische Elemente und Situationskomik harmonieren.Fotos: Dennis Mugler 

Heilbronn - Als Maxim Kriger in einen einhändigen Handstand gleitet, trägt sein Arm scheinbar mühelos den muskulösen Körper. Vorsichtig platziert er mit der freien Hand eine Rolle auf einer schmalen Plattform. Auf das wackelige Konstrukt legt er eine Platte, verlagert das Gewicht und klettert nach oben.

Zu einer an "Tatort" erinnernden Musik verfolgen 1500 Augenpaare bei der Turngala des schwäbischen und badischen Turnerbundes (STB und BTB) in der Harmonie, wie der Artist im Handstand auf immer mehr Gegenstände steigt, während er das Hin- und Herwippen des selbstgebauten Turms gekonnt ausgleicht. In zwei Metern Höhe richtet sich Kriger langsam auf. Tosender Beifall durchbricht die Stille. "Der mit der Rolle war am besten", werden Franziska, Patrizia, Fabiola und Fidelio später sagen. "Der absolute Hammer" für Papa Hubert Walz.

Spitzensportler Maxim Kriger ist einer von 50 Athleten, die mit dem diesjährigen Gala-Motto "Leidenschaft pur" durch baden-württembergische Städte touren. Bevor die Großen auf die Bühne dürfen, sind die Kleinen dran: Traditionell eröffnen Kinder aus den Vereinen des lokalen Gala-Ausrichters, hier dem Turngau Heilbronn, die Show.

Schon da bewundert der eine oder andere Otto-Normal-Sportliche im Publikum, wie sich die Kinder der Neckarsulmer Sportunion und des TGV Dürrenzimmern die synchronen Abläufe merken können. Noch mehr staunt man, als Profiturner mit präzisen Sprüngen, Salti und Schrauben über Bühne und Schwebebalken gleiten und katzengleich durch Reifen springen. Zielsicher fliegen Bälle und Bänder, Teams der Nationalmannschaft präsentieren ihre Olympia-Kür. Tarzan und Jane springen auf Trampolinen fast bis zur Bühnendecke, während die Ostalbhurgler als Waldgeschöpfe Tanz mit Akrobatik verbinden und Turner beweisen, dass es sich zum "Hummelflug" prima breakdancen lässt. Als Sergey Timofeev, scheinbar wirbelsäulenlos, im Handstand die Beine senkt und mit den Füßen den Kopf berührt, fühlt man sich als zuschauender Nichtturner schon ein bisschen unsportlich.

"Ich bin ganz überrascht von der Vielfalt. Und das sieht alles so leicht aus", sagt Daniela Milz-Ramming. Ihr Kind turnt in der Eröffnungsgruppe aus Dürrenzimmern, "so wurden wir auf die Gala aufmerksam". Bei den Profis haben ihr die Ostalbhurgler mit den Fantasiekostümen besonders gefallen. "Ob man die Gruppe mal buchen könnte?", fragt sie und lacht.

Die Mischung von Turnstilen und gewählter Musik beschert jedem Programmpunkt viel Beifall. "Da ist für jeden etwas dabei", stellt Besucherin Ulrike Leonhardt fest. So verschwimmen die Grenzen zwischen Sport, anmutiger Akrobatik und zirkusreifer Artistik, als Claudia Trickes und Kathrin Schad wie schwerelos mit Rhönrädern auf die Bühne rollen. Stimmungsvoll begleitet werden sie von Pianist Tristan Kriner.

Hälse recken Einziger Wehrmutstropfen: Weil die Harmonie auf dem Parkett keine gestaffelten Sitzreihen hat, müssen kleine Zuschauer bei Turnszenen auf dem Bühnenboden die Hälse recken.

Zur Lockerung gibts Comedy: In grasgrüner Hose und mit knallrotem Haarschopf rast Christoph Engels auf dem Hochrad durch die Gänge. Geschickt jongliert er mit Gurke und Kettensäge. "Ja genau, das wollen wir sehen", brüllt Zuschauer Marco. Turnen bei der Gala ist auch ein bisschen wie Zirkus.

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Breakdancen geht auch mit klassischer Musik wie dem "Hummelflug". 
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Keine Angst vor einem Salto auf dem Schwebebalken haben die Athletinnen. 
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Claudia Trickes und Kathrin Schad verzaubern mit Anmut auf dem Rhönrad. 



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