Trabi − Rennpappe mit Kultstatus

Langenbrettach - "Mami, ich will erst die Trabis ansehen", quengelt Marie. Eigentlich wollte die Mutter mit der Tochter schnurstracks ins Freibad Langenbeutingen. Aber die Autos nebenan auf dem Sportplatz haben für die Kleine eine noch größere Anziehungskraft.

Von Barbara Barth

Trabi − Rennpappe mit Kultstatus
Für Campingfreunde gab es einen Trabant-Kombi mit Zelt auf dem Dach. Matratze rein − und für zwei Personen war Platz.Foto: Barbara Barth

Langenbrettach - "Mami, ich will erst die Trabis ansehen", quengelt Marie. Eigentlich wollte die Mutter mit der Tochter schnurstracks ins Freibad Langenbeutingen. Aber die Autos nebenan auf dem Sportplatz haben für die Kleine eine noch größere Anziehungskraft. Bestimmt weiß sie nicht, was es mit den Trabanten auf sich hat, aber dass sie anders aussehen als Papas Auto, das erkennt sie.

Technisches Kulturgut

Uwe Peikert und Roland Wendt wissen genau, warum sie ihre ganze Aufmerksamkeit den "Rennpappen aus Zwickau" widmen. Der erste und zweite Vorsitzende des neu gegründeten Vereins "Trabant IFA-Team Heilbronn-Hohenlohe" wollen ein technisches Kulturgut vor dem Vergessen retten. Denn IFA steht für "Industrieverband Fahrzeugbau der DDR". Ihm war auch der volkseigene Betrieb Sachsenring Automobilwerk Zwickau angeschlossen, in dem von 1957 bis zum April 1991 mehr als drei Millionen Trabis gebaut wurden.

Teil der Geschichte

Am Stammtisch treffen sich die Trabant-Freunde der Region schon seit zehn Jahren. Doch jetzt geben sie ihrem privaten Hobby einen offiziellen Charakter und veranstalten gleich ein Treffen mit Ausfahrt. "Der Trabant gehört zur deutschen Geschichte", sagt der Sachse Peikert, der jetzt in Bretzfeld zu Hause ist. "Genau wie der Käfer oder der Daimler."

Von den drei Millionen Trabis existieren nach seiner Einschätzung heute noch rund 28 000 Exemplare. Die Abwrackprämie habe vielen ostdeutschen Kleinwagen mit dem S (für Sachsenring) auf der Motorhaube und der Duroplast-Karosserie vollends das Lebenslicht ausgeblasen.

Den übrig gebliebenen machen die Umweltzonen das Leben schwer. Trabis, die nicht über dreißig Jahre alt sind und damit als Oldtimer gelten, dürfen nach Ilsfeld, Heilbronn oder Stuttgart nur, wenn sie eine Sondergenehmigung haben. So wie Jörg Venth aus Böckingen, der für seinen gewerblich genutzten Zweitakter jedes Jahr 116 Euro für die Sondergenehmigung zahlen muss. "Weil der Trabi keinen Kat hat."

Als der Fotolaborant 1990 aus Frankfurt (Oder) ins Unterland kam, hatte er alles andere als Trabanten im Kopf. Westautos waren sein Traum. "Die Liebe zum ostdeutschen VW kam erst später." Das Auto habe Charakter, hat er festgestellt. Seitdem fährt er nur noch Trabant 601. Mittlerweile ein Sammlerobjekt mit Kultstatus.

Weite Anreise

Zu dem Treffen in Langenbeutingen sind auch einige Wartburgs, MZ-Motorräder und etwa 30 Trabis aus Stuttgart, Esslingen, Pforzheim oder Öhringen gekommen. Einer mit Zelt auf dem Dach, ein metallic-blau lackierter Kübelwagen, ein im Internet ersteigertes und aus Kiel hergebrachtes Modell, das Reiner Wagner heute als Werbefahrzeug gute Dienste leistet. Die weiteste Anreise aber hatte Thomas Parr. Er fuhr mit seinem Trabi Baujahr 87 rund 300 Kilometer aus Erfurt. Das sei aber nichts. "Ich war schon in Sizilien mit dem Auto, ohne Probleme."

Sein zehnjähriger Neffe Eric Huth aus Ilsfeld findet ohnehin: "Das ist der beste Trabi der Welt."