Stimmungsvoller Start ins neue Jahr

Öhringen - Manchmal kommt man aus einem Konzert und wird noch lange von Musik und Gesang getragen. So war es auch am Neujahrstag in der Öhringer Kultura, wo Pichorbello eine Mischung konzertanter Chormusik bot.

Von Claudia Burkert- Ankenbrand

Stimmungsvoller Start ins neue Jahr
Der Chor Pichorbello überzeugte beim Neujahrskonzert in der Öhringer Kultura. Das Publikum ging voll mit.Foto: Claudia Burkert-Ankenbrand

Öhringen - Manchmal kommt man aus einem Konzert und wird noch lange von Musik und Gesang getragen. So war es auch am Neujahrstag in der Öhringer Kultura, wo Pichorbello eine Mischung konzertanter Chormusik bot.

Von der Programmgestaltung bis zur Ausformung der einzelnen Note ist das Neujahrskonzert durchdacht. Zugleich überrascht Ulrich Dachtler als Chorleiter mit neuen künstlerischen Facetten. Da kommt zum Auftakt "Raise me up" von der Bühne, mit dem die Jüngeren von Pichorbello eine Visitenkarte hinterlegen. Vom Saal aus erobern die 40 Sänger des Ernsbacher Chors die Bühne. Mit einem Abstecher ins Musical "My Fair Lady" sind sie auf der berühmten Galopprennbahn in Ascot unterwegs.

Umsichtiger Leiter

Und schon ist man mitten drin in der musikalischen Vielfalt. Mit "Puttin" on the Ritz" servieren sie einen Popsong mit außergewöhnlichem Versmaß, komplex und provokant. Wer stimmlich so aufgestellt ist wie Pichorbello, kann sich auch an Opernliteratur wagen. Ulrich Dachtler zeigt sich auch hier als umsichtiger Chorleiter. Allein die weiten Spannungsbögen, die er mit seinem Chor öffnet und in weichen Phrasenenden wieder auffängt, erweisen sich als bemerkenswert.

"La donna è mobile" nimmt die Zuhörer mit in Verdis Oper Rigoletto. Der Gefangenenchor aus dessen Oper "Nabucco" wird getragen gesungen, die Höhepunkte werden kraftvoll interpretiert. Und wer kennt sie nicht, die Barcarole aus der Oper "Hoffmanns Erzählungen" von Jacques Offenbach. Sie lädt zur Fahrt in einer venezianischen Gondel ein.

Auch traditionelle Chorliteratur pflegen die Ernsbacher. Homogen ist der Chorklang bei dem Volkslied von Johannes Brahms. Feine Artikulation steht neben der klanglichen Ausgewogenheit bei dem Silcher-Satz. Der Chor verfügt über ein großes Stimmenpotential und leistungsfähige Solostimmen. Das zeigt sich bei beschwingten Chorsätzen. Die Interpretation ist voll innerer Spannung, je nach Textaffekt freudig-festlich, dramatisch-expressiv oder filigran und leise.

Solist Tim Atkinson gefällt mit stimmlichem Warmton, zu dem die lyrisch grundierte Sopranstimme von Susanne Rieger passt. Je nach Titel wird eine andere Atmosphäre hergestellt. Rhythmus pur beschert der mitreißende Song "Baba Yetu". Georg Stern singt sein Solo mit eindringlicher und beweglicher Stimme. Mit weichem Belcanto und hell strahlendem Forte gefällt Robin Kroschwald als Solist.

Spannungsreich ist der Wechsel zwischen Chor und Solisten. Stets ist für Abwechslung und Überraschungen gesorgt. Konstant bleibt die spürbare Leidenschaft und Freude am Singen. Nach drei Zugaben geht"s für den frenetisch gefeierten Chor von der Bühne.