Sommer verabschiedet sich extrem feucht

Von Helmut Buchholz

Sommer verabschiedet sich extrem feucht

"Die Wolken am Himmel wirken wie eine Bettdecke."

Hobbymeteorologe Roland Rösch

 

Region - Ein guter Schluss ziert alles. Wenn diese Weisheit stimmt, dann muss ein schlechter Schluss alles verunzieren. So wie der August diesen Sommer vermiest hat, der meteorologisch mit ihm zu Ende geht, indem er ihm seinen feuchten Stempel in der Erinnerung der Menschen aufdrückt. Er wird im Vergleich zu seinen Vorgängern wohl als einer der nassesten Monate überhaupt in die Wetteraufzeichnungen eingehen.

Extrem

Feuchte Abschiede sind wir ja eher zum Beispiel auf Bahnsteigen in Liebesfilmen gewöhnt. Aber dieser August sagte der warmen Jahreszeit wirklich extrem feucht Servus. Während der Juli ungewöhnlich heiß und trocken war, kippte das Wetter mit dem letzten Kalenderblatt ins andere Extrem. Als ob der liebe Gott − oder wer auch immer die Macht dazu hat − den Schalter umgelegt hätte.

Vergleich

Nur an acht von 31 Tagen blieb die Region Heilbronn im vergangenen Monat von Schauern verschont. Es schüttete nicht nur oft, sondern auch wie aus Kübeln in rauen Mengen. Hobbymeteorologe Roland Rösch hat mit 100,7 Liter pro Quadratmeter an seiner Messstation in Heilbronn-Böckingen fast die doppelte Menge Niederschläge gemessen, die durchschnittlich in den Augustmonaten der letzten Jahre 30 Jahre gefallen ist. Es gab nur einen achten Monat in einem Jahr seit 1946, der dem August 2010 das Wasser reichen konnte: der August 2006. Aber der gilt auch als nassester August schlechthin.

Das Jahr 2006, in dem das Sommermärchen mit der Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland wahr wurde, hat ohnehin viel Gemeinsames mit dem Juli und August 2010, einem weiteren WM-Jahr, meint Erika Heinz von der Öhringer Wetterstation. "Ob das wohl an der WM liegt?", fragt sie mit einem Lachen. Jedenfalls schien vor vier Jahren die Sonne im August ähnlich selten wie im August 2010.

Schnitt

Im vergangenen Monat zählte Erika Heinz nur 173,6 Sonnenscheinstunden. Im langjährigen Schnitt sind es aber 223. Noch so eine WM-Parallele: Während der Juli heiß und trocken war, folgte kein schöner August.

Hobbymeteorologe Roland Rösch möchte den Sommer 2010 aber nicht schlechter reden als er sowieso war. Denn es sei zwar ziemlich nass gewesen gewesen, aber nicht nasskalt. Wenn das ein Trost ist: Die Durchschnittstemperatur des Augusts hält sich mit 19 Grad fast genau an den langjährigen Schnitt, den die Meteorologen aus 30 Jahren bilden.

Die vielen Regenwolken haben übrigens auch ihr Gutes. Denn sie wirken, wie Rösch sagt, "wie eine Bettdecke am Himmel". Eine Art Wärmeisolierung, die verhindert, dass die Temperatur, die sich durch die Sonne den Tag über auf der Erde angereichert hat, nachts zu schnell wieder abkühlt. Ohne die Wolken wären die Nächte in diesen ersten Septembertagen noch kälter als sie es ohnehin schon sind.




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