Schöne Musik hat kein Verfallsdatum

Öhringen - Pichorbello aus Ernsbach spannt in der Kultura den konzertanten Bogen über sieben Jahrhunderte

Von Claudia Burkert- Ankenbrand

Öhringen - Viele kommen seit Jahren, um mit dem Ernsbacher Chor Pichorbello ins neue Jahr zu starten. Die Kultura ist ausverkauft. Der Gong ertönt: Das Konzert kann beginnen. Doch die Bühne bleibt leer! „Wann, wann, wann“ kommt es auf die Ohren der großen Fangemeinde. Es sind Minuten knisternder Spannung bis die rund 40 Chormitglieder einlaufen. Pichorbello ist bekannt für außergewöhnliche Konzerte und die fangen nun mal auch nicht gewöhnlich an.

Kraftvoll

Wie viel Kraft in den Stimmen steckt, wird von Anfang an bewiesen. Schon mit dem nicht alltäglichen Arrangement des Songs „So soll es bleiben“ springt der Funke über. Ohrwürmer, Klassisches, Pop, Gospels, Altbekanntes und schon immer gerne Gehörtes: Chorgesang in all seinen Facetten kommt mit dem gemischten Chor Pichorbello des Ernsbacher Gesangvereins in die Kultura. Und noch nie hat sich der Chor einem so großen musikalischen Zeitraum verschrieben. Aus der Feder von Thomas von Aquin stammt „Panis angelicus“. Eindrucksvoll ist darin der Part von Renate Gysin. Der glasklare Sopran der Solistin begeistert die Zuhörer. Barocke Pralinen werden mit Werken von Händel und Bach serviert.

Der berühmteste Satz aus dem Messias ist das Halleluja, das den zweiten der drei Teile des Oratoriums beschließt. Locker und geschmeidig werden die Koloraturen gestaltet. Jedes Pathos wird vermieden. Dies verdient besondere Sympathie. Verinnerlicht erklingt „Die Rose“. Fast jede einzelne Note des Chorsatzes lassen die Ernsbacher mitfühlen. Die Solisten sind gut gewählt. Imponierende Gemeinsamkeit verbindet sie: Alle Stimmen gefallen als Koloraturkünstler. Beispielhaft für die zahlreichen Soloeinlagen ist „Barcelona“ zu erwähnen, mit dem Bärbel Henle begeisterten Applaus erntet. Die Sopranistin findet in dem Freddy Mercury Song ihr besonderes Glanzstück. Beeindruckend sind vor allem die balladesken Stücke, unter denen die zarten, eindringlichen Stimmen gefallen.

Ulrich Dachtler leitet sicher durch die Partituren. Auch artikuliert er am Flügel mit größtem Bedacht, Chor und Solisten angemessen zu begleiten, ohne dabei das Eigengewicht zu unterschlagen. Eine einfühlsame Begleiterin auf der Violine hat Pichorbello auch mit Sabine Fetzer gewonnen. Die Soloparts spielt sie mit Hingabe.

Standing Ovations

Die Choreographie, die den Ausdruck der Musik betont und unterstützt, ist dem engagierten Chorleiter wichtig. Das ist nicht nur für die Traditionals das I-Tüpfelchen. Sängerinnen und Sänger, die voller Leidenschaft dabei sind, lässt auch der Song „Wenn der König kommt“ erleben. Eine fetzige Nummer ist der mit Schwarzlicht untermalte Klassiker „Boogie Woogie Fever“. Ein mitreißender Pichorbello-Klassiker ist der Abba-Hit „Chiquitita“. Mit Standing Ovations verabschiedet das begeisterte Publikum den Chor nicht ohne Zugaben von der Bühne.