Neue Radbrücke bleibt umstritten

Kupferzell - 160 000 Euro hatten es sich Gemeinde Kupferzell und Bund kosten lassen, die letzte Lücke des Radwegs zum Waldenburger Bahnhof zu schließen. Das ist viel Geld für ein Bauwerk, das nur bedingt etwas mit kommunaler Daseinsvorsorge zu tun hat.

Von Hagen Stegmüller

Neue Radbrücke bleibt umstritten
Seit einem Jahr führt in Kupferzell eine Brücke über die Kreisstraße nach Füßbach. Sie wurde speziell für Radfahrer errichtet.Foto: Hagen Stegmüller

Kupferzell - Der Himmel ist grau, der Wind kühl und der Radweg verwaist: Das ist der erste Eindruck, den Passanten an einem normalen Werktag von der Kupferzeller Gerberstraße bekommen. Vor einem Jahr ist hier eine neue Stahlbrücke eingehängt worden, die speziell auf die Bedürfnisse der Radfahrer zugeschnitten ist. 160 000 Euro hatten es sich Gemeinde Kupferzell und Bund kosten lassen, die letzte Lücke des Radwegs zum Waldenburger Bahnhof zu schließen. Das ist viel Geld für ein Bauwerk, das nur bedingt etwas mit kommunaler Daseinsvorsorge zu tun hat.

Gefahrlos

Eine Viertelstunde ist vorbei − und in dieser Zeit wurde die Brücke von genau einer Fußgängerin benutzt. Bald darauf kommen drei Radfahrer. Ulrich und Sigrun Salfeld sowie deren Schwester Burgunde können die neue Brücke gar nicht genug loben. "Sie ist optimal", sagt Sigrun Salfeld und zählt die Gründe auf: Viele Bewohner aus dem Kupferzeller Norden, die zu Fuß zu Lidl oder in den Ortskern gingen, würden die neue Verbindung nutzen. Auch ältere Leute, die nur spazieren gingen, kämen gefahrlos über die Straße. Und nicht zuletzt werde die Brücke am Wochenende von vielen Radtouristen und Ausflüglern befahren.

Im letzten Punkt stimmt ihr Barbara Kroner zu. Die Kupferzellerin wohnt in der Gerberstraße genau neben der neuen Stahlkonstruktion und beobachtet dort am Wochenende dutzendweise Radfahrer. "Das sind so viele, dass ich mich mit meinem Hund nicht mehr auf die Brücke traue", sagt sie.

Paul Herzog sieht das ganz anders. "Die Brücke lohnt sich nicht", sagt der Mann, der in der Kupferzeller Ortsmitte wohnt. Zweimal die Woche nimmt er extra einen Umweg in Kauf, um ein paar Schritte über den neuen Steg zu machen. Anderen Passanten begegne er dabei so gut wie nie. Insgesamt sei die Brücke viel zu teuer, Kosten und Nutzen stünden in keinerlei Verhältnis.

"Die Radfahrer könnten auch absteigen, wenn sie die Gerberstraße überqueren", meint Herzog. Bis vor einem Jahr habe das auch problemlos funktioniert. Die Brücke sei reiner Luxus, den sich in Kupferzell niemand mehr leisten könne. "Der Bahnpark war auch zu teuer. Und jetzt kriegen alle Angst, weil die Gewerbesteuer einbricht."

Baden gehen

Wieder zieht eine Viertelstunde ins Land, ohne dass sich ein Passant für die Brücke interessiert hätte. Zum Schluss kommt noch einmal ein älterer Mann mit Einkaufstüten. Drei Radfahrer und vier Fußgänger − das ist die Bilanz einer ganzen Stunde. Die beiden Enten, die sich gerade der Brücke nähern, zählen nicht mit. Sie machen wieder kehrt und gehen in der Kupfer baden.

Radbrücke

Die Brücke über die Gerberstraße wurde am 23. September 2009 fertig geliefert und in die Fundamente eingehängt. Zahlreiche Kupferzeller verfolgten das Schauspiel am frühen Morgen. Zuvor hatte die Brücke in Würzburg einen Stopp eingelegt. Dort wurde sie verzinkt. Ein Tieflader brachte den Steg dann nach Kupferzell.

Radweg

Die Brücke ist Teil des Radwegs, der auf der ehemaligen Bahntrasse von Waldenburg nach Künzelsau verläuft. Die Gemeinde Kupferzell verweist darauf, dass der Großteil des Radwegs von der Bundesrepublik Deutschland bezahlt worden sei. „Wir haben den ganzen Radweg mit zwei Brücken für rund 90 000 Euro bekommen“, sagte Bürgermeister Joachim Schaaf bei der Anlieferung im September 2009. Insgesamt habe der Bau des Radwegs allein auf Kupferzeller Gemarkung rund 450 000 Euro gekostet. Darin enthalten ist auch die Radbrücke über die B 19 bei Hesselbronn, die im Juni 2004 eingeweiht wurde. has