Musikalisches Feuerwerk

Pichorbello aus Ernsbach gibt Neujahrskonzert in der ausverkauften Kultura

Von Janine Baumann

Öhringen - Der Gong ertönt. Nach und nach füllen sich die Stuhlreihen im Saal. Hinter der Bühne geht es derweil turbulent zu. Es sind nur noch wenige Augenblicke bis zum großen Auftritt, auf den fast ein Jahr hingearbeitet wurde. Dann verdunkelt sich der Raum und die Gespräche im Publikum verebben. Zunächst betreten nur die Männer des rund 50-köpfigen Chors die große Bühne. Ihnen folgt Ulrich Dachtler, der Pichorbello leitet und am Klavier begleitet. Mit dem Volkslied "Warum bist du gekommen?" eröffnen sie das Konzert mit recht ruhigen Klängen, auf die mit umso lauterem Applaus reagiert wird. Dieser reißt auch nicht ab, als die Sängerinnen die Stufen hinaufsteigen und den einheitlich schwarz gekleideten Chor komplettieren.

Musikalische Vielfalt Gut eineinhalb Stunden lang präsentiert Pichorbello eine Mischung aus altbekannten und aktuellen, besinnlichen und beschwingten Musikstücken. Je nach Titel wird dabei eine andere Atmosphäre hergestellt. Der Ernsbacher Chor schafft den Spagat zwischen Ergriffenheit und Ausgelassenheit mit scheinbarer Leichtigkeit: In einem Moment können die Sänger mit Liedern wie "Tears in Heaven" (Eric Clapton) die Zuhörer zu Tränen rühren und kurz darauf bei "It´s my life" von Bon Jovi zum Mitklatschen animieren.

Obwohl so stets für Abwechslung und Überraschungen gesorgt ist, bleibt eines während dem Konzert konstant: Die spürbare Leidenschaft und Freude am Singen. Es wird dem Fuß gewippt, mit den Fingern geschnippt, geklatscht und so mit Mimik und Gestik der Ausdruck der Musik in Szene gesetzt.

Hingebungsvoll werden einzelne Töne phrasiert und Tonlagen gekonnt gewechselt. Strophen werden aufgeteilt und wie bei "Dieser Weg" (Xavier Naidoo) im Kanon gesungen. Auf der anderen Seite lassen sich die 50 Einzelstimmen aber auch zu einer einzigen, kräftigen Stimme zusammenfügen. Die Sänger sind aufeinander eingestimmt und können stolz das Ergebnis monatelanger Proben darbieten. Begeisterten Applaus erntet auch Solistin Bärbel Henle, der mit ihrer Interpretation von Freddie Mercurys "Barcelona" für eine Krönung des Abends sorgt.

Drei Zugaben Chorleiter Dachtler zeigt sich zufrieden mit dem hohen Niveau seiner Schützlinge. "Es ist wirklich schwierig, über mehrere Lieder hinweg 100 Prozent zu geben", stellt er fest. "Auch in dieser Hinsicht hat sich der Chor gesteigert und wird von Jahr zu Jahr besser." Schon vergangenes Jahr konnten große Erfolge gefeiert werden: Rund 1500 Zuhörer kamen bei drei ausverkauften Neujahrskonzerten in den Genuss musikalischer Vielfalt und Grenzenlosigkeit. 2010 wird daran angeknüpft: Die Faszination unkonventioneller Chormusik wird von Neuem entdeckt. Nach drei Zugaben gehen die frenetisch gefeierten Vokalisten von der Bühne.