Motivationskünstler, der einfach anders tickt

Region Dirigent Uli Dachtler und seine Chöre reißen bei Konzerten die Besucher mit

Von Rolf Muth

Wie ein Ritt über den Vulkan

Region Dirigent - Wenn der Zuhörer einen Gewinn hat, beim Auftritt der Sängerinnen und Sänger Party verspürt oder etwa beseelt aus einem klassischen oder kirchlichen Konzert geht, dann kommt er beim nächsten Mal auch wieder.“ Das Rezept von Uli Dachtler klingt einfach. Doch dahinter steckt wahre Kärrnerarbeit in den Singstunden seiner acht Chöre.

Anstrengend Das Leben des 53-Jährigen ist Musik. Jeden Tag Proben, kaum ein Wochenende ohne Auftritte. Meist vor ausverkauften Hallen und voll besetzten Stuhlreihen. Ihm liegen die jungen Sängerinnen und Sänger zu Füßen: Sie swingen, schauspielern, tanzen bei ihren öffentlichen Auftritten. Nicht zu vergleichen mit Gruppen, die statisch auf den Bühnen verharren und nahezu stoisch eigentlich flotte Lieder vom Blatt ablesen.

Bei Dachtler ziehen auch die Älteren mit. Manchmal zwar mit leichtem Widerstand, wenn der Dirigent beharrlich alte Strukturen aufbricht, neue, pfiffige, aber auch anstrengende Ideen zu den Chorauftritten mit in die Singstunden bringt. „Beharrlich und kompromissbereit - man muss beide Eigenschaften mitbringen“, sagt der gebürtige Ernsbacher. Die Veränderung zahlt sich bei seinen Chören aus.

Dachtler, der Tausendsassa, leitet neben der Würth-Bigband und dem Würth-Werkschor zudem im Chorverband Kocher (Hohenlohe) den Ernsbacher Pichorbello, mit dem er heuer zwei Mal die Öhringer Kultura und in Bad Mergentheim die Wandelhalle gefüllt hat: 1600 Zuhörer - ausverkauft.

„Mit 25 Jahren habe ich diesen Chor übernommen“, sagt Dachtler und erinnert sich freimütig auch an Misserfolge: „Damals sind wir auch schon mal vor zwölf Zuhörern aufgetreten.“ Dirigent und Sänger haben nie aufgegeben. Heute feiert der inzwischen auf 50 Aktive angewachsene Chor große Erfolge. So wie die Open Doors in Erlenbach. 1992 hat der einstige Kirchenchor Dachtler engagiert. Die 1999 ins Leben gerufene, auf jeweils drei Tage angelegte Konzertserie, die alle zwei Jahre veranstaltet wird, haben im Schnitt 1750 Menschen erlebt. Im November 2009 erwarten die Open Doors den 10 000. Zuhörer. „Zwischen Himmel und Erde fühlen wir uns beim Singen unserer Lieder“, attestieren ihm seine Sänger.

Neben der im Chorverband Heilbronn organisierten Lyra Erlenbach oder dem Urbanissimo Wimmental leitet Dachtler künstlerisch auch den Liederkranz in Schwaigern. Mit ihm und dem Popchor Power Voices hat er sich auch im Zabergäu-Sängerbund einen Namen gemacht.

Der Vorreiter im modernen Chorgesang und Vollblutmusiker, der in Weinsberg lebt, hat sein Metier nie studiert. „Nach dem Abi habe ich Bandmusik gemacht.“ Keyboard, Piano, Klavier. Engagements in München und London. Aufzeichnungen in einem Tonstudio im Londoner Stadtbezirk Paddington, wo Nina Hagen und Udo Lindenberg ein- und ausgegangen sind. Diese Zeit hat ihn geprägt.

Gänsehautfeeling „Das Image des Chorgesangs ist nicht das beste“, stellt Dachtler nüchtern fest. „Oft liegt es an uns Dirigenten, weil wir keine gute Leistung bringen.“ Der Chorleiter versucht sein Bestes: Mit dem Feuer des Jazz-Pianisten motiviert er auch fast 30 Jahre später noch mühelos seine Chormitglieder. Auch mit der Literatur von Bach über Elton John bis zu aktuellen Hits von Ich und Ich. Dachtler ist offen, kennt keine Grenzen. Dynamik, Rhythmus und Begeisterung - mit seinen Arrangements in Ton, Choreographie, Licht und Technik steckt er Sänger und Publikum gleichermaßen an. In den Konzerten entsteht eine Seelenverwandtschaft, die oft mit stehenden Ovationen gefeiert wird. Gänsehautfeeling garantiert.

Motivationskünstler, der einfach anders tickt
Locker und dennoch fordernd: Selbst die Chorproben mit dem Multitalent Uli Dachtler - hier in Schwaigern - sind bewegt, unterhaltsam und kurzweilig.Foto: Ralf Seidel