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Mit salzigem Wasser Kinder heilen
Von unserem Redakteur Wolfgang Müller
Bad Friedrichshall - Zwei Stockwerke hoch. Dazu der terrassenförmige Anbau der Bäder: Bethesda − das Kindersolbad. Es fügt sich nicht einfach ein ins überschaubare Jagstfeld von 1862. Das Gebäude prägt. Aber nicht nur wegen seiner Größe. Krankheiten von Kindern heilen und deren Leiden mindern mit Hilfe der Sole − Mitte des 19. Jahrhunderts ist das neu in Deutschland, und der Gründer Dr. August Hermann Werner gilt als Pionier auf diesem Gebiet.
Penicillin ist längst noch nicht entdeckt. Und von Krankenkassen fehlt auch noch jede Spur. Heimtückische Krankheiten gerade bei Kindern sind dafür umso verbreiteter. Lymphsystemerkrankungen etwa. Oder Rachitis, das Gliedmaßen und Knochenbau nicht gesund wachsen lässt. Als Arzt hat Werner viel gesehen. Zunächst in Neckarsulm, später in Ludwigsburg. Er will helfen.
Am 17. Juni 1862 eröffnet Werner das Kindersolbad. Zwei Jahre zuvor kauft er eine Fläche von rund 34 Ar. 1861 wird das Gebäude nach Plänen des Architekten Dr. Gottlob Pfeilsticker errichtet. Dass Werner Jagstfeld aussucht, liegt am Salzvorkommen. "Es war das erste seiner Art in Deutschland", sagt Harold Hartmann, der viele Jahre Geschäftsführer des Kindersolbads war. Damals hatte der Samariter der Kinder, wie er auch genannt wurde, bereits die Thermalbadeinrichtung Herrnhilfe in Wildbad gegründet. Weitere folgen, verteilt in ganz Württemberg. Nur das Kindersolbad ist bis heute erhalten geblieben.
Seinen Namen hat das Kindersolbad aus dem Evangelium. Bethesda, der Teich von Jerusalem, an dem Jesus Wunderheilungen vollbracht haben soll. So wie es sich Werner von der Sole erhofft. Er wird geachtet von den einfachen Menschen und geschätzt vom württembergischen Königshaus, das ihm bei der Finanzierung der Einrichtung unter die Arme greift.
Sechs Kinder werden am Anfang im Kindersolbad betreut und gepflegt. Es sind vor allem skrophelkranke und schwächliche Kinder aus elenden Verhältnissen. Werner betrachtet die Jagstfelder Einrichtung als Sommer-Kuraufenthalt für ihm anvertraute Kinder, die er aus Ludwigsburg mitbringt.
Ausbau
Der Erfolg gibt Werner Recht. Bereits sechs Jahre nach der Gründung des Bads ist ein Anbau notwendig. Der nördliche Flügel entsteht. Weitere sechs Jahre später wird der südliche Flügel gebaut, damit jährlich 280 Kinder Platz finden.
1882 stirbt August Hermann Werner im Alter von 73 Jahren. Das Kindersolbad bleibt bestehen. Im Jahr 1883 wird das Klientel erweitert − das Bad in Jagstfeld ist so beliebt, dass immer wieder angebaut und erweitert wird.
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