Juristische Hakeleien um verschwundenes Kind

Klaus Voigt ringt ums Sorgerecht und sucht weiter verzweifelt nach seiner Tochter Angelina (5)

Von Hagen Stegmüller

Öhringen - Wer bei Google "Klaus Voigt + Angelina" eintippt, erhält 78 400 Treffer. Die Suche des 38-Jährigen nach seiner Tochter füllt nicht nur Internetseiten, sondern auch dicke Aktenstapel bei Gericht. Jetzt ist ein neues Kapitel hinzugekommen.

Wie berichtet hatte sich Angelinas Mutter (38) im September 2008 von Pfedelbach ins Ausland abgesetzt. Mit an Bord waren ihr neuer Lebensgefährte, die damals vierjährige Angelina sowie ein Sohn (10) aus einer früheren Beziehung. Vorausgegangen waren Streitigkeiten mit Angelinas Vater Klaus Voigt, es ging ums Umgangs- und Sorgerecht. "Sie ist abgehauen, weil andernfalls ihr Lügengebäude zusammengebrochen wäre", sagt Klaus Voigt. Immer wieder habe ihm seine frühere Lebensgefährtin mit fadenscheinigen Ausreden das Besuchsrecht verweigert. Nun ist Voigt "krank vor Sorge", denn Angelina sei bei seiner Ex-Lebensgefährtin in schlechten Händen. Sie habe Angelina schon früher vernachlässigt.

Fortsetzung Der Sorgerechtsprozess um ein Kind, das gar nicht greifbar ist, wurde diese Woche vor dem Öhringer Amtsgericht fortgesetzt. Martina Nägele, Anwältin der verschwundenen Mutter, will für ihre Mandantin wieder das alleinige Sorgerecht erkämpfen. "Herr Voigt hat ein aggressives Klima geschaffen und meine Mandantin im Internet auf üble Weise diffamiert", sagt Nägele. Es sei zwar schwer nachvollziehbar, dass sich ihre Mandantin abgesetzt habe ("Ich hätte das nicht gemacht"), allerdings sei das nur in geringem Maß strafbar. "Man kann ihr nur vorwerfen, dass sie das Umgangsrecht des Vaters vereitelt", sagt die Anwältin. Solche Fälle gebe es zu Tausenden.

"Das macht es nur noch schlimmer", finden Klaus Voigt und seine Mitstreiter von "Väteraufbruch", einem Selbsthilfeverein für Männer, denen der Umgang mit ihren Kindern verwehrt wird. Im Oktober 2008 hatte ein Öhringer Amtsrichter entschieden, dass Klaus Voigt ein Teilsorgerecht erhält. Zu diesem Zeitpunkt waren Angelina und ihre Mutter bereits verschwunden. Laut Anwältin Nägele tendiert nun ein anderer Öhringer Richter dazu, diese Entscheidung wieder aufzuheben. Klaus Voigt solle nicht das Sorge-, aber ein Umgangsrecht kriegen. Bedingung ist der Anwältin zufolge, das Voigt seine "unsäglichen Internet-Seiten" aus dem Netz nehme. Der aktuell zuständige Richter will den Fall nicht kommentieren.

Antrag Als juristischer Sieger fühlt sich auch Klaus Voigt. Er hatte aufs alleinige Sorgerecht geklagt, war dabei aber am Amtsgericht gescheitert. Gegen dieses Urteil habe er Beschwerde vor dem Oberlandesgericht eingelegt und in drei von vier Punkten Recht bekommen. Nun müsse sich das Amtsgericht erneut mit seinem Antrag beschäftigen.