Jedes Wochenende ein kleiner Urlaub

Von Susanne Drößler

Jedes Wochenende ein kleiner Urlaub
Das entspannte Damenquartett aus dem Raum Backnang-Ludwigsburg berichtet redselig von Freud" und Leid der Camper.Foto: Susanne Drößler 

Öhringen - "Alleine sein? Nö danke. Ich will Gemeinschaft und Geselligkeit", lächelt Manfred Powilleit. Aus der Traube der Umstehenden kommt kopfnickende Bestätigung: Ein Camper ist vor allem gesellig. Der waschechte Prototyp Vielcamper ist zudem Mitglied in einem deutschen Camping Club (CC) und schätzt Rallyes, was normaldeutsch so viel wie Treffen heißt.

Der CC Hohenlohe hatte anlässlich seines 20-jährigen Bestehens zur Riesling-Rallye nach Michelbach am Wald geladen. Über 90 Einheiten − damit wird im Camperlatein ein Wohnwagen oder Wohnmobil mit mindestens zwei Insassen bezeichnet − bildeten rund um den Sportplatz eine beeindruckende Wagenburg.

Genießer

Es ist Samstagnachmittag. Auf der Wiese zu Füßen der Weinberge reiht sich Wohnwagen an Wohnwagen. Vor den Mobilheimen sitzen etliche Camper grüppchenweise zusammen. Man hält ein Nickerchen, sonnt sich. Oder man macht Kaffeeklatsch wie ein entspanntes Damenquartett aus dem Raum Backnang-Ludwigsburg. Außen hockt häkelnderweise Elvira Cornelsen. Die Beine hoch gelegt, recycelt sie schwarze, blaue oder gelbe Plastikmüllsäcke zu Einkaufstaschen. Das tut sie oft, denn sie genießt mit ihrem Wohnwagen "jedes Wochenende einen kleinen Urlaub".

Die vier Frauen sind überzeugte Dauercamper mit festen Stellplätzen am Buchhorner See. Angesprochen auf Freud und Leid eines Campers, werden sie redselig. "Man hat immer sein eigenes Bett dabei", sagt Ria Notz. "Und ist gleich in der Natur", ergänzt Ilse Kaller. "Nur Schlechtwetter und (Verwandten-) Besuch sind des Campers Fluch", grinst Marianne Trieloff, die "die Völkerverständigung" beim Campen schätzt.

Auch Marcel Grauer (elf Jahre) findet es toll, "immer neue Kinder kennen zu lernen". Wenn das Wetter mal schlecht und der Campingplatz langweilig ist, hat er ja "Laptop und Fernseher" im Wohnwagen. Das Mobilheim von Papa Gerd, Vorstand des CC Hohenlohe, ist nämlich mit allem Komfort ausgestattet. Ein Klo sei an Bord, nur zum Duschen müsse man raus, erzählt der Nachwuchscamper begeistert.

Tuchfühlung

Vom Camping-Virus infiziert ist auch Mario Schweizer. Der 24-Jährige hat sich einen gebrauchten Wohnwagen zugelegt und reist mit Freundin Tanja Gebhardt (22) durch die Lande. Dass man auf den 100 Quadratmeter großen Parzellen auf Tuchfühlung mit den Nachbarn ist, stört das Pärchen nicht. "Man lernt, sich bei Bedarf aus dem Wege zu gehen." Und wenn man dann doch mal leidenschaftliche Zweisamkeit genießt? "Macht nichts, wenn"s wackelt. Der Camper an sich ist tolerant", schmunzelt er.




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