Es beginnt mit ein bisschen Neid

Von unserer Mitarbeiterin Stefanie Pfäffle

Es beginnt mit ein bisschen Neid
Mit dem Casting von Lea (Selina Maluche) bei Herrn Tellmann (Alexander Abramyan) beginnt ihr Leidensweg. Foto: Stefanie Pfäffle 

Öhringen - Es sind ziemlich heftige Worte, die Lea da über sich im Internet lesen muss. "Scheiße zu Scheiße" als Kommentar zu ihren angeblichen Karriereplänen bei einer Castingagentur gehört noch zu den freundlichen Beiträgen.

Cybermobbing ist längst keine Randerscheinung mehr, die nur in Großstädten passiert. Das Tourneetheater Radiks aus Berlin war deswegen in der kaufmännischen Schule Öhringen zu Gast und zeigte das Zwei-Personen-Stück "Fake oder War doch nur Spaß".

Zwei Auftritte

Zunächst vor der kompletten Wirtschaftsschule, danach noch einmal vor den Elftklässlern des Wirtschaftsgymnasiums treten die beiden Schauspieler in der Aula auf. "Wir haben keinen konkreten Fall", betont Hanne Schwedler, Fachabteilungsleiterin Wirtschaftsschule. "Aber wir sehen Cybermobbing als existierendes Problem, das nicht erst bei einem schlimmen Fall aufgegriffen werden sollte." An der Schule selber versuche man durch Kennenlerntage für die neuen Schüler das Ganze gar nicht erst aufkommen zu lassen. "Mir haben schon viele im persönlichen Gespräch erzählt, wie heftig es an ihren alten Schulen teilweise zuging", berichtet die Lehrerin. Hier empfänden sie es dagegen nicht so. Nicht zuletzt sind auch im Leitbild der Schule Begriffe wie Wertschätzung verankert, die den Jugendlichen auch vermittelt werden.

Das Stück beginnt damit, dass die 17-jährige Lea (Selina Maluche) zu einer Castingagentur geht. Gegen den Willen ihres Vaters und plötzlich doch ohne Freundin Nadine, mit der sie gemeinsam in der Schulband singt. Herr Tellmann (Alexander Abramyan) verspricht ihr, sie in die Kartei aufzunehmen.

Nadine ist so neidisch, dass sie der Band erzählt, Lea fühle sich zu Höherem geboren und will nicht mehr mitmachen. Mit dieser kleinen Lüge beginnt die Hetzjagd auf die eingebildete Zicke. Lea kontert und stachelt die Meute weiter auf. Ihr Freund Alex ist keine Stütze, sondern hintergeht sie ebenfalls. Nur Kumpel Jo ist computerhackend zur Stelle, und als das Mädchen auch noch schwanger ist, haut sie von zu Hause ab.

Echte Fälle

Autor Karl Koch verfasste ein dichtes Stück, in dem er lauter echte Fälle verwoben hat. Die Schauspieler sprechen das Publikum immer wieder direkt an, doch die Jugendlichen trauen sich nicht recht, zu reagieren. "Das kann jedem passieren, manche Leute verdummen beim Thema Liebe", stellt ein Mädchen in der anschließenden Gesprächsrunde trocken fest. Nadine sei ziemlich hohl, und bloß weil man neidisch sei, gebe es keinen Grund, die Freundin schlecht zu machen. "Die hätte sich mit freuen sollen oder über ihre Eifersucht reden", finden die Schüler.

Alle wissen, dass im Internet leichter mal Dinge gesagt werden. Ein Junge gibt zu, früher regelmäßig bei solchen Onlineaktionen dabei gewesen zu sein. Sowieso sind alle bei Facebook. Im Unterricht wird das Thema nun mit Hilfe jeder Menge Material nachbearbeitet.




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