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Ein Grüner beruhigt die Schwarzmaler
Von unserem Redakteur Ralf Reichert
Kupferzell - Klaus Mugele malt den Teufel an die Wand. Er nennt Kernpunkte des Regierungsprogramms von Grün-Rot, bezogen auf die Agrarpolitik, und meint: "Wenn man das alles liest, kann es einem als Bauer schlecht werden." Mugele ist CDU-Mann − und verteidigt die konventionelle Landwirtschaft, wo er kann. Die neue politische Richtung in Baden-Württemberg sieht er im "Öko-Landbau" − und zu allem Überfluss hat auch EU-Agrarkommissar Dacian Ciolos das "Greening", also die "Ökologisierung", zum Gebot der Stunde erhoben, an dem sich die Förderung der Landwirtschaft von 2014 bis 2020 orientieren soll.
Ungenutzt
Wolfgang Reimer, seit dem Regierungswechsel Amtschef im Ministerium für Ländlichen Raum, ist ein Grüner, und er sagt: "Die Chance des Öko-Landbaus ist in Baden-Württemberg leider nicht genutzt worden. Die Märkte boomen, aber wir schaffen es nicht, die Nachfrage zu bedienen." Der Bio-Landwirt aus dem Gaildorfer Teilort Reippersberg ist aber klug genug, auf dem Hohenloher Bauerntag nicht in die Öko-Falle zu tappen − also allzu weit weg von dem zu argumentieren, was die Mitglieder des Bauernverbands Schwäbisch Hall-Hohenlohe-Rems für richtig erachten, die in ihrer großen Mehrzahl eben konventionelle Landwirtschaft betreiben und der Ansicht sind, diese sei schon "grün" genug.
Genau das will Klaus Mugele, der Verbandsvorsitzende aus Schwarzenweiler, gestern in der Kupferzeller Carl-Julius-Weber-Halle klarstellen, als er die von der EU-Kommission gewünschte Neuausrichtung der europäischen Agrarpolitik an dem misst, was im Land und in Hohenlohe längst praktiziert wird.
Öffentliches Geld für öffentliche Leistungen? "Diese Forderung haben wir voll erfüllt." Klimaschutz? "Nirgendwo gibt es so viele Agrarumweltmaßnahmen wie in Baden-Württemberg. Wir müssen nicht ständig neuen Ideen hinterher laufen." Schonender Umgang mit natürlichen Resourcen? "Energie vom Acker ist das beste Greening." Fruchtfolge statt Monokultur? "Das machen wir doch seit Generationen." Reimer nimmt den Ball auf und beruhigt: Die Perspektiven für die Landwirtschaft seien gut, die Preise würden steigen. Essen und Energie: Dies seien die Schlüsselfaktoren des Wachstums. Dann kommt er zur EU-Agrarreform. Geschickt spielt er erst die "konservative" Karte. Sprich: Bei den Direktzahlungen müssten die Bauern keine Einbußen hinnehmen. Die Flächenprämie in Baden-Württemberg würde ab 2014 sogar steigen, weil sie national vereinheitlicht werde − und die geplante Angleichung in den 27 EU-Staaten vom Tisch sei.
Lockerer
Vor diesem positiven Hintergrund könne man "über Greening etwas lockerer diskutieren". Zumal die befürchtete Stilllegung von Flächen zum Zwecke der "Ökologisierung" nicht kommen werde: "Was genau die Quote von sieben Prozent heißen soll, hat Ciolos aber immer noch nicht genau gesagt." Das von der grün-roten Regierung verhängte Umbruchverbot von Dauergrünland verteidigt Reimer. "Es gilt aber nur bis 2015, danach sehen wir weiter, wie sich die EU-Reform entwickelt hat." Die vom Land co-finanzierten ländlichen Entwicklungsprogramme will er fortführen, sie sind stark ökologisch ausgerichtet. Allerdings könnte es dafür von der EU weniger Geld geben.
Und so scheinen sich Schwarz und Grün am Ende doch näher, als man am Anfang dachte.
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