Buchdoktor wie aus dem Bilderbuch

Buchdoktor wie aus dem Bilderbuch

"Das Buch ist sehr prachtvoll und zeigt die Würde des sächsischen Kurfürstenhauses."

Landesbibliothek Halle

 

Forchtenberg - Alt und zerfleddert, zumeist mit losen Blättern und beschädigtem Einband sind die Bücher, derer sich Gerhard Christ annimmt. Auf seinem Schreibtisch im Dr.-Berger-Heimatmuseum in Ernsbach liegen einige dieser Exemplare. Und stets in griffbereiter Nähe zu finden sind auch die Utensilien, die man benötigt, um die zum Teil Jahrhunderte alten und mit handkolorierten Illustrationen ausgestatteten Bücher wieder herzustellen. Neben einem Pinsel sind dies ein spezieller Leim, Baumwollgaze und Halbleinen.

Damit hat der gelernte Schreiner in mühevoller Arbeit eine schwere Lutherbibel aus dem Jahre 1665 aufgemöbelt. "Der Ledereinband war stark beschädigt, für dessen Restaurierung habe ich spezielles Material von der Buchbinderei Sigloch in Künzelsau bezogen", erinnert sich der 82-Jährige über die aufwendige Arbeitsprozedur, die vonnöten war, um die Bibel wieder in einen ansehnlichen Zustand zu bekommen.

Zu bewundern ist das schmucke Exponat in einer Vitrine des Ernsbacher Heimatmuseums. Darin befindet sich auch eine detaillierte Bewertung durch die Landesbibliothek der Martin-Luther-Universität in Halle-Wittenberg. "Das Buch ist sehr prachtvoll und zeigt die Würde des sächsischen Kurfürstenhauses", lautet das fachmännische Urteil über die alte Bibel.

Die hohe Kunst des Bücherrestaurierens hat Gerhard Christ autodidaktisch erlernt. "Das ist schon viel G"schäft", sinniert der Liebhaber historischer Bücher über sein ungewöhnliches Hobby, für das er unzählige Stunden seiner Freizeit opfert. Es ist die Liebe zur Heimatgeschichte, die ihn antreibt. Diese für die Nachwelt zu erhalten, ist das Anliegen des Ernsbachers. Viele der alten Bücher und auch die vielen Gegenstände des täglichen Lebens stammen von Forchtenberger Bürgern, die ihre Schätze dem Heimatmuseum vermachen.

Raritäten Aus dem Fundus des Museumsgründers Dr. Werner Berger hingegen stammte das Buch "Naturgeschichte in Bildern" von 1820, das vor seiner Restaurierung in einem arg zerfledderten Zustand war. Gerhard Christ hat die Buchrarität, die handgezeichnete und handkolorierte Illustrationen aufweist, akribisch wieder hergestellt. "Da steckt schon eine Menge Idealismus dahinter", sagt der gelernte Schreiner, der seit 1990 das Ernsbacher Heimatmuseum leitet. Mit diesem fühlt er sich stark verbunden: "Das Museum ist ein Stück von mir." So lange die Gesundheit es zulasse, wolle er das Museum leiten. Eines ist dem 82-Jährigen aber klar: "Die rund 40 restaurierungsbedürftigen Bücher, die im Schrank liegen, die werde ich wohl nicht alle fertig kriegen."




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