Brüsseler Pläne sind bittere Pille

Von unserem Redakteur Alexander Hettich

Brüsseler Pläne sind bittere Pille
Rüben laufen bei der Südzucker AG in Offenau über ein Förderband: Die heimischen Bauern blicken auf eine außergewöhnlich gute Ernte zurück.Foto: Archiv/Berger 

Region - Mit den Produktionsquoten und Garantiepreisen für Zuckerrüben will die EU-Kommission eine weitere Festung auf dem Agrarmarkt schleifen und den Wettbewerb stärken. "Ein Unding" sieht Joachim Rukwied, Vorsitzender des Landesverbands der Rübenbauern, in den Brüsseler Plänen. Dabei waren die Landwirte bei ihrer Eppinger Bezirksversammlung am Donnerstag eigentlich in Feierlaune.

Reiche Ernte

"Es war ein Jahr der Rekorde", blickte Klaus Waidelich, Ausschussmitglied des Bezirks Eppingen, in der Stadthalle auf eine äußerst erfolgreiche Kampagne zurück. Mit durchschnittlich 79 Tonnen Rüben pro Hektar fuhren die Bauern im Südwesten eine außergewöhnlich gute Ernte ein. Pro Tonne der süßen Früchte winken den Landwirten 37 Euro. Das sind 10,71 Euro mehr als der garantierte Mindestpreis − auch das ein Ausnahmeergebnis.

Ist für die Bauern also "alles in Zucker?", fragte Verbandspräsident Rukwied in den Saal und gab die Antwort gleich selbst: mitnichten. Die Kritik an Brüssel ist eine Konstante solcher Versammlungen. Die EU-Kommission beabsichtigt, die sogenannte Zuckermarktordnung 2015 auslaufen zu lassen. Sie garantiert den Produzenten Mindestpreise für eine bestimmte Menge an Speisezucker. Mit der von der Kommission favorisierten Abkehr vom Quotensystem würde der Weg der Liberalisierung weiter beschritten, der schon das baldige Ende der Milchquote eingeläutet hat.

"Das gute Ergebnis ist nur eine Momentaufnahme", sieht Rukwied die Konkurrenzfähigkeit in Gefahr, sollten die Regulierungsschranken tatsächlich fallen. Die Reform der EU-Vorgaben seit 2006 habe der Branche bereits einen massiven Umbruch beschert. Preise seien gefallen, Fabriken geschlossen, Arbeitsplätze "wegreformiert" worden. "Das haben wir noch lange nicht überstanden", so Rukwied, der auch dem Landesbauernverband vorsteht. Seinerzeit hatte die EU die Eigenproduktion gedrosselt und Importe erleichtert, um Entwicklungsländern Absatzmärkte in Europa zu öffnen. Seither ist die EU, vorher Großexporteur, auf Einfuhren aus Brasilien oder Afrika angewiesen. Dort wird der süße Rohstoff aus Zuckerrohr gewonnen.

Abhängig

Derzeit sind die Weltmarktpreise aber so hoch, dass der Rohrzucker anderswo losgeschlagen wird und gar nicht nach Europa gelangt. Ohne Quote und Garantiepreis, so Rukwieds Szenario, mache sich Europa vollends abhängig von stark schwankenden Preisen auf dem von Brasilien dominierten globalen Markt. "Wir brauchen Zucker aus der europäischer Rübe, nur so können wir die Versorgungssicherheit gewährleisten", forderte er, die bestehende Marktordnung bis mindestens 2020 fortzuschreiben. Auch das Vorhaben, einen Teil der Ackerflachen im Zuge des sogenannten "Greening" zwangsweise stillzulegen, stößt vielen Bauern sauer auf. "Wir haben diese Flächen nicht", winkt Rukwied ab. Er sieht trotz des Rekordjahres "eine Menge an Herausforderungen" auf die heimischen Rübenbauern zukommen.

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