Bierdurst lässt nach

Von Hagen Stegmüller

Bierdurst lässt nach
Ein Kunde greift in einem Cappeler Getränkemarkt nach einer Kiste Bier. Immer häufiger lässt sich Bier nur noch mit Preisnachlässen verkaufen.Foto: Hagen Stegmüller 

Hohenlohe - Am Wochenende steigt in Pfedelbach das Bierdorf. Zumindest für kurze Zeit werden Pils und Hefeweizen im Rampenlicht stehen, doch langfristig zeigt der Trend klar nach unten. Bundesweit geht der Bier-Ausstoß pro Jahr um ein bis zwei Prozent zurück. Da sind bei Hohenloher Brauereien und Getränkehändlern neue Ideen gefragt.

Umgerechnet 17 Millionen Flaschen Pils werden bei der Herbsthäuser Brauerei in Mergentheim pro Jahr abgefüllt. "Auch bei uns geht der Ausstoß leicht zurück", gesteht Klaus Wunderlich, 62-jähriger Chef des Familienbetriebs. Als die Brauerei 1870 gegründet wurde, mussten sich Wunderlichs Vorfahren noch keine Gedanken über die alternde Gesellschaft, 0,5-Promille-Grenze und kalorienarme Ernährung machen. Heute wird der Absatzdruck verschärft von Billigbieren wie Markgrafenbräu (Kiste für 6,99 Euro).

Weniger Umsatz

Auf Veränderungen müssen sich auch die Hohenloher Getränkehändler einstellen. "Es wird weniger Bier gekauft", bestätigt Wolfgang Seitz vom Getränke-Paradies Pfedelbach. Zudem sei das Billig-Bier im Kommen. Der Handel kann statt Bier zwar verstärkt Alkoholfreies anbieten, doch das schmälert den Ertrag. "Um den gleichen Umsatz zu erreichen, muss ich dreimal so viel Wasser wie Bier verkaufen", sagt Gerhard Kast, Vertriebsleiter beim süddeutschen Getränkehändler Göbel mit Filiale in Öhringen-Cappel.

Der Neuensteiner Getränkehändler Mark Kober geht davon aus, dass die veränderten Trinkgewohnheiten für einige klassische Abholmärkte das Aus bedeuten werden. Nicht nur der Bier-Absatz gehe zurück, auch beim Wasser werde der Markt von den billigen Einweg-Flaschen der Discounter überschwemmt.

In der Gastronomie ist Bier laut Göbel-Vertriebschef Kast ebenfalls auf dem Rückzug. In den Lokalen spiele es nicht einmal eine Rolle, ob ein frisch gezapftes Pils 2,60 oder 2,80 Euro koste. "Jeder trinkt zwei Bier", sagt Kast. Ein drittes Glas könne sich − zumindest unter den Autofahrern − niemand erlauben.

Sortiment erweitern

Kleine Brauereien wie Herbsthäuser in Bad Mergentheim müssen sich etwas einfallen lassen, wenn sie im schrumpfenden Bier-Markt nicht geschluckt werden wollen. "Das Stichwort heißt Sortimentserweiterung", sagt Firmenchef Wunderlich. Alkoholfreies Bier sei früher stiefmütterlich behandelt worden, jetzt aber schwer gefragt. Das gelte zum Beispiel für alkoholfreies Weizen. Auch Apfelschorle hat Herbsthäuser mittlerweile im Angebot.

Billiges Bier

Bier ist nach Angaben des deutschen Brauer-Bundes so günstig wie seit Jahren nicht mehr. Der Absatzdruck hat laut der Gesellschaft für Konsumforschung dazu geführt, dass dieses Jahr jede zweite Kiste Markenbier über Aktionsangebote verkauft wurde. 2008 hatten zahlreiche Bierhersteller wegen gestiegener Rohstoff-, Energie- und Logistikkosten ihre Preise um einen Euro pro Kasten angehoben.

Teure Rohstoffe

Die Brauereien weisen darauf hin, dass ihre Kosten stark gestiegen seien. Unter anderem sei Glas deutlich teurer geworden. Auch bei den Rohstoffen sei ein Preissprung zu erwarten. Hopfen und Malz aus Deutschland seien in der ganzen Welt begehrt. „Die Chinesen kaufen den Markt derzeit regelrecht leer“, sagte Volker Kuhl, Chef der Privatbrauerei Veltins, der Tageszeitung „Die Welt“. has




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