Bauern weihen Biogasanlage ein

Kupferzell - Verspäteter Tag der offenen Tür: Bereits am 16. November 2011 haben die vier Landwirte Hans-Ulrich Hege, Gerhard Giebler, Holger Neber und Rolf Stirn die Biogasanlage in Betrieb genommen. Damals waren die Außenanlagen aber noch nicht fertig, daher verschoben die Eigentümer die Einweihung.

Von unserer Redakteurin Juliane Renk

Bauern weihen Biogasanlage ein
Drei Behälter, sogenannte Fermenter, und ein Blockheizkraftwerk mit Motor gehören zur Biogasanlage der Nuga in Hesselbronn.Foto: privat

Kupferzell - Gülle, die kaum stinkt, gibt es tatsächlich. Davon können sich die Besucher am Sonntag bei der Einweihung der Biogasanlage Nuga (Naturgas) in Hesselbronn überzeugen. Dadurch, dass die Stoffe einen etwa 100-tägigen Gärprozess durchlaufen, entweicht das Methan in der Anlage. Die Mischung, die die Bauern auf die Felder ausbringen, verliert dadurch deutlich an Geruch.

Bereits am 16. November 2011 haben die vier Landwirte Hans-Ulrich Hege, Gerhard Giebler, Holger Neber und Rolf Stirn die Biogasanlage in Betrieb genommen. Damals waren die Außenanlagen aber noch nicht fertig, daher verschoben die Eigentümer die Einweihung.

Bis dahin haben die Männer einen weiten Weg zurückgelegt, der über mehrere Gerichte führte. Die ersten Planungen für die Anlage reichten sie im Frühjahr 2010 ein. Dann gab es Ärger mit den Nachbarn Hans und Dieter Heinle, die Gestank wahrnahmen und klagten.

Das Verwaltungsgericht Stuttgart verhängte einen viermonatigen Baustopp, den der Verwaltungsgerichtshof in Mannheim später aufhob. "Es sei nicht zu erwarten, dass die Anlage die zulässigen Geruchswerte überschreite", meinten die Richter. Einen Verlust von 100 000 Euro habe der Baustopp verursacht, sagen die Betreiber.

Langwierig

Obwohl inzwischen drei Jahre vergangen sind: Die Stimmung zwischen den Betreibern der Anlage und dem Nachbarn "hat sich nicht entspannt", sagt Rolf Stirn. Der Baustopp hätte für das Unternehmen beinahe zum Verhängnis werden können, da sich die gesetzlichen Rahmenbedingungen und die Einspeisevergütung etwa eineinhalb Monate nachdem die Anlage fertig war, geändert haben. "Wären wir später fertig geworden, hätten wir die Anlage mit der bisherigen Ausstattung nicht mehr wirtschaftlich betreiben können", sagt Stirn.

Während das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) 2009 für Silomais einen höheren Satz zahlte, setze das EGG 2012 diesen herab. Nach den neuen Richtlinien würde die Nuga jährlich rund 40 000 Euro weniger einnehmen. "Man wollte dafür sorgen, dass Mais als Nahrungsmittel und nicht ausschließlich für die Biogasproduktion angebaut wird", sagt Dr. Wolfgang Eißen, der dasLandwirtschaftsamt im Hohenloehr Landratsamt und das Öhringer Büro der Bioenergieregion Hohenlohe-Odenwald-Tauber (HOT) leitet. "Die Regelung hat die Biogaseuphorie gestoppt", ergänzt Eißen.

Aktuell erzeugen die Landwirte in Hesselbronn Wärme mit einem Gemisch, das zu 35 Prozent aus Gülle, zu 40 Prozent aus Mais und 25 Prozent aus Grünschnitt besteht.

Im ersten Schritt wird die Mischung in einer Art Container durchgerührt. Von dort gelangt die Masse über eine Förderschnecke in weitere Behälter. Im ersten gesellen sich Bakterien hinzu, die sich bei einer Temperatur von 43 Grad vermehren. Ein Rührwerk durchmischt die Pampe.

Methan entwickelt sich und lässt auf der braunen Masse Blasen entstehen. Das Gas steigt in dem Behälter auf und setzt sich über der Flüssigkeit ab. Ein Rohr pumpt das Gas weiter in den nächsten Behälter, den Nachgärer.

Methan

Dort entwickelt sich ebenfalls Methan. Danach landet das Gemisch im dritten Behälter, dem Gärrestelager. Dort pumpen die Bauern die Gülle ab. Das Gas liefern sie zu zwei Dritteln an die Stadtwerke Schwäbisch Hall. Ein Drittel nutzen sie vor Ort, um den Motor der Anlage zu betreiben, und zwei der Behälter zu heizen. Dabei bleibt noch einiges an Wärme ungenützt, so dass sie künftig sieben Wohnhäuser in Hesselbronn damit heizen wollen.

Die Biogasanlage Nuga in Kupferzell-Hesselbronn lädt für Sonntag, 5. Ma, von 11 bis 16 Uhr ein. Es gibt Führungen.

Bauern weihen Biogasanlage ein
Oben auf den einzelnen Behältern kann man die Spitzen des Rührwerks sehen.
Bauern weihen Biogasanlage ein
Die Landwirte Rolf Stirn (links) und Gerhard Giebler betrachten die Gasrohre auf der Oberfläche der Behälter. Sie betreiben die Anlage mit zwei weiteren Bauern.
Bauern weihen Biogasanlage ein
So sieht das Gemisch aus Mais und Rindermist aus.Fotos: Juliane Renk