Intime Bilder über WhatsApp gefordert

Öhringen  Ein 25-Jähriger aus dem Hohenlohekreis wird vom Amtsgericht in Öhringen von versuchter Nötigung einer Elfjährigen freigesprochen. Bei den Ermittlungen der Polizei lief nicht alles rund.

Von Ranjo Doering

Intime Bilder gefordert

Wegen versuchter Nötigung in Whats App muss sich ein 25-Jähriger aus dem Hohenlohekreis vor dem Amtsgericht verantworten. Er wird freigesprochen.

Foto: dpa

 

Der Vorwurf wiegt schwer: Ein 25-jähriger Mann aus dem Hohenlohekreis soll im November 2016 eine Elfjährige in WhatsApp genötigt haben, ihm Bilder aus ihrem Intimbereich zu schicken. Sollte sie der Forderung nicht nachkommen, drohte der Mann, Bilder und ihre Telefonnummer ins Internet zu stellen.

Bei den Ermittlungen läuft nicht alles rund: Der Angeklagte hat schon bei der Vernehmung mit der Polizei angegeben, dass sein Handy gehackt worden sei. Ein Durchsuchungsbefehl ergeht erst viel später - die zum Anschluss gehörige Sim-Karte hat der 25-Jährige inzwischen nicht mehr. Auf seinem aktuellen Handy werden keine strafrelevanten Inhalte gefunden.

Kontakt beginnt auf Musik-Plattform

Der Kontakt hatte auf der Social-Media-Plattform Musical.ly begonnen. Die Nutzer filmen sich dort mit der eigenen Handykamera und bewegen ihre Lippen synchron zu einem selbst ausgewählten Full-Playback-Lied. Dazu können sie tanzen, turnen und gestikulieren. Das Gespräch ging dann zu Whats App über. Der Täter soll sich in den Chatprogrammen als deutlich jünger ausgegeben haben und ein Profilbild eines Jungen verwendet haben.

Die Ehefrau und der Schwager des Angeklagten sind als Zeugen geladen. Beide bestätigen, dass der Angeklagte zur Tatzeit nicht an seinem Handy gewesen sei. "Wir haben wie jeden Tag gemeinsam bei meinen Eltern gegessen. Meine Eltern sind etwas altmodisch, Handys am Tisch gibt es nicht", sagt die Ehefrau vor Gericht. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass er so etwas getan hat", sagt der Schwager. Die Staatsanwaltschaft sieht das anders: "Auch wenn man beim Abendessen sitzt, kann man sich zehn Minuten entfernen, um eine Nachricht zu verfassen." Der Angeklagte möchte zum Vorfall nichts sagen, ruhig verfolgt er die Verhandlung vor dem Amtsgericht. Die Staatsanwaltschaft hatte eine Geldstrafe in Höhe von 4800 Euro gefordert, die Verteidigung Freispruch.

Whats-App-Account gehackt?

"Man kann tagtäglich in den Medien lesen, dass Whats-App-Accounts gehackt werden. Das kann schnell passieren", sagt der Verteidiger in seinem Plädoyer. Eine mögliche Erklärung für den Vorfall habe man aber auch: Die Ex-Frau des Angeklagten versuche ihm schon seit längerem zu schaden. Sie habe ihm auch den Umgang mit dem gemeinsamen Kind verboten.

"Das Problem ist, dass der Inhaber einer Nummer nicht immer die Person sein muss, die den Anschluss dann auch nutzt. Eine Zuordnung von Nutzer und Anschluss ist in diesem Fall nicht möglich", begründet Amtsrichter Lutz Göpfert den Freispruch.