Im Zeichen des grünen Daumens

Von Peter Hohl

Die Arbeitsgruppe des evangelischen Bauernwerks will in München Farbe bekennen und die Interessen der heimischen Landwirtschaft vertreten.



Waldenburg - Hohebuch will dem ökumenischen Kirchentag in München seinen Stempel aufdrücken, einen farbigen überdies: Die Stadt-Land-Partnerschaft im evangelischen Bauernwerk Württemberg sammelt grüne Daumenabdrücke als sichtbare Bekenntnisse zur heimischen Landwirtschaft.

13 Frauen und Männer der Stadt-Land-Partnerschaft reisen Mitte Mai in die bayerische Landeshauptstadt. „Unseres Wissens sind wir die einzige Gruppe aus Nordwürttemberg, die sich mit einem eigenen Stand auf dem Kirchentag präsentiert“, sagt Bauernwerks-Geschäftsführer Dr. Clemens Dirscherl. Die Hohebucher Aktion steht unter dem Motto: „Bauern? Bauern! – Die gibt’s ja auch noch. Gott sei Dank für Stadt und Land.“

Thema

„Der Kirchentag legt Wert darauf, dass man thematisch etwas macht“, sagt Dirscherl. Das Thema der Hohebucher ist die Zukunft der heimischen Landwirtschaft. Dafür werben die 13 Mitstreiter auf ganz besondere Arbeit: Sie sammeln grüne Daumenabdrücke der Standbesucher (Landesbischof Frank Otfried July hat seine Teilnahme fest zugesagt), sie verteilen 1000 selbst gebackene Mürbeteig-Hände mit grünen (Spinatfarben-)Daumen, und sie locken ihre Gäste in ein selbst gebautes Spiegelkabinett.

Im Spiegelbild erscheint der Betrachter mal größer, mal kleiner, mal dicker, mal dünner und mal auf dem Kopf stehend. Zu jedem Spiegel gibt es eine Frage. Beispiel: „Machen wir uns zu breit?“ Antwort: „Unsere Lebensgrundlagen sind von Maßlosigkeit bedroht.“
Die Stadt-Land-Partnerschaft erwartet viel Sympathie für ihr Anliegen – und sieht die Zustimmung zugleich mit gemischten Gefühlen. Wer zum Kirchentag gehe, sei üblicherweise für die Schöpfung bewegt, weiß Clemens Dirscherl: „Unsere Aufgabe ist es, Realität zu bringen.“ Oder, wie es der evangelische Landesbauernpfarrer Dr. Jörg Dinger formuliert, „das Ganze zu erden.“

Denn die Stadt-Land-Partnerschaft vertrete „keine politische Richtung“, betont Gründungsmitglied Hansjörg Keyl. Das Eintreten für die heimische Landwirtschaft schließe den Biolandbau ebenso ein wie die konventionell wirtschaftenden Höfe.

Erfahrung

Zum vierten Mal wird die Stadt-Land-Partnerschaft das Bauernwerk bei einem Kirchentag vertreten. „Die Erfahrung ist unglaublich positiv“, berichtet Adalbert Binder von den bisherigen Auftritten in Köln, Berlin und Stuttgart. Und Gudrun Stier ergänzt: „Die Arbeit am Stand war für mich immer das Interessanteste an den Kirchentagen.“

In Dreier- oder Vierergruppen werden die Hohebucher am Messestand für ihr Anliegen werben. Wer frei hat, ist auf dem Kirchentagsgelände unterwegs. Die Daumenabdrücke werden auf einer weißen Leinwand gesammelt, die auf einen Holzrahmen gespannt ist. Wie viele Abdrücke sollen es werden? „1000 pro Tag“, sagt Clemens Dirscherl spontan. Hansjörg Keyl ist skeptisch: „Vielleicht 300 täglich.“ Gudrun Stier sucht einen Mittelwert: „400 bis 500.“ Adalbert Binder rechnet zusammen: „Wenn wir den Kirchentag mit 2000 Daumenabdrücken verlassen, war es ein Erfolg.“ Der 2. ökumenische Kirchentag in München dauert fünf Tage.

Ökumenischer Kirchentag

Zur Premiere 2003 in Berlin kamen rund 200 000 Besucher. Der zweite ökumenische Kirchentag findet vom 12. bis 16. Mai in der Münchner Messestadt Riem statt. Die Stadt-Land-Partnerschaft des evangelischen Bauernwerks in Württemberg schlägt ihren Stand in Halle B  6 auf. Clemens Dirscherl wird überdies in seiner Funktion als Beauftragter für agrarsoziale Fragen der evangelischen Kirche in Deutschland an einer Podiumsdiskussion mit dem Thema „Nachhaltige Landbewirtschaftung – eine Überlebensfrage der Menschheit“ teilnehmen (Freitag, 14. Mai, 14 bis 15.30 Uhr in Halle A 3). Für die Musik an diesem Nachmittag sorgt mit der BBÖ Brass Connection übrigens ein Ensemble aus der Region. Getragen wird die Großveranstaltung in München von der evangelischen und der katholischen Kirche in Deutschland. Das Leitwort lautet „Damit Ihr Hoffnung habt“. Das Programm umfasst rund 3000 Veranstaltungen. Detaillierte Informationen zum ökumenischen Kirchentag gibt es im Internet unter www.oekt.de.





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