Brandstiftung Neuenstein: Staatsanwalt fordert lange Haftstrafen

Heilbronn  Der Prozess um die Brandstiftung in einem noch unbewohnten Flüchtlingswohnheim geht dem Ende entgegen. Die Staatsanwaltschaft hat in ihrem Plädoyer langjährige Haftstrafen für die beiden Täter gefordert. Eeine Verbindung zum Brand in Pfedelbach konnten die Ermittler aber nicht finden.

Von Yvonne Tscherwitschke

Staatsanwalt fordert langjährige Haftstrafen für Neuensteiner Brandstiftung

Am Donnerstag, 9. November, verkündet die 3. Große Strafkammer am Landgericht Heilbronn die Urteile für die Brandstiftung in Neuenstein.

Foto: Archiv/Oliver Färber

 

"Wer in Deutschland Flüchtlingsheime in Brand setzt, der darf nicht mit der Milde des Gesetzes rechnen." Mit diesen Worten forderte der Staatsanwalt mehrjährige Haftstrafen für die beiden Männer, die gestanden hatten, in den frühen Morgenstunden des 20. Januar den Rohbau des Neuensteiner Flüchtlingsheims in Brand gesetzt zu haben.

Im Fall des 32 Jahre alten Angeklagten kamen zum Vorwurf der Brandstiftung noch diverse Verstöße gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz. Bei dem 32-Jährigen waren im Zuge der Ermittlungen zwei Kisten mit (umgebauten) Waffen und über tausend Schuss Munition gefunden worden. Deshalb forderte der Staatsanwalt für den dreifachen Familienvater sechs Jahre und zwei Monate Haft. Die Kisten habe er für einen Bekannten in seinem Keller aufbewahrt. Der Bekannte war deswegen vom Amtsgericht Öhringen bereits zu zwei Jahren und vier Monaten Haft verurteilt worden.

Für den jüngeren Angeklagten forderte der Staatsanwalt eine Haftstrafe von fünf Jahren und einem Monat. Der Staatsanwalt erklärte, in der Strafzumessung bereits berücksichtigt zu haben, dass das Verfahren trotz der komplexen Vorwürfe schnell zu Ende gebracht werden konnte, da beide Angeklagten umfangreiche Geständnisse abgelegt hatten. Der Strafrahmen bei Brandstiftung bewegt sich zwischen einem und zehn Jahren Haft.

Handy führt zum Täter

Am Tatort war das Handy des Älteren gefunden worden, das die Ermittler schnell auf die Spur der Angeklagten gebracht hatte. Bei der Auswertung der Handydaten und der PCs waren die Ermittler auf rechtsradikale Musik und Fotos gestossen. Beide Angeklagten hatten erklärt, der rechten Szene anzugehören und Veranstaltungen des rechten Bündnisses "Hohenlohe wacht auf" besucht und organisiert zu haben. Keine Hinweise hatten die Ermittler auf einen Zusammenhang mit der Brandstiftung in Pfedelbach im November 2016 gefunden.

Dieser Brand allerdings habe die Angeklagten inspiriert, verwies der Staatsanwalt auf die lange Planung. "Da steckt viel kriminelle Energie drin."

"Ich mache keinen Hehl daraus, dass das keine normale Sachbeschädigung ist", sagte Rechtsanwalt Thomas Koch und forderte für seinen 24 Jahre alten Mandanten drei Jahre und drei Monate. Die Akzeptanz durch die neuen Freunde sei seinem Mandaten sehr wichtig gewesen. "An der Sache wird er noch lange zu knabbern haben", verwies Koch auf den hohen Sachschaden von rund 106.000 Euro und die Feuerwehrrechnung. Mit der "hirnrissigen Aktion" habe sein Mandant seine ganze Familie in Verruf gebracht.

Enormer Schaden

Auch sein Mandant habe seiner Familie und dem Betrieb enormen Schaden zugefügt, erklärte Enzo Beathalter für den 32-Jährigen. Dessen politische Gesinnung sei früher extremer gewesen. Vier Jahre und drei Monate erachtete Beathalter für ausreichend. Beide Angeklagte bedauerten in ihren Schlussworten ihre Tat und entschuldigten sich dafür, auch bei der Stadt Neuenstein. Die war am Vormittag durch Bürgermeister Karl-Michael Nicklas vertreten worden. Er hatte ein Stimmungsbild abgegeben und beschrieben, wie die Stadt und die vielen ehrenamtlichen Helfer mit den ankommenden Flüchtlingen umgegangen waren.

Das Urteil soll am 9. November fallen.

 

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