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St. Pauli liegt in Nagelsberg
Von unserem Redakteur Henry Doll
Künzelsau - Wenn ein Fußballclub zehn Jahre besteht, ist das normalerweise keine große Nachricht. Etwas anders sieht das beim FC Phoenix Nagelsberg aus. Seit seiner Gründung vor zehn Jahren war der Club oft totgesagt. Aber er machte seinem Namen Phoenix alle Ehre und tauchte immer wieder auf, wie der sprichwörtliche Vogel aus der Asche. Heute hat der Club rund 250 Mitglieder und das wohl treueste Publikum der Kreisliga B Hohenlohe. Zwischen 70 und 150 Zuschauer kommen pro Heimspiel. Geht es gegen Künzelsau, sind es schon mal 400.
Und so fing alles an: Als aus den Fußballabteilungen der Sportfreunde Nagelsberg und des damaligen TSV Künzelsau der FV Künzelsau hervor ging, gab es in Nagelsberg über Nacht keinen Fußball mehr. Ein Zustand, den viele in dem Teilort nicht hinnehmen wollten. "Weil es halt ein sozialer Treffpunkt war. Normalerweise traf man sich sonntags. Das war nun nicht mehr so", erinnert sich Christian Wiedenmeyer, Gründungsmitglied des FC Phoenix und lange Jahre der erste Vorsitzende. Weder Markus Thierbach, der aktuelle erste Vorsitzende, noch Wiedenmeyer, noch Fußball-Abteilungsleiter Christoph Carle wollen im Jubiläumsjahr alte Wunden aufreißen. Aber Fakt sei, dass die Anfangszeit des FC Phoenix voller kurioser Geschichten stecke. So war es viele Jahre nicht erlaubt, die Duschen und Umkleidekabinen im Sportheim in Nagelsberg zu benutzen. Dass sich das Verhältnis zwischen Phoenix und den alteingesessenen Sportfreunden sowie dem FV längst gebessert habe, lasse sich auch daran ablesen, dass Markus Thierbach nicht nur Phoenix-Vorsitzender, sondern auch einer von drei Vorständen der Sportfreunde Nagelsberg ist. Inzwischen dürfen Duschen und Umkleiden am Sportplatz Nagelsberg auch vom FC Phoenix benutzt werden. Eine kleine Hütte wurde aufgebaut, damit der Club bewirten kann.
Entwicklungen
Heute wird das Thema Vereinsfusion oder Spielgemeinschaft mit anderen Augen gesehen als vielleicht noch vor zehn Jahren. Übrigens nicht nur in Nagelsberg: Zusammenschlüsse wie zwischen den Fußballern des TSV Weißbach und den Kickern des TSV Niedernhall zeigen, dass die Bevölkerungsentwicklung auch andernorts im Kochertal nach neuen Lösungen verlangt. Zeitweise gab es in der zehnjährigen Vereinsgeschichte Jugend- und Frauenfußball beim FC Phoenix. Derzeit gibt es hier nichts mehr, aber es sei klar, so Thierbach, dass zumindest wieder Jugendfußball angeboten werden müsse. Die erste und zweite Herrenmannschaft haben sich hingegen gut im Spielbetrieb etabliert. Allerdings hat der FC bislang nie viel gerissen. Derzeit bewegt man sich im hinteren Teil der Kreisliga B 2. Aber es gab auch Momente des Triumphs: Ausgerechnet gegen den Lokalrivalen FV Künzels-au gelang 2002 der erste Sieg.
Eine Episode, die das Vereinsleben beschreibt, ist für Christoph Carle die Geschichte des Buskaufs. 2005 sollte ein knallroter englischer Doppeldeckerbus erworben werden, um als mobiles Vereinsheim und fahrbare Bar zu dienen, die auch vermietet werden kann. Man traf sich in der Pils-Bar und stellte den Mitgliedern die Idee vor. Spontan erhoben sich einige, um zum Bankautomaten zu gehen und Geld abzuheben. Vor zwei Jahren wurde der Bus wieder verkauft. Laut Tüv war er stark gelb-rot-gefährdet.
Konzept
"Wir sehen uns als Kultverein", sagt Christian Wiedenmeyer. Wenn Künzelsau Hamburg wäre, dann wäre der FC Phoenix St. Pauli. "Unaufsteigbar und keinen Pfennig Geld: FC Phoenix, der geilste Club der Welt", so lautet der Slogan. Das Konzept sei, dass man Fußball spielt, weil es Spaß macht, versichern Thierbach und Carle. Es gebe natürlich auch andere Konzepte, sagt Christian Wiedenmeyer. Jeder kenne schließlich Vereine, die schon in der Bezirksliga sechsstellige Summen bewegen. Kommentar Seite 33
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