Springreiten trotz Handicap

Krautheim - Axel Kruse war Springreiter und ist nach seinem Schlaganfall Springreiter mit Handicap. "Es passierte auf dem Pferd bei einem Turnier", erzählt der Reiter aus Weil der Stadt. Danach ging bei ihm nichts mehr. "Ich konnte nur noch an die Decke schauen", beschreibt er diese Zeit.

Von unserer Mitarbeiterin Claudia Burkert-Ankenbrand

Springreiten trotz Handicap
Caroline Hölzer gehörte zu den Springreitern mit Handicap beim ersten Sichtungslehrgang des deutschen Kuratoriums für therapeutisches Reiten.Foto: Burkert

Krautheim - Axel Kruse war Springreiter und ist nach seinem Schlaganfall Springreiter mit Handicap. "Es passierte auf dem Pferd bei einem Turnier", erzählt der Reiter aus Weil der Stadt. Danach ging bei ihm nichts mehr. "Ich konnte nur noch an die Decke schauen", beschreibt er diese Zeit.

Sein "zweites Leben", wie er es nennt, verdanke er dem therapeutischen Reiten. Es war für ihn die beste Therapie. Halbseitig gelähmt ist Axel Kruse geblieben. Trotz dieses Handicaps gewann er dieses Jahr in La Boule an der französischen Atlantikküste das Turnier bei den Springreitern mit Handicap.

Neue Entwicklung

Was sich jedoch in Frankreich und auch in Großbritannien bereits etabliert hat, steckt hierzulande noch in den Kinderschuhen. "Bislang existiert noch nicht einmal ein Regelwerk", erklärt Christian Feigl. Der Springreiter aus Breitbrunn am Ammersee ist von Geburt an halbseitig gelähmt und gehört wie Axel Kruse zu den Teilnehmern beim ersten Sichtungslehrgang des deutschen Kuratoriums für therapeutisches Reiten in Krautheim. Denn das in Warendorf beheimatete Kuratorium, das sich um den Einsatz des Pferdes in Therapie, Pädagogik und Sport kümmert, hat sich auf die Fahne geschrieben, Springreiten trotz Handicap zu etablieren.

Hierfür wurden mit Dirk-Michael Mülot und Ulrich Nickl starke Unterstützer gefunden. Der ehemalige Bundestrainer der Dressurreiter mit Handicap und das Vorstandsmitglied des Kuratoriums wollen die Reiter nach besten Möglichkeiten unterstützen und verfolgen mit ihnen das Ziel, baldmöglichst auch Springprüfungen für Reiter mit Handicap auszuschreiben. Dirk-Michael Mülot trainiert daher ein Wochenende lang mit den Reitern, die aus allen Ecken Deutschlands nach Krautheim gekommen sind. "Ich will weiterkommen", begründet Carolin Landgraf, warum sie am Lehrgang teilnimmt. Das linke Auge der Dreizehnjährigen musste wegen eines Tumors entfernt werden. Doch ihr Handicap, nur auf einem Auge zu sehen, hält die begeisterte Springreiterin aus Essingen bei Aalen nicht ab, bei Turnieren für Reiter ohne Handicap teilzunehmen. Auch Wibke Tegtmeyer ist trotz Unterschenkelprothese im Regelsport aktiv. Die Reiterin aus Hildesheim wünscht sich jedoch Springturniere für Reiter mit Handicap. "Für uns Teilnehmer ist der Lehrgang in Krautheim der erste große Schritt hin zur offiziellen Anerkennung des Springreitens mit Handicap im deutschen Parasport", sagt Michael Wimme.

Nächste Schritte

Gemeinsam will der stellvertretende Vorsitzende des Kuratoriums Uwe Kaplirz zu Sulewicz daran arbeiten. "Wir wollen Dinge entsprechend auf den Weg bringen", erklärt er beim Abschlussgespräch im Reiterstüble des Reit- und Fahrvereins Krautheim. So sollen mit weiteren Lehrgängen im kommenden Jahr und entsprechender Überzeugungsarbeit schon bald die nächsten Schritte folgen, um Springreiten trotz Handicap offiziell wettkampffähig zu machen.