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Naturerlebnis gegen Lebensraum
Argumente - Die einen wollen im Kanu Flusslandschaft erleben, die anderen sorgen sich um die Fische. Thomas Dierolf ist Chef der Firma "100 Prozent Kanu & Bike" in Gochsen, seine Boote sind auf Kocher, Jagst und Neckar unterwegs. Er sieht sein Unternehmen durch die zunehmende Reglementierung in Gefahr. Gefahr drohe hingegen, ist Markus Hannemann sicher, den Tieren: Der Sprecher der Fischerei-Hegegemeinschaft Jagst sieht die Bestände durch massenhaften Kanutourismus vor dem Aus. Redakteur Alexander Klug hat sich mit beiden unterhalten.
Wie geht es denn den Fischen in der Jagst, Herr Hannemann?
Markus Hannemann: Nicht gut. Oder besser gesagt, es gibt kaum noch welche. Seit Mitte der 90er Jahre sind die Bestände um rund 80 Prozent zurückgegangen.
Worin sehen Sie die Gründe dafür?
Hannemann: Punkt eins ist ein Vogel, der Kormoran. Seine Population ist stark gewachsen, vor allem im Winter sind die Vögel bei uns. Jedes Tier frisst ein halbes Kilo Fisch am Tag. Neben den kleinen Fischen, die sie fressen, verletzen sie größere Fische, die auch sterben. Dann spielen chemische Rückstände aus Kläranlagen eine Rolle, die die Flüsse belasten. Und als drittes der Kanutourismus, der zugenommen hat und der das Leben in den Flüssen stört.
Wie kommen sich Paddler und Fische in die Quere?
Hannemann: Wissen Sie, wenn ein Mensch durch ein Weizenfeld geht, merkt das niemand. Wenn es 100 sind, schon. So ist das auch mit den Paddlern. Die Kanus schrammen über den Kiesboden, die Paddel wirbeln den Fischlaich auf. Das Schwarmverhalten der Fische wird gestört. Das Problem ist die große Anzahl, vor allem an unwissenden Paddlern, denn die Bootsverleiher weisen ihre Kunden nur ein paar Minuten ein. Die Verleiher nutzen die öffentliche Fläche der Flüsse für Profit auf Kosten der Natur.
Was schlagen Sie als Reaktion vor?
Hannemann: Die Grenzwerte bei den Pegelständen, ab denen nicht mehr gefahren werden darf, müssen weiter definiert und, wo schon vorhanden, abgesenkt werden. Bei unter 40 Zentimetern schrammt man auf jeden Fall über den Grund. An der Messstelle Dörzbach sollten es statt 40 besser 50 Zentimeter sein, in Untergriesheim 1,20 Meter statt einem Meter. Außerdem sollte es keine privaten Touren mehr geben. Dabei wird oft keine Rücksicht auf Seerosenfelder und Fischtreppen genommen.
Wie lukrativ ist das Geschäft mit Kanutouren, Herr Dierolf?
Thomas Dierolf: Die vergangenen fünf Jahre ist es eher rückläufig. Wenn Reglementierungen und Sperrungen weiter zunehmen, können wir zumachen. Das Ziel lautet, den Kanusport ganz aus den Gewässern zu verbannen, es geht gegen unsere wirtschaftliche Existenz.
Aber geht es bei den Fischen nicht um die biologische Existenz?
Dierolf: Es gibt nach wie vor keinen wissenschaftlichen Nachweis, dass der Kanusport die Fische schädigt. Am französischen Fluss Ardèche zum Beispiel gibt es 3000 Bootsbewegungen am Tag und es gibt immer noch viele Fische. Die Behauptung der Fischereiverbände, wir hätten 500 Boote pro Jahr im Einsatz, wird nicht überprüft. De facto sind es 80. Unsere Hauptsaison ist von Juni bis September. Die Laichzeit der meisten Fische ist früher, im Mai. Unsere Boote sind außerdem nicht täglich unterwegs, wir verteilen sie auf Kocher, Jagst und Neckar.
Wer müsste eine solche Überprüfung vornehmen?
Dierolf: Das Regierungspräsidium. Wenn etwas in den Fluss gebaut wird, wäre es schön, wenn alle Betroffenen informiert werden würden, nicht nur manche. Von Mitsprache bei der Gestaltung ganz zu schweigen. Im Radtourismus ist es selbstverständlich, dass die öffentliche Hand die Infrastruktur ausbaut.
Sie sehen sich zu Unrecht kritisiert?
Dierolf: Es gibt viele Faktoren, warum es weniger Fische in der Jagst gibt als früher. Aber nur die Kanuverleiher werden mit Regeln angegangen und wirtschaftlich bedroht. Es wird zum Beispiel kaum anerkannt, dass meine Firma das von Bundesumweltministerium und Bundesamt für Naturschutz geförderte Umweltsiegel erworben hat. Kommentar "Fair bleiben"
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