Kämpferische Ärztin passt gut zur Schule

Karoline Breitinger ist Namenspatronin der Hauswirtschaftlichen Schule

Von Barbara Griesinger

Einen Kuchen brachte Landrat Jahn zur Namensgebungsfeier mit. Auf ein größeres Raumangebot muss Schulleiter Dieter Dachtler (Mitte) noch warten.Fotos: Griesinger

Künzelsau - Obwohl sie spät erst hat studiert, hat sich das Lernen doch rentiert – unsre Karoline“, singen die Lehrer der hauswirtschaftlichen Schule in Künzelsau. Dicht gedrängt im engen Foyer feiern sie zusammen mit Schülern und vielen Gästen die Namensgeberin der Schule. Denn die kleinste Berufsschule im Kreis heißt ab sofort nach der ersten Ärztin in Württemberg Karoline-Breitinger-Schule.

Positive Tugenden Die Namenspatronin ist nicht nur in Künzelsau geboren. Sie „passt sehr gut zum Ausbildungsbereich der Schule“, erklärt Schulleiter Dieter Dachtler, denn unter dem Dach der hauswirtschaftlichen Schule sind viele Schularten angesiedelt, die auf pflegerische Berufe vorbereiten. Zudem steht die Hohenloherin für „viele positive Tugenden, die auch unsere Schüler anstreben sollten“, so Dachtler. Durchsetzungsstärke gehört ebenso dazu wie die Bereitschaft, für ihre Ziele zu kämpfen und sich für sie immer weiterzubilden.

1852 wurde Karoline Breitinger in Künzelsau geboren. Ihr Lebensweg führte sie aber bald fort aus dem Hohenloher Städtchen. Nach dem Tod der Mutter wuchs sie bei Verwandten in Österreich auf. Dort besuchte sie auch die höhere Mädchenschule und wurde Lehrerin, fasst der Künzelsauer Stadtarchivar Stefan Kraut, der mit der Ärztin verwandt ist, im Festvortrag zusammen.

Karoline Breitinger verzweifelte indes schier an den harten Köpfen der Kinder: Heiraten wollte sie aber auch nicht. Stattdessen verwendete sie das Erbe ihrer Mutter, um in der Schweiz Medizin zu studieren. Denn an deutschen Universitäten waren Frauen Ende des 19. Jahrhunderts noch nicht zugelassen. 1897 begann sie als ausländische Ärztin in Esslingen zu praktizieren. An Patientinnen fehlte es nicht, wohl aber an der Akzeptanz bei ihren männlichen Berufskollegen. Sie zogen gegen die Kollegin zu Felde. Mit Vermittlung des Fürsten zu Hohenlohe-Langenburg bekam sie schließlich als 56-Jährige eine Zulassung zur Universität in Straßburg. Zwei Jahre später hatte sie ihre Approbation als deutsche Ärztin. Ihre Praxis in Esslingen führte sie bis ins Alter von 78 Jahren. Wer mittellos war, den behandelte Breitinger auch kostenlos. Denn „Ärztin sein heißt Helferin sein“, so lautete Wahlspruch der so bescheiden wie sozial denkenden und handelnden Frau Doktor.

Berufung „Der Wille dieser Frau, die Zielstrebigkeit, mit der sie ihre Berufung verfolgte“, imponiert auch dem Hohenloher Landrat Helmut M. Jahn und er vermutet: „Das könnte auch die Schüler beflügeln.“ Besser als jede andere Patronin passe deshalb Karoline Breitinger zur Schule, so Jahn.

Sie ist nach der Richard-von-Weizsäcker-Schule die zweite Berufsschule im Kreis, die sich dem Geist einer Hohenloher Persönlichkeit verpflichtet fühlt. Zur kleinen Feier hatte der Landrat einen Kuchen als kleine Gabe mitgebracht. Auf das Versprechen für einen Neubau, das der Landrat der Richard-von-Weizsäcker-Schule am Tag der Namensgebung gegeben hatte, muss die Künzelsauer Schule noch warten. „Aber ich kann versichern, dass wir im Landratsamt die Arbeit an der Schule mit aller Kraft unterstützen, die wir haben.“

Was tät’ die Schule ohne sie: Hauswirtschaftsschülerinnen tischten auf.