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Haifischbecken oder Ponyhof?
Künzelsau - Er spürt es. Stefan Neumann hat bemerkt, dass die See rauer geworden ist. Im ersten Jahr seiner Amtszeit als Künzelsauer Bürgermeister hatte er noch leichtes Spiel in den Gemeinderatssitzungen. Das ansonsten recht streitsame Gremium, von der HZ mehrfach als Haifischbecken bezeichnet, ging auffällig zahm und brav mit sich selbst und dem neuen Stadtchef um. Seit der bislang letzten Sitzung ist das nicht mehr so.
Der Künzelsauer Gemeinderat ist nicht nur ein wichtiges Gremium, das die Zukunft der Kreisstadt gestaltet, er hat nicht selten auch einen hohen Unterhaltungswert. Das war schon zu Zeiten von Neumanns Vorgänger Volker Lenz so, vor allem, wenn sich Stadträte mit dem damaligen Amtsinhaber anlegten.
Ähnlich Die Januar-Sitzung war die erste seit Neumanns Amtsantritt im September 2010, die denen unter dem Vorsitz seines Vorgängers ähnelte. Und tatsächlich gibt es Stadträte, die hinter vorgehaltener Hand die Sorge äußern, es könnte künftig wieder so zugehen wie früher. Laut und öffentlich sagt das keiner, nur Stefan Neumann gibt zu verstehen, dass er nicht alles mag, was er in öffentlichen Sitzungen zu hören bekommt. was der Stadtchef damit meint, zeigt eine kleine Auswahl aussagekräftiger Wortmeldungen. "Mich ärgert, dass wir so lange verarscht worden sind", bemerkte beispielsweise Hubert Schirmer, als er vom jahrelang unbemerkten maroden Zustand der Künsbachverdolung erfuhr (wir berichteten).
Meinrad Kaiser formulierte den gleichen Vorwurf nur eine Idee zurückhaltender: "Wir sind von der Verwaltung jahrelang hinters Licht geführt worden." Solche Vorwürfe mag Stefan Neumann gar nicht, auch wenn sie sich auf Vorgänge beziehen, die vor seiner Amtszeit liegen. Folglich reagierte der meist ausgeglichene Stadtchef erkennbar gereizt auf Sabine Jannys Frage, wer denn das Versäumnis zu verantworten habe: "Sollen wir jetzt einen Schuldigen hinstellen?" Als Marion Hannig-Dümmler sogar rechtliche Konsequenzen ins Spiel brachte, stellte der Bürgermeister klar: "Wir sollten das nicht auf jemanden schieben, der jetzt nicht da ist." Als dann auch noch Stadträte die Berechtigung einer Eilentscheidung anzweifelten und der Verwaltung erneut vorwarfen, sie hintergehe den Gemeinderat reagierte Neumann sichtlich genervt und bat die Stadträte, "mal halblang zu machen. Das ist uns gegenüber nicht angemessen".
Gegner Was er für angemessen hält, erklärte Neumann im Gespräch mit der HZ: "Die Stadtverwaltung ist kein Gegner des Gemeinderats." Dass sich manche Stadträte ganz bewusst in Konkurrenz zur Verwaltung sehen, sei ihm aufgefallen, sagt er: "Manche empfinden das so." Vor allem in öffentlichen Sitzungen, wo die Neigung, sich entsprechend in Szene zu setzen, ausgeprägter sei als hinter verschlossenen Türen.
Die gereizte Stimmung führt er auf die Themen zurück: die nicht erfolgte Prüfung der Künsbachverdolung und die Steuerrückzahlung, die Künzelsau zu einer Haushaltssperre nötigte (wir berichteten). Die Ursachen liegen in beiden Fällen vor Neumanns Zeit. "Da gibt es ein hohes Maß an Unzufriedenheit. Das hat sich in den Wortmeldungen niedergeschlagen. Vergangenheitsbewältigung im Gemeinderat. "Da muss man auch durch", sagt Neumann, "das ist kein Ponyhof."
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