Gerhard Sturm wird nach Hermann Limbacher zweiter Ehrenbürger von Mulfingen

Von unserem Redakteur Henry Doll

Die Hauptperson ahnte wohl was
Robert Böhnel (rechts) übergibt Sturm die Ehrenbürgerurkunde.Foto: privat 

Mulfingen - Dass ihn etwas erwartet beim Festabend in der Jagstmühle, das war Gerhard Sturm wohl klar. Offiziell ging es darum, seinen Abschied aus dem Gemeinderat zu feiern. Über 35 Jahre hatte Gerhard Sturm diesem Gremium angehört. Über lange Jahre hinweg war er auch Bürgermeister-Stellvertreter. Am 12. Oktober 2011 hatte der Gemeinderat seinem Wunsch entsprochen und zugestimmt, dass der damals 76-Jährige aus dem Amt scheidet. Die Verabschiedung in festlichem Rahmen sollte noch folgen. Nun war es so weit.

Als Gründer des in Mulfingen ansässigen Unternehmens EBM-Papst hatte er seit den frühen 60er-Jahren nicht nur Mulfingen, sondern den gesamten Hohenlohekreis als Wirtschaftsstandort geprägt. In nichtöffentlicher Sitzung hatte der Mulfinger Gemeinderat daher einstimmig entschieden, Gerhard Sturm die Ehrenbürgerwürde zu verleihen. Diese Auszeichnung hatte bis dahin nur der langjährige Bürgermeister Hermann Limbacher anlässlich seines Ausscheidens aus dem Amt erhalten.

Diskret

Dass Gerhard Sturm ebenfalls Ehrenbürger werden sollte, lag vor dem Festabend in der Jagstmühle gewissermaßen in der Luft. Nur, offiziell wissen sollte er es nicht. Eine große Feier habe, so betonte Bürgermeister Robert Böhnel gegenüber der HZ, Gerhard Sturm auch nicht gewollt. Deshalb gab es an diesem Abend keine Pressevertreter. "Er wollte das nicht", sagt Böhnel. Der Wunsch wurde respektiert. Dafür, dass es eigentlich keine große Sache werden sollte, gab es dann doch einen ziemlich großen Bahnhof. Die inzwischen ehemaligen Gemeinderatskollegen waren gekommen, Mitglieder der Geschäftsführung von EBM-Papst, Vereinsmitglieder, Otto Müller, der Geschäftsführer der Kulturstiftung Hohenlohe, Professor Petru Munteanu, der das Concertino-Ensemble mitbrachte und so für den musikalischen Rahmen sorgte und natürlich die Familie Gerhard Sturms. "Er wusste nicht, was auf ihn zukommt", sagt der Bürgermeister rückblickend. Er geht aber schon davon aus, dass Gerhard Sturm etwas ahnte. In seiner Laudatio zog der Bürgermeister einen Vergleich, wie sich Hohenlohe in der aktiven Zeit Sturms entwickelt hat: Vom ländlich strukturierten Raum zum starken Wirtschaftsstandort mit Weltmarktführern.

Köpfe dieser Entwicklung sind drei Klassenkameraden: Reinhold Würth, Albert Berner und eben Gerhard Sturm. Ob Technik, Kultur, Sport oder Wirtschaft, Gerhard Sturm sei "ein unheimlich vielschichtig wissender Mensch", würdigte Robert Böhnel die Hauptperson des Abends. Zwei Beispiele verdeutlichen für ihn die Bandbreite dieses Wissens und Engagements: Der Einsatz für den Erhalt eines weiterführenden Schulangebots in Mulfingen und die Etablierung des EBM-Papst-Hallenmasters, bekanntlich das bestbesetzte A-Junioren-Fußballturnier in der gesamten Region. Man könne, so Böhnel nach der Veranstaltung, mit Gerhard Sturm über jedes Thema sprechen. Gerhard Sturm wisse stets bestens Bescheid. Mulfingen könne sich glücklich schätzen, dass Gerhard Sturm den Ort 1963 zum Firmensitz wählte.

Die Hauptperson ahnte wohl was
Beim Hallenmasters 2008 wurde die Sporthalle in Gerhard-Sturm-Halle umbenannt. Hermann Limbacher (links) freute sich mit Gerhard Sturm. Foto: Archiv/Veigel 

Auszeichnungen

Es gab Geschenke. Neben der Ehrenbürgerurkunde durfte Gerhard Sturm einen antiquarischen Bildband und eine original Landkarte aus dem Jahre 1795 entgegen nehmen. Die wertvolle Karte zeigt die Hohenloher Fürstentümer − mit Mulfingen in der Mitte.

Gerhard Sturm ist bereits Träger des Bundesverdienstkreuzes, der Verdienstmedaille des Landes Baden-Württemberg und der Ehrenmedaille des Hohenlohekreises. Mit der Dieselmedaille wurde ihm vom Deutschen Institut für Erfindungswesen die höchste deutsche Auszeichnung dieser Art verliehen. "Als Antwort auf sein vorbildliches und beispielloses Schaffen und Wirken in unserer Gemeine wurde ihm nun die Ehrenbürgerurkunde überreicht. Sie ist Anerkennung und Würdigung seiner herausragenden Verdienste", teilte die Gemeindeverwaltung Mulfingen mit.

Zur Person: Gerhard Sturm

Der heute 77-Jährige wurde als drittes von fünf Kindern in Nagelsberg geboren. Mit 14 begann er eine Lehre als Maschinenschlosser in Esslingen und arbeitete anschließend bei der Firma Ziehl-Abegg. Nach der Meisterprüfung wurde er Leiter der Außenläufermotoren-Fertigung, drei Jahre später, 1963, gründete er mit Heinz Ziehl EBM in Mulfingen. Seit Mitte der 70er Jahre engagiert sich Gerhard Sturm kommunalpolitisch. Vor einigen Jahren erfüllten sich Gerhard Sturm und seine Frau Annemarie einen Traum und restaurierten das idyllische Hotel-Restaurant „Jagstmühle“ in Heimhausen.




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