Gaisbach sucht die Super-Ortsmitte

Von unserem Redakteur Matthias Stolla

Gaisbach sucht die Super-Ortsmitte
Überdimensioniert: Seit die Westumgehung Gaisbach viel Verkehr erspart, wirkt die Waldenburger Straße wie eine Schneise, die niemand mehr braucht.Fotos: Matthias Stolla 

Künzelsau - Den Verkehr ist Gaisbach los, er lässt den Stadtteil östlich liegen und nutzt die Westumgehung. Die Waldenburger Straße aber ist geblieben und teilt den Ort nach wie vor. Vier Planungsbüros haben sich zehn Wochen lang damit befasst, dem Dorf wieder eine lebens- und liebenswerte Mitte zu geben. Jury und Gemeinderat stellten am Montagabend im Rathausfoyer ihren Favoriten vor. Die Pläne sind dort bis auf weiteres zu sehen.

Munteres Schautafelrücken war angesagt im Foyer, denn die Art der Präsentation war dem Andrang nicht gewachsen. Gut 100 Besucher mühten sich, nicht immer erfolgreich, einen Blick auf die jeweils vorgestellten Entwürfe zu erhaschen. Professor Winfried Schwantes, Vorsitzender der Beurteilungskommission, erläuterte die Arbeiten. Klar, dass der Gewinner erst am Ende dran war − fast wie bei einer Casting Show im Fernsehen.

Gaisbach sucht die Super-Ortsmitte
Winfried Schwantes erläutert Vorzüge und Schwächen der Entwürfe. 

Mutig

Gaisbach sucht die Super-Ortsmitte also. Winfried Schwantes bescheinigte den vier Entwürfen hohe Qualität. Mancher Planer war allerdings gar zu mutig ans Werk gegangen: Das Büro Klärle etwa hatte das Rathaus versetzt. "Das hat uns nicht so gut gefallen", räumte Schwantes ein. Die Arbeitsgemeinschaft Kern, Posovsky, Lichner hatte ebenfalls einen Standortwechsel eingeplant: den des Kriegerdenkmals. Schwantes: "Das wollten wir nicht mittragen." Vom Würfel-Pavillon auf dem Dorfplatz ganz zu schweigen. Blieben noch zwei Arbeiten im Rennen. Der Plan von Demuth, Moll und Steinbach gefiel sowohl den Experten als auch den Stadträten. Ob eine in vier Bereiche geteilte Ortsmitte allerdings als solche wahrgenommen werde, daran hatten doch einige Zweifel und so blieb es bei Platz zwei für den Entwurf. Letztlich hatten dann doch alle Experten und Stadträte für den Entwurf der Architekten Knorr & Thiele aus Ohrnberg gestimmt. Schwantes erklärte die Gründe: Zunächst einmal werde der neu zu schaffende Rathausplatz betont: durch zwei versetzte Baumreihen links und rechts der Waldenburger Straße, die sich vor dem Platz überlappen. Dadurch entstehe eine Verdichtung des Straßenraumes, der für ein niedrigeres Tempo der Autos sorge.

Kopfnicken und emporgestreckte Daumen gab es im Publikum bei der Vorstellung der neuen Ortsmitte. Sie sieht an der Ecke Waldenburger Straße/Hintere Straße einen großzügigen, zur Straße hin geöffneten Platz zwischen zwei Wohn- und Geschäftsgebäuden vor, der im Westen von einem langen Gebäude abgeschirmt wird. Westlich davon folgen ein Spielplatz beim Schafstall und ein Dorfplatz vor der zum Gemeinschaftshaus umgebauten Scheune.

Gaisbach sucht die Super-Ortsmitte
Janin Ottliczky und Martin Knorr freuen sich: Ihre Vorstellung von der Gestaltung der neuen Gaisbacher Ortsmitte hat Experten und Stadträte überzeugt. 

Abschied

Vom alten Schulhaus sowie manch anderem Gebäude gelte es, sich zu verabschieden, sagte Winfried Schwantes, dem die lockere Bebauung als kleines innerörtliches Wohngebiet viel besser gefällt als der dicht aufeinander stehende derzeitige Bestand.

Aber auch der siegreiche Entwurf ist zunächst einmal Zukunftsmusik. Mit dem Plan will Bürgermeister Stefan Neumann spätestens im März wieder in die Gemeinderatssitzung gehen, um den formalen Beschluss zu fassen. Dann folgen Verhandlungen. Einen Teil der Gebäude im Plangebiet hat die Stadt bereits erworben. "Wir müssen die anderen Eigentümer fragen, ob sie sich so etwas vorstellen können", sagt Stefan Neumann, "und wir suchen Investoren".

Dass die Stadt das Vorhaben selbst stemmt, ist angesichts der kürzlich verhängten Haushaltssperre äußerst unwahrscheinlich. Gaisbachs Ortsvorsteher Robert Volpp freut sich dennoch: "Man braucht immer einen Plan in der Schublade."




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