Der Aschhäuser Fasching in Person

Von unserer Redakteurin Barbara Griesinger

Der Aschhäuser Fasching in Person
Nach fast einem Vierteljahrhundert ist für ihn nun aber der richtige Zeitpunkt gekommen, das Nachthemd auszuziehen. 

Schöntal - Der Obernachtwächter lässt sich nicht erweichen. Nicht mit Tränen. Nicht mit Bitten. Und auch nicht mit Komplimenten − wie dem von Alexander Kilian. Für den jungen Musiker und Nachwuchs-Nachtwächter ist Bruno Schiemer "der Aschhäuser Fasching in Person". Recht hat er: Von der ersten bis zur 24. Prunksitzung der Nachtwächter − immer stand Bruno Schiemer ganz vorn auf der Bühne. Doch jetzt sagt der bislang erste und einzige Präsident des Aschhäuser Fastnachtsvereins: "24 Jahre sind genug − basta." Und damit es auch dem letzten ganz unmissverständlich klar ist, schiebt er nach: "Präsident bin i nimmer."

Das heißt: Im März bei der Generalversammlung muss ein Nachfolger her. Angst ist Bruno Schiemer um Verein und Nachfolge aber nicht. Denn "es sind so viele junge Leut’ da". Auf diesen Nachwuchs ist er stolz. Deshalb sei jetzt der richtige Zeitpunkt, das Präsidentenamt weiterzugeben. Sich den Aschhäuser Fasching ganz ohne Bruno Schiemer vorzustellen ist ganz schön schwer. Muss man aber nicht. "Ich geh auch noch mit dem Rollator nauf", gesteht Bruno Schiemer, der nur wenige Höhenmeter zwischen seinem Haus und der Aschhäuser Faschingshochburg, dem katholischen Gemeindehaus, überwinden muss. Auch als Chefnachtwächter a.D. wird Schiemer "weiter beim Fasching mitmachen" − aktiv auf der Bühne respektive "in der Bütt". Das ist versprochen. Und sein jüngster Sohn Simon schiebt ein "auf jeden Fall" nach. Schließlich wollen Vater und Sohn zusammen in die Bütt.

Büttenrede

Dabei war der erste Fasching in Aschhausen ein pures Zufallsprodukt. Der Gesangverein hat damals in dieser Zeit immer Theater gespielt. Vor 24 Jahren jedoch sind alle Frauen auf einmal ausgefallen. "Macht nix, wir machen was anderes", sagte Bruno Schiemer damals und schrieb seine allererste Büttenrede. Der erste Fasching war ein voller Erfolg. Beim zweiten kam die Idee auf, einen Faschingsverein zu gründen. "Am ersten Abend haben 40 Leute unterschrieben", erinnert er sich noch heute mit Erstaunen. Auch alle Vereine waren begeistert. Das war die Geburtsstunde der Nachtwächter.

Das Aschhäuser Heimatbuch hat den Nachtwächtern übrigens zu ihrem Namen verholfen. Es berichtet über das Amt im Dorf von anno dazumal. Anfangs, schmunzelt Schiemer, habe mancher gemurrt über die Mannen im Nachthemd. Aber Schlafmützen sind die Nachtwächter nur rein äußerlich. Schon damals hat Schiemer sich für den Namen ins Zeug gelegt und er tut es heute auch noch: "Nachtwächter sind schließlich keine Penner. Das sind die, die nachts wach sind und aufpassen." Das hat man in Aschhausen schnell bemerkt. Und seitdem sind die Prunksitzungen der Nachtwächter immer restlos ausverkauft, obwohl sie längst dreimal pro Kampagne über die Bühne gehen.

Narretei

Viel Geld hat der Verein nicht. Die Einnahmen werden stets in die nächste Kampagne gesteckt. Dafür hat der Verein viele rührige Helfer. Zum Beispiel Elfriede Specht. "Wenn was braucht hasch, bisch zu ihr gange", sagt Schiemer von der Näherin, die manches Kostüm gezaubert hat und längst Ehrenmitglied ist. Jede Menge Nachwuchs hat der Verein auch. Gut ein Drittel der Dorfbewohner sind beim Fasching aktiv. "Unsre Junge sind mit der Narretei aufgwachse, die kennet nix andersch", sagt Schiemer. Nachwuchssorgen sind in Aschhausen unbekannt − weder bei den Gardemädels, noch beim Männerballett.

Dass der Ex-Präsident sich an so manchen besonderen Moment erinnert, wundert nicht. Einer davon ist die erste Büttenrede von Alexander Kilian. "Die würd’ ich fast heut noch zusammenbringen", erzählt Bruno Schiemer und muss auch noch zehn Jahre nach dem Debüt dieses besonderen Aschhäuser Narrentalents lachen. Büttenreden sind auch die Spezialität von Bruno Schiemer selbst. Für die erste Prunksitzung, hat er gleich vier Stück geschrieben. Und wann fängt er für 2013 damit an? "Noch lang net", gesteht er, "ich bin nämlich ein Elendsschlamper und brauche Druck, dann bin ich am kreativsten."

Der Aschhäuser Fasching in Person
Auch wenn Bruno Schiemer nicht mehr der Präsident des Faschingsvereins ist, ganz müssen die Aschhäuser an Fasnet nicht auf ihn verzichten.Fotos: B. Griesinger 
Der Aschhäuser Fasching in Person
So kennt ihn das Narrenvolk: Auch wenn Bruno Schiemer im Hemd und mit Schlafmütze auf der Bühne steht, verschlafen war der Obernachtwächter dabei nie. 



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