Das Paradies vor dem Untergang retten

Künzelsau/Malé - Entwicklungshilfe leisten, demokratischen Widerstand unterstützen, regenerative Energien fördern und Konzerte veranstalten – auf den ersten Blick passt das alles gar nicht zu einem CDU-Politiker. Christian von Stetten (41) hat kein Problem damit.

Von Matthias Stolla

Das Paradies vor dem Untergang retten
Der Staatschef und sein Ehrenkonsul: Christian von Stetten (links) mit Mohamed Nasheed, seit 2008 Präsident der Malediven.Foto: privat

Künzelsau/Malé - Entwicklungshilfe leisten, demokratischen Widerstand unterstützen, regenerative Energien fördern und Konzerte veranstalten − auf den ersten Blick passt das alles gar nicht zu einem CDU-Politiker. Christian von Stetten (41) hat kein Problem damit. Der Hohenloher Bundestagsabgeordnete ist seit 2010 Ehrenkonsul der Malediven. Jetzt will er den Inselstaat im Indischen Ozean vor dem Untergang retten: mit einem Konzert seines Freundes Chris de Burgh.

"Ich helfe denen ein bisschen", sagt von Stetten mit der ihm eigenen Mischung aus Bescheidenheit und Selbstbewusstsein. Denn die Inseln haben ein großes Problem: "Die saufen ab." Wenn der Meeresspiegel um einen Meter steigt, sind die Eilande geflutet. Kaum ein Ort liegt höher als 1,50 Meter.

Solarenergie

Gegen den Ozean kann auch ein Chris de Burgh nicht ansingen. Von Stetten hat anderes vor. Das Konzert des irischen Sängers soll dreierlei bewirken: Die Aufmerksamkeit auf das vom Meer bedrohte Inselparadies lenken, Investoren für Solarenergie vor Ort begeistern und nebenbei zumindest einigen der 400 000 Einheimischen die erste Gelegenheit geben, einen Weltstar live zu erleben. "Die Malediven sind das erste Land, das sich verpflichtet hat, bis 2020 CO2 frei zu sein", sagt von Stetten. Tatsächlich basiere die Energieversorgung derzeit zu rund 90 Prozent auf Dieselaggregaten. Der Verbrauch sei enorm, sagt der Hohenloher: "Die Klimaanlagen laufen Tag und Nacht."

Von Stetten setzt darauf, dass Fotovoltaikanlagen auf den Malediven deutlich billiger Strom erzeugen: "Wenn Solar irgendwo Sinn macht, dann dort. Das Gleiche gilt für den Wind." Die Idee sei ihm bei einem Aufenthalt in der Hauptstadt Malé gekommen, erzählt von Stetten: "Ich saß in einem Café, und plötzlich lief de Burghs Hit ,Lady In Red"." Der Parlamentarier mit reichlich Erfahrung als Konzertveranstalter in Künzelsau (Chris de Burgh, Bryan Adams, Elton John und andere), fragte seinen irischen Freund. "Der war sofort begeistert."

Tickets

Der Konzerttermin steht fest: Dienstag, 30. Oktober 2012, auf Sun Island, einer der 1196 Inseln des Archipels. Die einwöchige Pauschalreise kostet Minimum 1710 Euro, das Ticket 130 Euro. "Voll wird das sowieso", sagt von Stetten und berichtet von Anfragen aus Brasilien, Kanada und Südafrika. Mit Gewinn rechne er nicht: "Da bleibt nicht viel übrig." Die gesamte Konzertausrüstung, von der Bühne bis zum E-Piano, müsse eingeflogen werden. Wenn"s gut läuft will der Abgeordnete zusammen mit Chris de Burgh auch gleich eine neue Solaranlage einweihen. Der Hohenloher ist mit dem Präsidenten der Inselrepublik befreundet. Tatsächlich hat er ihm auf dem Weg zur Macht geholfen, indem er die demokratische Oppositionsbewegung im Kampf gegen das diktatorische Regime unterstützt hat. Seit 2010 ist Christian von Stetten Ehrenkonsul der Malediven.

Konzert-Homepage

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Anlegeplatz für die Wasserflugzeuge auf den Malediven. Die Inseln sind eines der beliebtesten Urlaubsziele der Welt.Foto: dpa
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