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Tausende Besucher trotzen der Kälte beim 108. Tauben- und Geflügelmarkt
Mulfingen - Die behalt’ ich gleich an", der Slogan aus der Schuh-Werbung müsste auch am Stand von Georgios Bär funktionieren. Das Thermometer zeigt neun Grad unter Null. Der 46-Jährige Händler hat genügend warme Socken im Angebot, aber es mangelt an Marktbesuchern. Auch Karl Ruf macht sich Sorgen: "Es sind wenig Leute zu sehen", sagt der ehemalige Ortsvorsteher von Simprechtshausen. Diesmal also Taubenmarkt ohne großes Publikum?
Die Sorge ist unbegründet. Das Publikum kommt beinahe auf die Minute pünktlich. Keiner will unnötig lange in der Kälte stehen. Wohl dem, der einen der spärlichen Plätze im Sonnenschein ergattert. Dauerfrost hin oder her − der Umzug ist beliebt und auch ein wenig gefürchtet. Schließlich sind die Jagsttäler bekannt dafür, dass sie alles und jeden durch den Kakao ziehen − mal humorvoll, mal eher derb.
Versuchungen
Kein Wunder also, dass binnen weniger Minuten Tausende an den Mulfinger Straßen stehen, aus Fenstern schauen oder es sich auf Terrassen und Balkons so gemütlich wie möglich machen. "Das dürften so an die 3000 Besucher sein", schätzt Otto Knörzer. Der Polizist hat zu tun. Er sorgt dafür, dass keiner dem Umzug in die Quere kommt. Und er muss unzähligen Versuchungen widerstehen, denn die Narren verteilen oft und gerne Hochprozentiges.
Ein gar nicht kleiner, aber doch grüner Kaktus rollt vorbei und wird inbrünstig im Stil der Comedian Harmonists besungen, Jagsttäler Piraten liefern sich klassische Degen-Duelle, Mulfinger Kinder zeigen die bunte Märchenwelt, Superhelden retten die Welt vor dem im Maya-Kalender angeblich prophezeiten Untergang, und herrenlose Bierflaschen suchen verzweifelt eine Brauerei.
Die Mulfinger nehmen auch manches mit Humor, das sie im Alltag gar nicht witzig finden. Den schwächelnden örtlichen Einzelhandel etwa tragen sie plakativ zu Grabe. Ganz schön lebhaft sind dagegen die mit Antibiotika vollgepumpten und deshalb reichlich verrückten Hühner, die wild durch die Straßen tanzen und dabei kräftigFedern lassen. Und: Mulfinger sind einfallsreich. Der Hohenloher Astronaut Alexander Gerst solle den in Verruf geratenen Bundespräsidenten Christian Wulff einfach auf den Mond schießen, schlagen sie vor.
Ganz klar im Vordergrund stehen aber lokale Themen. Das anstehende muntere Schulhaustauschen zwischen privater, also kirchlicher, und stattlicher Grundschule brandmarken sie als Mulfinger Bildungschaos, Jugendliche fragen, wo sie sich treffen sollen, wenn ihnen überall im Dorf Verbote begegnen.
Fett
Ein allzu eifriger Leserbriefschreiber aus Jagstberg bekommt ebenso sein Fett weg, wie die Obrigkeit in Rathaus, Landratsamt und Landtag, weil Simprechtshausen immer noch auf eine einigermaßen sauber ausgebaute Straße warten muss: "Wann wird endlich fertig gemacht..." fragt ein Plakat und listet Bürgermeister Böhnel, Landrat Jahn und den Abgeordneten von Eyb auf.
Eindeutig formuliert ist das nicht, oder sollen am Ende die genannten Herren fertig gemacht werden? Über so etwas macht sich beim Taubenmarkt niemand lange Gedanken, schließlich rollt schon der nächste Wagen vorbei. Jugendliche Facebook-Gegner kritisieren das gar nicht so soziale Internet-Netzwerk, und kurz vor Schluss setzen ganz Verwegene noch einen drauf und bieten ein ganz spezielles regionales Produkt an: Silikon made im Jagsttal zum sofort Implantieren.
Polizeiticker
Bretzfeld 09:18 Uhr
Bretzfeld/Öhringen 09:17 Uhr
Junge Zweiradfahrer ohne Fahrerlaubnis
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Kochertal 09:16 Uhr
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