Künzelsauer Bürgermeister-Kandidaten stellen sich vor

Künzelsau  Amtsinhaber Stefan Neumann punktet am Mittwochabend in der Stadthalle mit Erfahrung, Kandidatin Ruth Henrich zeigt sich kreativ, Dauerkandidatin Fridi Miller bleibt zu Hause. Ganz voll war die Stadthalle aber nicht.

Von Tamara Ludwig

Stefan Neumann, Bürgermeisterwahl Künzelsau
Amtsinhaber Neumann versuchte, mit seiner bisherigen Erfahrung zu punkten. Foto: Tamara Ludwig

Zu gut zwei Dritteln ist die Künzelsauer Stadthalle am Mittwochabend gefüllt. Das passt zur Quote am Rednerpult, denn von drei Kandidaten, die sich am 3. Juni für den Chefposten in der Stadtverwaltung zur Wahl stellen, sind ebenfalls zwei Drittel anwesend: Amtsinhaber Stefan Neumann und Ruth Hildegard Henrich. Dauerkandidatin Fridi Miller aus Sindelfingen ist nicht gekommen, um sich den Bürgern vorzustellen.

20 Minuten dürfen die Kandidaten reden, um das Publikum von sich zu überzeugen. Dass das auch eingehalten wird, dafür sorgt eine große Stoppuhr. Auf die hat Bürgeramtsleiter Günther Voit ein strenges Auge. „Zuhörer-Fragen sind heute nicht zugelassen“, stellt Christian von Stetten als Vorsitzender des Wahlausschusses klar.

Amtsinhaber Neumann spielt mit seiner Erfahrung in der Stadt

Stefan Neumann ist als Erster dran. Henrich darf nicht mithören. Verwaltungsmitarbeiter geleiten sie ins Nebenzimmer der Halle. In seiner Rede hebt der dreifache Vater vor allem das viele Geld hervor, das in den vergangenen Jahren in die Kindergärten und Schulen der Stadt geflossen sei und weiter fließen solle: „Nach 40 Jahren beenden wir nun das Kindergarten-Provisorium in Kocherstetten“, betont er. Bezeichnend sei, dass aktuell auf bundes- und landespolitischer Ebene über gebührenfreie Kindergärten diskutiert werde. Dies sei in Künzelsau schon lange der Fall.

Aber auch die unangenehmeren Themen spricht er an, etwa das Hohenloher Krankenhaus oder die Gewerbesteuerrückzahlungen im zweistelligen Millionenbereich. Eine solide Finanzpolitik sei und bleibe deshalb sein Ziel. Beim Thema Krankenhaus zeigt Neumann sich kämpferisch. Zwar sei die bevorstehende Schließung des Künzelsauer Standorts leider nicht zu verhindern gewesen. Jetzt sei es umso wichtiger, nach vorne zu blicken. „Ich will mich mit ganzer Kraft für das ambulante Gesundheitszentrum einsetzen und bitte Sie um Ihre Unterstützung.“

Kandidatin Ruth Henrich will die Infrastruktur verbessern

Ruth Henrich, Bürgermeisterwahl Künzelsau
Ruth Henrich will Künzelsau zum Energie-Selbstversorger machen. Foto: Tamara Ludwig

Ruth Henrich aus Zweiflingen ist bislang kommunalpolitisch nicht in Erscheinung getreten. Sie sei in einem Künzelsauer Café gleich von mehreren Menschen gebeten worden, sich um den Posten zu bewerben. Das hat die 59-Jährige Unternehmensberaterin dann auch getan. Inzwischen habe sie sich viele Gedanken gemacht, was man in Künzelsau verbessern könne. Ein Punkt sei die Modernisierung der Infrastruktur, etwa Gas- und Wasserleitungen, die in einem veralteten Zustand eine Gefahr für die Stadt und die Menschen darstellen könne.

Ein Hauptthema der Zukunft ist für sie die Energieversorgung. Die Wasserkraft möchte Henrich schwerpunktmäßig ausbauen. Dabei stelle sie sich vor, „nach biologischen Studien, versteht sich, Seen auf Bergen einzurichten, um mit Wasser Strom zu erzeugen.“ Ihr Wunsch: „Künzelsau als Selbstversorger, autark und autonom.“ 

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Die finanzielle Lage der Stadt will Henrich, die gelernte Controllerin ist, gründlich unter die Lupe nehmen: „Alles, was wir in dieser Stadt tun, sollte sinnvoll und über mehrere Generationen nutzbar sein.“ Deshalb wolle sie alle laufenden und geplanten Projekte auf ihre ökologische und ökonomische Sinnhaftigkeit überprüfen.

Beim Publikum hat am Ende vor allem der Amtsinhaber gepunktet. „Herr Neumann war souverän und fachlich kompetent“, sagt Margarete Biehal aus Künzelsau. Ihr Mann nickt zustimmend. „Für mich war Frau Henrich in sich nicht stimmig“, sagt Ehrenfried Biehal. Ähnlich sieht das Christian Pfaff aus Künzelsau. Der 35-Jährige traut Ruth Henrich zwar beim Thema Finanzmanagement etwas zu. Nur: „Die anderen Themen waren für mich ganz schön auf dem Papier, aber nicht umzusetzen“, meint er.

 

Wahlforum mit den Bürgermeister-Kandidaten

Die Bürgermeisterwahl in Künzelsau findet am Sonntag, 3. Juni, statt. Am Dienstag, 29. Mai, um 20 Uhr haben die Bürger nochmals Gelegenheit, sich beim Wahlforum von Heilbronner Stimme/Hohenloher Zeitung ein Bild von den Kandidaten machen. In der Künzelsauer Stadthalle wird Redakteur Thomas Zimmermann den Bewerbern auf den Zahn fühlen.