Kleine Filme ganz groß

Künzelsau  RWH-Studierende feiern mit Kurzfilmfest im Künzelsauer Prestige Kino einen rauschenden Erfolg

Von unserer Redakteurin Barbara Griesinger

Kleine Filme ganz groß

Marius Brüning wählte das Künzelsauer Publikum auf Platz eins in der Sparte Dokumentation. Er setzt sich in "Kohle gegen Heimat" mit dem Braunkohle-Tagebau auseinander, der ganze Ortschaften ausradiert.

 

Es ist eine Premiere in Künzelsau. Und sie ist ein voller Erfolg: Die Studierenden des BWL-Bachelorstudiengangs BWL mit Schwerpunkt Kultur- und Freizeitmanagement haben zum kostenlosen Filmabend geladen. Zu sehen gibt es Kurzfilme junger Filmemacher, die es auf dem platten Land kaum ins Kino schaffen.

Kurzfilme aus ganz Deutschland

Bundesweit haben die Studierenden ihr Kurzfilmfest ausgeschrieben - und waren erstaunt über die Resonanz. Mehr als 40 Filme haben Filmhochschulen und junge Filmemacher nach Künzelsau gesandt. "Damit hätten wir nicht im Traum gerechnet", sagt Prof. Raphaela Henze, die Initiatorin des Filmfests und Betreuerin der Studenten. Für diese ist das Projekt von der Vorbereitung bis zur Moderation am Kinoabend mit viel Arbeit verbunden. Obendrein erproben sie dabei ihr Können in der Praxis.

Kleine Filme ganz groß

Bei Katja Benraths Film Watu Wote waren sich Publikum einig: Sie kürten den Film, der auf einer wahren Geschichte in Kenia beruht, zum besten Spielfilm beim Künzelsauer Kurzfilmfest.

Fotos: hamburg media school/dpa

 

Für das Publikum ist das Filmfest indes ein spannender, abwechslungsreicher Kinoabend mit neun Kurzfilmen, je drei in den Sparten Animation, Spielfilm und Dokumentation. Und sie könnten unterschiedlicher nicht sein, "Toll", schwärmt Doreen Hanuschke, nachdem sie zwei Drittel der Filme gesehen hat. Dieser etwas andere Kinoabend sei eine "richtig gute Idee".Und damit trifft sie die Stimmung im fast voll besetzten Kino.

Filmlänge von drei bis 30 Minuten

Zwischen drei und knapp 30 Minuten lang sind die Arbeiten. Eine fünfköpfige Jury aus Kino-, Film- und Festivalmachern, darunter auch Kino-Geschäftsführer Nenad Tomasinjak, haben die Vorauswahl getroffen Und weil nicht nur die Jury, sondern auch das Publikum aus jeder Sparte seinen Sieger wählt gibt es am Ende des Abends sechs Gewinner. Keine einfache Aufgabe, wie sich schnell zeigt. Denn so unterschiedlich die Filme sind, so gut sind sie alle. "Ich finde jeden auf seine Art toll", findet Doreen Hanuschke und hat im wahrsten Sinn die Qual der Wahl. Auch Tomasinjak fällt die Wahl nicht leicht. Letztendlich sei es eine Entscheidung aus dem Bauch, sagt er

Klar ist schnell: Gute Filme müssen nicht lang sein. Nur fünf Minuten braucht die chinesische Filmemacherin Yi Luo, die an der Ludwigsburger Filmakademie studiert, um in ihrem Animationsstreifen zu zeigen, wie Eifersucht und Obession die Wahrnehmung verzerren. "Ich bin ganz happy, dass ich hier bin. Das ist der erste Preis, den ich für diesen Film erhalte", sagt die Studentin an der Ludwigsburger Filmakademie. Strahlt und bedankt sich beim Publikum, dem ihr Film "Night Spinning" am besten gefallen.

Beeindruckende Dokumentationen

Fesselnd bis zum Schluss bleiben auch die Dokumentationsfilme. Vom Schnelldreh "Alles meins", dem freie Improvisation zu Grund liegt, bis zur Dokumentation über illegale Goldsuche in Ghana oder Braunkohleabbau in Nordrhein-Westfalen reicht die Bandbreite. Mit "Kohle gegen Heimat" wird Marius Brüning zum Publikumssieger in Künzelsau und freut sich, dass er die Geschichte vom vergeblichen Kampf der Immenrather gegen den Stromkonzern RWE "bis nach Süddeutschland tragen" konnte.

Kleine Filme ganz groß

Die Freude über den Publikumserfolg ist nicht nur bei Studierenden und Jurymitgliedern, sondern auch bei den Filmemachern Marius Brüning (mit Klappe), Yi Luo (im rot-schwarzen Shirt) und Initiatorin Raphaela Henze (Zweite v.l.) groß.

Foto: Griesinger

 

Von den Machern der Spielfilme ist keiner gekommen. Der Siegerfilm entführt nach Kenia, wo die islamistische Al Shabaab-Miliz mit Terroranschlägen Angst und Misstrauen zwischen Christen und Muslimen schürt. In beeindruckender Bildsprache erzählt die junge Regisseurin Katja Benrath in 21 Minuten eine wahre Begebenheit nach, bei der muslimische Passagiere eines Reisebusses, den Al Shabaab-Terroristen attackieren, eine christliche Mitreisende vor dem Tod bewahren und damit Hass und Gewalt Einhalt gebieten. Dafür hat sie bereits 2017 den Studenten-Oscar erhalten. In Künzelsau überzeugt sie Jury und Publikum gleichermaßen.

Lust auf noch mehr Filme

Nach zwei beeindruckenden Kinostunden ist nicht nur im Publikum die Lust nach mehr gewachsen. "Ich könnte mir eine Fortsetzung gut vorstellen", sagt Nenad Tomasinjak. Geplant sei das nicht, erklärt Initiatorin Raphaela Henze. Doch angesichts des Erfolg sinniert sie: "Vielleicht in zwei Jahren..."