Jagstunglück: Fischer schließen Vergleich

Hohenlohe  Angelvereine, Fischereiberechtigte und Fischereiverpächter erhalten nach dem Jagstunglück Schadensersatz von 230.000 Euro. Mit dem Geld soll Nachzucht gefördert werden.

Von Thomas Zimmermann

Fischer schließen Vergleich

Fassungslosigkeit herrschte Ende August 2015 bei den freiwilligen Helfern angesichts des Ausmaßes des Fischsterbens. Jetzt werden die Fischereivereine teilweise entschädigt.

Foto: dpa

 

Das Landgericht Ellwangen hat im Streit um die Kosten für das Jagstunglück ein erstes Urteil gefällt. "Der Rechtsstreit wurde durch einen gerichtlichen Vergleich beigelegt. Der Eigentümer des ehemaligen Mühlengeländes zahlt an die Fischereiberechtigten 200.000 Euro, die Stadt Kirchberg weitere 30.000 Euro", heißt es in dem Urteil. Insgesamt 22 Angelvereine, Fischereiberechtigte und Privatpächter hatten vor mehr als einem Jahr auf Schadenersatz geklagt.

Verseuchtes Löschwasser

Nach dem großen Fischsterben in der Jagst, das durch kontaminiertes Löschwasser ausgelöst worden war, forderten die Fischer 660.000 Euro Schadensersatz. Die Feuerwehr hatte einen Brand in der Lobenhauser Mühle gelöscht, der am Abend des 22. August 2015 ausgebrochen war. Dabei war mit Ammonium verseuchtes Wasser in den Fluss gelangt. "Zunächst war ich von dem Angebot schockiert, aber im Nachhinein bin ich froh, dass das Kapitel abgeschlossen ist. Sonst hätte sich der Prozess noch auf unbestimmte Zeit hinausgezögert", betont Markus Hannemann, Sprecher der Fischhegegemeinschaft Jagst, der viele Klägervereine angehören. Das Geld wird nach einem Schlüssel an die Betroffenen verteilt.

Hohe Schäden

"Wir wollen jetzt versuchen, typische Jagstfische wie Barben und Nasen nachzuzüchten, aber das ist ein schwieriges Unterfangen", erläutert Hannemann. Entlang der Jagst war vom Unglücksort bis Bächlingen der Fischbestand fast vollständig verendet. Auch im Hohenlohekreis gab es Schäden. Hier gelang es jedoch mit vereinten Kräften, den größten Teil der Fische zu retten. Den reinen Fischschaden bezifferten die Vereine auf 450 000 Euro. Die Stadt Kirchberg trat dem Streit als Träger der Feuerwehr bei, deren Kommandant den Einsatz in der Unglücksnacht leitete. Der Angelsportverein Jagst in Langenburg und der Fischereiverein Kirchberg hatten am meisten unter der Katastrophe gelitten. Rund die Hälfte der 21 Tonnen toter Fische fiel in das Einzugsgebiet der Kirchberger.

Weitere Verfahren

In einem zweiten Rechtsstreit ermittelt die Staatsanwaltschaft Ellwangen gegen einen damals 21-Jährigen wegen Verdachts der fahrlässigen Brandstiftung. Zudem laufen gegen den Mühlenbetreiber Ermittlungen wegen Verdachts der fahrlässigen Gewässerverunreinigung. Noch offen sind Rechnungen von 2,6 Millionen Euro, die die Landkreise Schwäbisch Hall und Heilbronn sowie der Hohenlohekreis für ihren Einsatz an der Jagst beim Land einreichten. Derzeit laufen wohl außergerichtliche Vergleichsverhandlungen.