Aus für Künzelsauer Krankenhaus besiegelt

Öhringen/Künzelsau  Der Kreistag des Hohenlohekreises hat beschlossen, das Förderangebot des Landes von 51,5 Millionen Euro anzunehmen, um die Krankenhausversorgung neu zu ordnen. Das heißt: Neubau in Öhringen, Medizinzentrum in Künzelsau - und damit das Aus für die dortige Klinik.

Von Ralf Reichert

Sollte das Hohenloher Krankenhaus die Radiologie in der neuen Struktur selbst betreiben, stellt das Sozialministerium weitere 1,5 bis 2 Millionen Euro in Aussicht. Erneut protestierten Künzelsauer Bürger vor der Sitzung gegen die Schließung des Krankenhauses und äußerten auch während der Debatte zeitweise lautstark ihren Unmut. Der Kreistag kam am Freitagnachmittag in Krautheim zusammen.

Öhringer Neubau kostet fast 100 Millionen Euro

99,9 Millionen Euro soll der Neubau in Öhringen kosten: samt Hubschrauberlandeplatz und Abbruch der bestehenden Klinik. 46 oder 48 Millionen Euro muss der Kreis damit selbst aufbringen, um diesen zu finanzieren. HK-Geschäftsführer Jürgen Schopf ist der Meinung, dass dies problemlos möglich sei, weil die Ertragskraft an einem zentralen Standort steige.

Nicht eingerechnet sind die erforderlichen Investitionen für die Weiterentwicklung am Standort Künzelsau. Sie können nicht über die Mittel aus dem Krankenhausstrukturfonds des Bundes abgedeckt werden, die das Land nun an den Kreis auszahlen kann. Die Hoffnungen ruhen hier auf dem neuen Partner und Mehrheitseigentümer, der freilich noch gar nicht existiert und erst in einem langen Markterkundungsverfahren gefunden werden muss. 

Wie es in Künzelsau weitergeht, ist unklar

Mit den am Freitag getroffenen Beschlüssen verbunden ist, die Gesamtbettenzahl im Hohenlohekreis zu reduzieren: von derzeit 283 auf 205, wenn der Neubau in Öhringen bezogen und die akutstationäre Versorgung dort in den Fachrichtungen Augenheilkunde, Chirurgie, Frauenheilkunde und Geburtshilfe, HNO, Innere Medizin und Urologie konzentriert wird.

Was am Standort Künzelsau passiert, ist noch unklar. Landrat Dr. Matthias Neth wollte keine Versprechungen machen, beteuerte aber, dass er sich mit gleicher Kraft für Künzelsau einsetzen werde wie für die auskömmliche Förderung des Klinikneubaus in Öhringen.

Detailliertes Abstimmungsergebnis

Über vier Punkte hatte der Kreistag zu entscheiden. Das Abstimmungsergebnis war wie folgt: Den Antrag der Verwaltung, an den Kreistagsbeschlüssen vom 30. September 2016 (Antragstellung auf Mittel aus dem Krankenhausstrukturfonds) und 23. Januar 2017 (Einstieg in den Ausstieg aus der Regionalen Gesundheitsholding Heilbronn-Franken) festzuhalten, befürworteten 28 Kreisräte. Stefan Neumann, Christian von Stetten und Dr. Christoph Karle (alle aus Künzelsau) waren dagegen.

29 Kreisräte beschlossen, dem Fördermittelangebot des Sozialministeriums zuzustimmen, die zugesagte Fördersumme in Anspruch zu nehmen und die Geschäftsführung zu beauftragen, gegenüber dem Ministerium schriftlich die Annahme der Fördermittel zu erklären. Stefan Neumann und Christoph Karle lehnten dies ab.

Für den Krankenhausneubau in Öhringen stimmten 30 Kreisräte – nur Stefan Neumann votierte mit Nein. Den mit der Änderung des Feststellungsbescheids des Regierungspräsidiums Stuttgart vom 28. Dezember 2010 verbundenen Abbau von 283 auf 205 Betten, sobald die neu gebaute Klinik in Öhringen ihren Betrieb startet, hießen 28 Kreisräte gut – Stefan Neumann, Christian von Stetten und Christoph Karle waren dagegen. 

 

Hintergrund: Das Künzelsauer Krankenhaus wird geschlossen

Kommentar: Bei der Krankenhaus-Entscheidung hätten die Bürger stärker miteinbezogen werden müssen.

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