Künzelsauer Klinik: Fünf Szenarien für die Zukunft

Künzelsau  Am kommenden Freitag soll der Kreistag des Hohenlohekreises endlich entscheiden, wie es mit den Kliniken im Kreis weitergeht. Wie es in Künzelsau dann weitergeht ist derzeit völlig offen. Fünf mögliche Szenarien stehen im Raum.

Von Barbara Griesinger

Mit vielen Unbekannten in die Zukunft
Dass unklar ist, wie die medizinische Versorgung in Künzelsau aussehen wird, wenn das Krankenhaus geschlossen wird, bereitet Sorge. Foto: Dennis Mugler

Wenn der Hohenloher Kreistag am kommenden Freitag in Krautheim die Fördermittel aus dem Krankenhaus-Strukturfonds annimmt, ist die Zukunft für Öhringen klar: Dann kommt in den nächsten fünf Jahren ein Klinikneubau an der Ohrn. Klar ist auch: Mit der Eröffnung dieses Neubaus, kommt das Ende des Künzelsauer Krankenhauses.

Unklar ist indes, welche Strukturen zur Gesundheitsversorgung es dann in der Kreisstadt geben wird. Für den Künzelsauer Bürgermeister Stefan Neumann ist das ein gewaltiges Problem. Er hatte auf die Zusage des Sozialministeriums in Stuttgart zu einer sektorenübergreifenden Basisversorgung mit wenigen stationären Betten in der Kreisstadt gehofft, bei der Hohenloher Krankenhaus und niedergelassene Ärzte zusammenarbeiten.

Sorgen um die Zukunft der Künzelsauer Klinik

Damit hätte es eine klare Perspektive für die kliniklose Zeit in Künzelsau gegeben. Statt einer Zusage signalisiert das Sozialministerium aber lediglich, die Entwicklung eines Modellprojekts zu unterstützen (siehe unten). Das ist für den Künzelsauer Stadtchef zu vage. Seine große Sorge: Der Kreisstadt bleibe nach dem Klinik-Aus nichts als das Ärztehaus.

So pessimistisch sieht Landrat Matthias Neth die Situation nicht. Dass es in Künzelsau bereits ein Ärztehaus gebe, sei eine gute Startvoraussetzung. "Es ist zwar noch nicht sicher, was kommt. Aber Kreis, Stadt und Land werden dafür sorgen, dass für die Bevölkerung in Künzelsau qualitätsvolle Versorgungsstrukturen bleiben", verspricht er. Verbunden damit sei auch in der Kreisstadt ein hoher Investitionsbedarf in zweistelliger Millionenhöhe. Insgesamt blickt der Landrat optimistisch nach vorn, zumal es potenzielle künftige Partner gebe, die Ideen hätten.

Suche nach neuem Partner wird sich ziehen

Ab Juli, wenn der Hohenlohekreis de facto über die Klinik-Anteile verfügen kann, die sich noch im Besitz der Regionalen Gesundheitsholding Heilbronn-Franken befinden, muss deshalb die Suche nach einem neuen Kooperationspartner fürs Hohenloher Krankenhaus angegangen werden. Denn das damit verbundene Markterkundungsverfahren ist kompliziert und langwierig, wie Rechtsanwalt Bernhard Lambrecht von der Anwaltssozietät Seufert dem Kreistag darlegt.

Über fünf Phasen erstreckt sich das Verfahren von der ersten Interessensbekundung bis zur Zuschlagserteilung. Transparenz, Gleichberechtigungsgebot und Diskriminierungsverbot sind dabei die Grundlagen. Mit mindestens sechs Monaten sei zu rechnen.

Auch Seniorenbetreuung im Blick haben

Wichtig ist dem Landrat, beim Verfahren nicht nur die Belange des Krankenhauses, sondern auch der Seniorenbetreuung im Blick zu behalten. Die Kreisräte dagegen beschäftigen noch andere Fragen: Ob es Sinn mache, die Bewerber auf den Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes (TVöD) festzulegen oder die Gemeinnützigkeit der Krankenhaus gGmbH festzuschreiben, wollen sie wissen. Letzteres mache es für private Krankenhausbetreiber schwierig, so Lambrecht.

Generell rät er, die "Vorgaben möglichst breit" zu gestalten. "Dann haben Sie mehr Potenzial, das sie abschöpfen können und sehen klarer, was der Markt zu bieten hat." Er würde sich deshalb nicht auf den TVöD festlegen. sondern die Ziele weiter fassen.

Und was, wenn am Ende nur ein Bewerber übrig bleibe, der "meilenweit von unseren Zielen entfernt ist", so die letzte Frage aus dem Ratsgremium. Klare Antwort Lambrechts: "Sie müssen kein Angebot annehmen."

 

Mehrere Modelle für die Zukunft in Künzelsau

Etwas mehr als drei Monate hat die Beratungsgesellschaft PWC nach zukunftsträchtigen Perspektiven für den Klinikstandort Künzelsau gesucht. Unterstützt wurde sie dabei nicht nur von Vertretern der Stadt Künzelsau und des Hohenlohekreises. Gespräche gab es auch mit insgesamt 14 Partnern.

Fünf Szenarien hat das Unternehmen im Kreistag vorgestellt. Sinnvoll sind sie für Landrat Matthias Neth nur, "wenn sie vereinbar mit den Förderkriterien des Krankenhaus-Strukturfonds sind". Damit reduzieren sich die Szenarien auf vier.

Variante A: Beide Klinikstandorte werden erhalten. Künzelsau behält seine umfassenden stationären Leistungen, seine 126 Betten und damit eine breite wohnortnahe Versorgung. Mit dieser Variante gibt es keine Fördermittel. Das Festhalten am Status Quo ist für PWC auch aus wirtschaftlichen Gründen (Defizit, sowie personelle und strukturelle Probleme) nicht vertretbar.

Variante B: Diese "sektorenübergreifende Basisversorgung" umfasst stationäre Leistungen im Bereich Innere Medizin, Chirurgie und durch Belegärzte mit 30 Betten samt Notfallversorgung. Zugleich wird eine Geriatrische Tagesklinik mit ambulanter Tages- und Kurzzeitpflege etabliert und die Rehaklinik aus Öhringen mit 30 Betten an den Kocher verlegt. Damit lässt sich laut PWC, eine "relativ breite wohnortnahe Versorgung" aufrecht erhalten, die besonders die Bedürfnisse älterer Patienten berücksichtigt.

Variante C: Ein Geriatrisches Zentrum mit 40 Betten hält stationäre Leistungen mit auf ältere Patienten zugeschnittener Innerer Medizin und Chirurgie, inklusive belegärztlichen Leistungen vor. Intensivstation und geriatrische Schlaganfalleinheit ohne Zertifizierungspflicht für ältere Patienten werden erhalten. Dazu kommen Geriatrische Tagesklinik und Geriatrische Rehaklinik mit 30 Betten.

Variante D: Bei diesem sogenannten "innovativen geriatrischen Modell" wird die Geriatrische Rehaklinik nach Künzelsau verlegt und durch verschiedene Pflegeangebote (Geriatrische Tagesklinik) und eine ambulante Palliativversorgung ergänzt. Stationäre Leistungen sind nicht vorgesehen. Ambulantes Operieren ist möglich.

Variante E: Bei dieser Variante gibt es nur noch eine ambulante medizinische Versorgung in Künzelsau, sprich das Ärztehaus, sowie eine Geriatrische Tagesklinik mit Tages- und Kurzzeitpflege und Kapazitäten für ambulantes Operieren.

In keinem der Szenarien ist für Künzelsau ein wirtschaftlicher Betrieb zu erwarten. Bei Varianten B un C erwartet PWC ein Defizit von rund 1,9 Millionen Euro Für Szenarien D und E ist das Defizit nicht beziffert. Abstimmungsbedarf mit dem Sozialministerium gibt es bei Varianten B und C wegen der Fördermittel. Die gemeinsame Entwicklung eines Modellprojekts B will das Ministerium grundsätzlich unterstützen. Bei der Umsetzung der Varianten Dund E gibt es keine Probleme mit Stuttgart.