Kolibakterien und Blaualgen: Probleme an beliebten Badestellen

Hohenlohe  Der Hohenlohekreis ist reich gesegnet mit Badestellen. Praktisch jeder Ortsteil an Kocher und Jagst verfügt über idyllische Badebuchten, die zum Eintauchen in das kühle Nass einladen. Doch nicht überall wird dazu geraten.

Von Thomas Zimmermann und Ranjo Doering

An zwei herausragenden Badestellen sieht es in diesem Jahr so aus: Im Kocherfreibad in Künzelsau rät die Stadt vom Baden ab, nachdem in den vergangene Jahren in mehreren Proben eine erhöhte Zahl Kolibakterien gefunden wurden. Und im Neumühlsee tauchten in der vergangenen Woche Blaualgen auf.

Ein explizites Badeverbot, wie es das Land im vergangenen Jahr auf Grund einer EU-Verordnung unter Androhung hoher Zwangsgelder verordnet hatte, gibt es in diesem Jahr im Künzelsauer Kocherfreibad nicht. "Vom Baden wird abgeraten" steht nun auf einem an der Badebucht angebrachten Schild. An diesem Samstagnachmittag badet niemand. Das liegt aber vor allem am Wetter, denn bei knapp 20 Grad, Wind und bewölktem Himmel ist der grünlich schimmernde Fluss wenig einladend.

Badeaufsicht fürs Kinderbecken

Still und stumm ruht das Kocherfreibad. Ein Schild rät vom Baden ab. Der Reiher im Hintergrund genießt dagegen den Blick übers Wasser.Fotos: Thomas Zimmermann

Nur ein Reiher und zwei Nilgänse tummeln sich am Ufer. Gegen 15.30 Uhr holt die Badeaufsicht die blau-weiße Stadtfahne ein und geht nach Hause. Bei gutem Wetter ist die Badebucht bis 19 Uhr bewacht. "Wir haben eine Aufsicht vor Ort, das Kinderbecken ist ja frei zugänglich", betont Bürgermeister Stefan Neumann. Auch die Umkleidekabinen können genutzt werden, ein Eintritt wird nicht erhoben.

Drei Wohnmobile stehen auf den dafür vorgesehen Stellplätzen, auf der Wiese ist ein Zelt aufgebaut. Dort haben Adrian Langendörfer und seine Frau aus Höchst im Odenwald ihr Plätzchen gefunden. "Am Morgen sind wir mit dem Kanu bis nach Braunsbach gefahren. Dabei sind wir auch eine Runde geschwommen", erzählt Adrian Langendörfer. "Wir waren schon mal hier und es hat uns sehr gefallen", ergänzt der Hesse.

Sanierung erst im Herbst 2018

Am Morgen, als das Wetter noch besser war, waren auch einige Schwimmer in der Badebucht. "Eine Frau hat uns erzählt, dass für sie jeder Tag, an dem sie im Kocher schwimmt, wie ein Urlaubstag ist", schildert Adrian Langendörfer. "Es ist ja auch einmalig hier", schiebt er nach. Im nächsten Jahr wollen die Odenwälder mit Freunden wiederkommen. Dann könnte das Schild mit dem durchgestrichenen Schwimmer immer noch an derselben Stelle stehen.

Erst im Herbst 2018 soll das Kocherfreibad umfangreich saniert werden. Zudem ist geplant, die Badebucht komplett räumlich abzutrennen, um die Wasserwerte dauerhaft im grünen Bereich zu halten.

Am Freitag hat das städtische Ordnungsamt in einer Mitteilung vom Baden im Neumühlsee abgeraten. Der Grund: eine hohe Belastung mit Blaualgen.

Kippt der Neumühlsee um?

Auch der Neumühlsee ist fast verwaist. Nur einige Angler sitzen still am Ufer, eine Gruppe fröhlicher Menschen umkreist das Wasser, der Wind wiegt sanft das Schilf hin und her. Am Freitag hat das städtische Ordnungsamt in einer Mitteilung vom Baden abgeraten. Der Grund: eine hohe Belastung mit Blaualgen (Cyanobakterien).

Werner Petter, Vorstand des Angelsport-Clubs Waldenburg, ist besorgt: "Die Situation wiederholt sich Jahr für Jahr und es wird immer heftiger." Angst bestehe vor allem davor, dass der See komplett umkippt − "wie vor sieben Jahren, als wir 800 Kilogramm verendeten Fisch aus dem Wasser holen mussten".

Frischwasser fehlt

Die Ursache liegt für Petter vor allem in der fehlenden Frischwasserzufuhr: "Aus dem Goldbachsee wird viel Wasser für die Landwirtschaft mit Viehhaltung entnommen. Dieses Wasser fehlt dann im Neumühlsee." Wie es jetzt weitergeht? Laut einer Stellungnahme des Landratsamtes des Hohenlohekreises wird das Gesundheitsamt Anfang kommender Woche weitere Proben durchführen. Von diesen Ergebnissen hänge dann eine weitere Empfehlung ab.

Wie sich die Belastung durch die Cyanobakterien weiter entwickelt, müsse man beobachten. Aktuell geht man bei der Behörde aber nicht von einem Fischsterben aus.