Hitzeschlacht im doppelten Sinne

Künzelsau  Hoch her ging es bei der Stimme-Lokaltour am Mittwochabend in Künzelsau. Rund 120 Menschen waren ins Epylog gekommen, um mit Chefredakteur Uwe Ralf Heer zu diskutieren. Das Thema des Abend: Wie geht es nach der Klinikentscheidung weiter.

Von Thomas Zimmermann

Hitzeschlacht im doppelten Sinne
Heiße Diskussionen: (von links) Dr. Matthias Neth, Uwe Ralf Heer, Klinik-Geschäftsführer Jürgen Schopf, Dr. Andreas Eckle und Stefan Neumann.Fotos. Ralf Seidel

Es ist brütend heiß im Epylog. Der schwüle Sommerabend macht die Hitze in der Bar nahezu unerträglich. Das Thema − Künzelsau nach der Klinikentscheidung − heizt die Stimmung zusätzlich an. Rund 130 Besucher sind da. Zeitweise droht die HZ-Lokaltour aus dem Ruder zu laufen. Stimme-Chefredakteur Uwe Ralf Heer muss alle Stimm- und Wortgewalt aufbieten, um die Wogen zu glätten.

 "Wir besprechen heute eine Situation, die bewusst geschaffen wurde. Man will den Bürgern Sand in die Augen streuen. Warum gab es im Vorfeld keine Veranstaltung, in der die Situation diskutiert wurde?", greift der Sprecher der Bürgerinitiative, Dr. Andreas Eckle, Landrat Dr. Matthias Neth frontal an. "Es gab eine Schwebephase, in der nicht klar war, ob das Land unser Projekt mitträgt", wehrt sich Neth, der angesichts der Kräfteverhältnisse schnell in die Defensive gerät. Mitglieder und Anhänger der Bürgerinitiative "Wir sind HK", die sich seit Monaten auch in Demonstrationen lautstark für den Erhalt der Klinik in Künzelsau einsetzen, sind deutlich in der Überzahl.

Was wird aus Künzelsau? 

Und sie sind gut vorbereitet. Überall liegen BI-Aufkleber und Bögen mit vorformulierten Fragen aus, die den Landrat unter Druck setzen sollen. Dabei vergreifen sich einige im Ton. "Sie werden dafür bezahlt, etwas für die Menschen zu tun und nicht den Standort Künzelsau niederzumachen", ruft eine Frau. "Das hier beweist doch nur, wie hinterfotzig wir behandelt werden", klagt ein Mann. "Wir bleiben auf der sachlichen Ebene", greift Moderator Uwe Ralf Heer ein.

Hitzeschlacht im doppelten Sinne
Die Emotionen gingen bei vielen der rund 130 Besucher hoch. Teilweise drohte die Veranstaltung aus dem Ruder zu laufen.

"Das Land gibt die Hälfte des Geldes und verlangt die Schließung einer Klinik. Das sind die Rahmenbedingungen, die wir haben", stellt Landrat Neth klar. Stefan Neumann richtet den Blick in die Zukunft. "Der Standort wird geschlossen und uns stellt sich die Frage: Was wird aus Künzelsau? Deshalb müssen wir den Bürgerdialog weiterführen, um wieder mehr Vertrauen herzustellen", betont der Künzelsauer Bürgermeister. Er setzt auf den Erhalt der Notversorgung und von Fachärzten vor Ort. Doch über Chancen für die Zukunft will keiner reden.

"Die Entscheidung, dass das Künzelsauer Krankenhaus geschlossen wird, zieht einen Rattenschwanz nach sich", betont dagegen Dr. Matthias Krist. "Sie werden in den nächsten Jahren alle Fachärzte verlieren. In zehn Jahren haben wir hier osttürkische Verhältnisse", fürchtet der Facharzt im Gesundheitszentrum Medikün unter dem stürmischen Beifall der Besucher. "Ich glaube nicht, dass es keine Versorgung gibt, wenn es kein Krankenhaus mehr gibt. Wir werden uns vor der Entwicklung in Künzelsau nicht drücken", hält Matthias Neth dagegen. Er setzt seine Hoffnungen auch auf den neuen Partner, der nach dem Austritt der Hohenloher Krankenhaus gGmbH aus der Holding mit Heilbronn gesucht wird.

Akt der Demokratie

Hitzeschlacht im doppelten Sinne
Der Landrat des Hohenlohekreises, Matthias Neth, hatte bei der Lokaltour in der Künzelsauer Bar Epylog einen schweren Stand.

"Es ist unfair, alles auf den Landrat zu schieben", ergreift Gudrun Struve das Wort. Die Kreisrätin aus Künzelsau hat für die Klinikschließung gestimmt. "Das hat mir sehr weh getan", sagt sie. "Bringt euch ein, wartet, bis die Partner gefunden sind und nehmt auch ein Wort mit nach Hause, das Vertrauen heißt", ruft sie in den Saal. Doch ihre Worte gehen fast unter im Tumult. Mit Mühe stellt Uwe Ralf Heer die Ordnung wieder her. "Wir werden in der Zeitung den Prozess weiter begleiten", verspricht er. "Es ist ein Akt der Demokratie, dass man sich hier stellt", dankt er allen Beteiligten. Es ist der einzige Moment, an dem es Beifall von allen Seiten gibt.