Geschätzte 40.000 Besucher feiern beim Stadtfest Künzelsau

Künzelsau  Vor allem am Samstagabend wälzten sich beim Stadtfest in Künzelsau Menschenmassen durch die Innenstadt. Alle zwei Jahre feiert die Kreisstadt drei Tage lang ihr Fest der Feste.

Von Tamara Ludwig

Inmitten massenhafter Euphorie
Beim Verein Stadtgeschichte versuchen die Besucher historische Ereignisse dem richtigen Jahr zuzuordnen.

Die Krone auf dem vornehmen Haupt, elegant in royalblauer Robe, blickt die Prinzessin in Richtung Smartphone. Klick, und der barocke Moment ist für die Ewigkeit festgehalten. Damit ist es mit der Regentschaft auch schon wieder vorbei. Unter der weiß-grau-gelockten Perücke kommt braunes Haar zum Vorschein. Die Robe weicht Jeans und T-Shirt. Das Gesicht der Kurzzeit-Prinzessin Tatjana Galjamov aus Künzelsau strahlt jedoch weiter, als sie sich zurück ins Stadtfestgetümmel stürzt.

"Die Leute haben total viel Spaß", sagt Franziska von Stetten, die das Kostüm-Fotoshooting der Burgfestspiele Schloß Stetten betreut. Und nicht nur Frauen haben Freude am Verkleiden: "Ich wollte nicht, aber die Männer haben mich überredet", sagt Heike Fischer aus Künzelsau. "Das war einfach spontan", erwidert Michael Klimmer aus Gundelsheim und lacht.

Zünftige Musik

Inmitten massenhafter Euphorie
Dichtes Gedränge herrscht auch zu später Stunde noch unterhalb des Alten Rathauses, wo die Tets sich musikalisch durch die Charts hangeln.Fotos: Tamara Ludwig

Von draußen dringt Blasmusik in das Kostüm-Zelt. Bei den Hüngheimern geht es am Unteren Markt bereits zünftig zur Sache. Auf den Tischen der Zuhörer haben sich einige Musiker mit ihren Instrumenten postiert, die Stimmung kocht. Das vorwiegend ältere Publikum klatscht und singt inbrünstig, als die Kapelle ein flottes Udo-Jürgens-Medley anstimmt.

In Richtung Altes Rathaus mischen sich die letzten Töne von "Mit 66 Jahren" und Ed Sheerans "Shape of you", das die Tets interpretieren. Hier ist kaum ein Durchkommen. Dicht gedrängt feiern die Massen mit den Musikern auf der Bühne aktuelle Chart-Hits und Party-Klassiker wie "Walking on sunshine".

Inmitten massenhafter Euphorie
Nur mit viel Geduld kommt man am Samstagabend durch die Hauptstraße: Massen strömen, essen, trinken, schwätzen und feiern.

Wem das des Mainstreams zu viel ist, der braucht sich am Samstagabend nicht sorgen, sondern nur weiter die Hauptstraße nach oben gehen. Dort präsentieren Make my Day rund um den energiegeladenen Moritz "Moe" Winkler authentischen Pop-Rock − allein beim Anblick seiner schweißtreibenden Performance zweifelt man an der eigenen Fitness. Seine Interpretation des Songs "Türlich, türlich" macht dabei nicht nur Spaß, sie zeugt auch vom Musikverstand der Truppe.

Liebhaber handgemachter Musik

Inmitten massenhafter Euphorie
Die Hohenloher Prominenz gibt sich die Ehre: Dr. Wolfgang von Stetten (l.) mit Bürgermeister Stefan Neumann sowie das Ehepaar Reinhold (r.) und Carmen Würth.

Ebenfalls etwas für Liebhaber handgemachter Musik ohne viel Schnickschnack findet sich beim Rathaus in der Stuttgarter Straße. Die Alley Cats − sechs an der Zahl − drängen sich dort auf der etwas zu klein geratenen Bühne. Der Musik tut es allerdings keinen Abbruch, dass sich die Musiker kaum um die eigene Achse drehen können. Lediglich Gregor Hanselmann an der Trompete dürfte etwas stärker zur Geltung kommen.

Das mit Abstand jüngste Publikum tummelt sich erwartungsgemäß vor der Kokolores-Bühne am Oberen Bach − passend dazu gibt es Hip-Hop des Fürther Musikers Johnny Rakete. Nicht nur in seinen Texten, auch als der Beat aussetzt, hat er eine politische Botschaft für seine Zuhörer:

Inmitten massenhafter Euphorie
Energiegeladen: Moritz "Moe" Winkler von Make my Day ist auf der Bühne eine Naturgewalt.

"Ich will Euch nicht mit Mitsingen oder Hände hoch und so beanspruchen. Das ist echt anstrengend. Aber es scheint irgendwie immer mehr in Mode, rassistisch zu sein", leitet er ein. Und so ruft er in die Menge nur das Wort "Nazis" und ganz selbstverständlich wallt ihm ein kräftig-schallendes "raus" entgegen. Die Fronten sind geklärt, der Beat setzt ein, das Stadtfest nimmt noch einmal Fahrt auf.

Inmitten massenhafter Euphorie
Kostüm-Spaß: Tatjana Galjamov wird zur Prinzessin auf Zeit.