Geocaching in Hohenlohe: Ein Selbstversuch

Hohenlohe  Wer als Geocacher unterwegs ist, kann die Region aus einer ganz neuen Perspektive kennenlernen. Unser Kollege hat sich auf den Weg gemacht - und neben historischen Stätten auch geheime Gänge gefunden.

Von Ranjo Doering und Janis Dietz

Schöne Aussichten bieten sich beim Geocachen ganz nebenbei. Foto: Ranjo Doering  

Der Herbst im Hohenlohekreis zeigt im Moment sein schönstes Gesicht. Das Laub der Bäume leuchtet in bunten Farben und die angenehmen Temperaturen laden zu langen Spaziergängen ein. Das tolle Wetter ist ideal für eine Schatzsuche in der Natur. Wie bitte, Schätze suchen im Hohenlohekreis? Nein, die Rede ist nicht von Goldmünzen, wertvollem Geschmeide und Diamanten. Beim Geocaching, einer modernen Variante der Schnitzeljagd, kann jeder zum Abenteurer werden. Als Stimme-Redakteur, der seine Wurzeln im Badischen und in der Pfalz hat, ist die moderne Schatzsuche eine tolle Gelegenheit, den Hohenlohekreis auf ganz andere Weise kennenzulernen.

Der Ablauf ist simpel. Jemand versteckt eine kleine Kiste oder ein Filmdöschen – und stellt die Koordinaten nebst einer Beschreibung des Ortes in einer Datenbank ein. Die so genannten Caches (englisch für geheimes Lager) kann man mit GPS-Empfängern entdecken. Als Laie habe ich keine professionelle Ausrüstung, sondern versuche mein Glück mit dem Handy. Am Vormittag tippe ich die ersten Koordinaten in mein Smartphone „Ob ich wirklich einen Schatz finden werde?“, geht es mir durch den Kopf.

 

 

Vier Kühe aber keine Menschen

Gefunden: Caches sind manchmal alte Verpackungen von Filmrollen oder wie in diesem Fall eine Tupperdose. Foto: Christine Faget  

Der erste Cache führt mich auf die Streuobstwiesen zwischen Waldbach und Rappach. Kein Mensch ist zu sehen, auf der angrenzenden Weide strecken vier Kühe neugierig ihre Köpfe über den Zaun. Der Cache trägt den Namen „Imbusch“ – und das völlig zu Recht. Die Koordinaten dirigieren mich schnell abseits der öffentlichen Wege ins unwegsame Dickicht.

Das Ziel: zwei zu einem Kreuz übereinander gelegte Bretter. Das bunte Herbstlaub tut sein Bestes, um mir die Suche so schwer wie möglich zu machen. Nach 45 Minuten macht sich Frust breit. Ich denke daran aufzugeben. Doch da, gut versteckt hebe ich eine kleine beschmutzte Plastikbox aus der Erde. Im Inneren finde ich einige Spielfiguren, ein Kondom, zwei Reinigungstücher und ein kleines Logbuch. Wie viele Schatzsucher vor mir, trage ich mich in die „Finder-Liste“ ein. Nach meiner Entdeckung durchströmt mich ein Glücksgefühl, gepaart mit kindlicher Entdeckungsfreude. 

 

 

Der zweite Cache liegt an historischer Stätte 

Zwischendurch bleibt Zeit, ein wenig durchzuschnaufen und den schönen Ausblick über Bretzfeld zu genießen. Anschließend geht es weiter nach Adolzfurt auf das Gelände der ehemaligen Dynamit Nobel Pulvermühle. Aus der Cache-Beschreibung erfahre ich: Am 30. März 1990 gab es dort mehrere gewaltige Explosionen. Eine chemische Reaktion führte zu einer folgenschweren Verpuffung, die eine Kettenreaktion nach sich zog. Über 100 Rettungskräfte waren im Einsatz, drei Menschen verloren ihr Leben, vier wurden verletzt.

In einem Logbuch halten die Geocacher fest, dass sie den geheimen Ort gefunden haben. Foto: Christine Faget  

Bei meiner Suche treffe ich John Bremer aus Adolzfurt. Er geht mit seinen drei Hunden am Stauwehr spazieren. An das Unglück kann sich der 57-Jährige noch gut erinnern: „Ich habe damals in Waldbach gewohnt. Ich stand auf meiner Terrasse und die Scheiben haben vibriert. Ich hatte damals Angst, dass mein Aquarium zerspringt“, sagt Bremer.

Am zugewachsenen Steilhang sind die Spuren des Unglücks noch sichtbar: große Metall- und Eisenträger liegen verstreut. Die Suche nach dem zweiten Cache fordert intensiven Körpereinsatz und führt mich durch Dornbüsche und Brennesseln. Die kleine Kapsel ist im unwegsamen Gelände dann aber schnell gefunden. Der Inhalt: ein eng zusammengerolltes Logbuch.

Man muss um die Ecke denken und braucht Fingerspitzengefühl

Eine alte Treppe führt zum vierten Cache. Foto: Ranjo Doering  

Knifflig wird es bei einem Cache zwischen Heuberg und Rohrmühle. An der Landstraße am Baierbach muss der Schatzsucher um die Ecke denken. Natürlich soll das Geheimnis an dieser Stelle nicht verraten werden. Nur so viel: An einem scheinbar normalen Straßenschild braucht es eine Menge Fingerspitzengefühl, um den Schatz in den Händen zu halten.

Zum Abschluss meiner Entdeckungsreise zieht es mich auf den Hannenberg am Ortsrand von Pfedelbach. Gerüchte besagen, dass von hier aus ein geheimer Fluchttunnel zum Pfedelbacher Schloss führte. Der geheime Gang ist inzwischen aber zugemauert. Nach 40 Minuten muss ich mich zum ersten Mal geschlagen geben. Habe ich nicht genau genug gesucht? Oder ist der Cache gar nicht mehr da? Müde, aber glücklich beende ich meine etwas andere Hohenlohe-Tour. Was bleibt, ist eine Erkenntnis: Zum Schätze suchen ist man nie zu alt.

 

Geocaching in der Region

Wie nah bin ich am Ziel? Mit dem Handy lässt sich die Annäherung an den gesuchten Punkt verfolgen. Foto: Ranjo Doering  

Wer sich im Hohenlohekreis unter professioneller Anleitung auf Geocaching-Tour begeben möchte, findet weitere Informationen im Internet. Auf der Seite www.hohenlohe.de sind unter dem Unterpunkt „Geocaching, GPS-Spiele“ mehrere regionale Anbieter aufgelistet. Wer es vorzieht, auf eigene Faust auf Schatzsuche zu gehen: Unter www.opencaching.de und unter www.geocaching.de findet man aktuelle Informationen, Karten und Caches inklusive Koordinaten.