Tauben- und Geflügelmarkt: Nicht nur das Gefieder lockt nach Mulfingen

Von Barbara Griesinger

 Bildergalerie: Tauben- und Geflügelmarkt Mulfingen | 06.02.



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Mulfingen - Na, wo bleibt es denn, das Narrenvolk? Gemach – gut Ding will Weile haben. Und da kommen die Mulfinger Narren auch schon. Mit Humbaba und Helau verwandeln sie die Ortsdurchfahrt in eine kunterbunte Faschingsmeile – mehr als eine Stunde lang.

Verrückte Hühner

Ungeheuer tierisch geht es heuer zu. Die verrückten Hühner sind mit knatternden Mopedoldtimern auf Achse. Die glücklichen Hühner kommen später. Mit lautem Gegacker bestehen sie auf Freilandhaltung und verteilen nicht nur Kamellen, sondern auch Eier samt Flüssigvariante Eierlikör.

Als Biene Merkel und Westerwilli haben die Kanzlerin und ihr Vize einen riesigen Bienenkorb im Schlepptau. Aber sie geben wie im richtigen Leben vom Honig nichts ab. Auch eine echte Kuh ist mit dabei – womöglich gar die letzte. Denn „bei dene Milchpreise“ können sich Milchbauern „bloß noch an Tretbulldog leischta“. Und nach der Schweinegrippe rechnen die Skeptiker unter den Narren schon mit dem nächsten Rinderwahnsinn.

„Früher sind wir selber mitgelaufen“, erinnert sich Gemeinderätin Elsbeth Ruck, die sich unters Volk an der Straße gemischt hat. Mit fünf Wagen hätt’ der Umzug einstens angefangen. Mittlerweile ist die Entwicklung rasant weitergegangen: Gut 50 Wagen und Gruppen mitsamt fünf Kapellen ziehen die Zuschauer in ihren Bann. Die meisten stammen aus Mulfingen und seinen Teilorten. Nur die Dörzbacher und Hohebacher sind mit Gruppen beim Umzug am Tauben- und Geflügelmarkt vertreten. „Die üben für ihren Pferdemarkt“, schmunzelt ein Zaungast.

Auch die kommunale Politik wird veräppelt – aber nur ein ganz kleines bissle. „Diesmal ist sie ganz gut davon gekommen“, findet selbst die Gemeinderätin. Da erinnern die Ailringer an die Ausbaupläne fürs Feuerwehrmagazin und fragen sich: „Ob me des noch erlewä?“ Die lang geplante Brücke an der Annakapelle verwandelt sich angesichts knapper Finanzen in eine Hängebrücke. Ein kecker Seitenhieb auf des Bürgermeisters Ziege, die er beim Hauskauf gleich inklusive miterworben hat, darf freilich auch nicht fehlen. Zickenalarm im Rathaus gibt’s dazu. Aber es sind nette Zicken, die viel Eierlikör austeilen.

Und natürlich geht es beim Taubenmarkt-Umzug auch nicht ohne das Thema Liebe und Triebe. Die Jagstberger wandeln den Terminator in einen Babynator um und rücken dem Geburtenrückgang derart zu Leibe, dass der Klapperstorch erschöpft über den Asphalt stakst. Auch die Ritter, die ums Fräulein in der Pappburg buhlen, halten sich nicht lang bei der hohen Minne auf. „Die Maid nehmen wir heut’ Nacht zu zweit“, kündigt einer der Recken an, bevor er die Wurfmaschine wieder mit Bonbons und Wecken füllt.

Verkleidung

Viel Lust an Kostümen und Kulissen charakterisiert heuer den Umzug – und außerdem scheint die Mulfinger eine heimliche Sehnsucht nach der hohen See umzutreiben. Wie anders ließe sich erklären, dass prachtvoll kostümierte Venezianer die Ortsdurchfahrt in den Canale Grande verwandeln. Ihre Gondel ist indes nichts gegen die Arche Noah, geschweige denn gegen das Wikingerschiff, das durch Mulfingen kreuzt. Bei so viel Seetüchtigkeit muss in der Gemeinde wohl keinem vor dem nächsten Jagsthochwasser bange sein.


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