Über 6000 bei Deep Purple in Künzelsau

Künzelsau - Die englische Rockband Deep Purple hat am Freitagabend in Künzelsau ein prima Konzert gespielt. 6000 Besucher waren zum Berner Open-Air in den Schlosspark nach Künzelsau gekommen. Das Wetter hielt, die Stimmung war prächtig.

Von Ralf Reichert





Künzelsau - “Fantastic, Fantastic”: Sänger Ian Gillan muss es auf der Bühne gefallen haben, so oft hatte er dieses Wort in den Mund genommen. “Fanstastic” fand er die klassische Begleitung der Neuen Philharmonie Frankfurt. Und genauso “fantastic” waren seiner Meinung nach die Fans. Die große Wertschätzung beruhte auf Gegenseitigkeit. Das Publikum rockte ordentlich mit – und geizte nicht mit Beifall.

Deep Purple lieferten genau das, was man von ihnen erwarten konnte. Und vielleicht noch ein bisschen mehr. Kaum zu glauben, aber Schlagzeuger Ian Paice bringt es bereits auf 35 Bandjahre. Das Gründungsmitglied gab am Schlagzeug den Takt vor, Sänger Ian Gillan und Bassist Roger Glover, die beiden anderen alten Hasen, bewiesen ebenfalls, dass sie von ihrer Qualität nichts verloren haben.

Gitarrist Steve Morse, der erst 1994 zur Band stieß, trug das Erbe von Ritchie Blackmore gekonnt in die Gegenwart und setzte wie gewohnt ganz eigene Akzente. Was wären Deep Purple schließlich ohne die legendäre Hammond-Orgel, einst bis zur Perfektion gespielt von Jon Lord. Don Airey macht den Job erst seit 2002 und hatte so den vermeintlich schwierigsten Part. Doch seine Soli gingen genauso unter die Haut und sorgten für das pure Purple-Feeling.


Jon Lord, der Deep Purple 1968 mit gegründet hatte, stand der klassischen Musik sehr nahe. Kein Wunder, dass die Band mit dieser Form des musikalischen Ausdrucks noch nie Berührungsängste hatte. Deshalb passte die Begleitung des 40-köpfigen Sinfonieorchester perfekt zu diesem Konzertabend – auch wenn die Streicher mitunter im Riffgewitter untergingen. Die Symbiose war immer dann am spannendsten, wenn auch die Philharmoniker aus Frankfurt länger und lauter zu ihrem Recht kamen. Bei rhythmisch anspruchsvollen Stücken wie “Perfect Strangers”, die geradezu nach einer klassischen Taktverstärkung schreien, klappte das am besten. Die einfacheren, schnörkellos nach vorne treibenden Stücke lebten dagegen eher von der typischen Rockbesetzung.

Deep Purple spielten 105 Minuten, und von Song zu Song wurden sie besser. Als es ganz dunkel war, entfaltete die Lichtshow ihre volle Wirkung. Unterstützt von kunstvollen Einblendungen auf den beiden großen Videoboards, gab  es deshalb auch fürs Auge einiges zu sehen. Ansonsten überzeugte die Band mit ihrem typischen Wechsel der Stile – analog zu ihrer sehr bewegten und von vielen Umwälzungen geprägten Geschichte. Mal klassisch hart, mal progressiv rockig, mal mit leisen Metal-Anklängen, mal mit lautem Rock’n’Roll. Mal kurz auf den Punkt gebracht und gesangsdominiert, mal mit den legendären Instrumental-Solis gekonnt in die Länge gezogen.

Ach, ja, natürlich spielten sie Smoke on the Water. Als die Streicher das weltberühmte Riff intonierten und mit Gitarrist Steve Morse um die Wette rockten, bog das Konzert auf die Zielgeraden. Die Zugaben waren vom allerfeinsten, dann entließen Deep Purple die Besucher in die “Black Night” – die dann doch noch einmal hell erleuchtet wurde. Das Feuerwerk war sehenswert – und während man dem himmlischen Schauspiel mit flammendem Herzen zusah, musste man unweigerlich an “Smoke in the Sky” denken.