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Tragischer Tod eines Segelfliegers aus Leidenschaft
Von Sissi Stein-Abel
Segelfliegen - „Schau mal“, sagte Herbert Weiß, „hier haben sie mich zusammengeflickt. Die Jochbeine, die Nase, alles.“ Uralte feine Narben, die zwischen den zarten Falten im Gesicht des 59-jährigen Segelflug-Piloten aus Zweiflingen-Friedrichsruhe verschwanden. „Und ich war zwei Monate gelähmt. Aber die haben alles wieder hingekriegt.“
Der Hohenloher erzählte von einem Unfall vor 32 Jahren, nach dem er neun Monate im Krankenhaus gelegen hatte und über den er nicht gerne redete, „weil Segelfliegen halt doch kein ganz ungefährlicher Sport ist, und das wäre schlechte Werbung“.
In einem Seitental, in einer Gegend namens Siberia, hatten einige andere Flieger den Berufsschullehrer noch gesehen. „Da waren zwei Piloten ganz weit unten in einem Seitental, dort habe ich ihn zuletzt gesehen“, sagte der Tagessieger Mario Kießling. Doch statt einen deutschen Sieg zu feiern, wich die Freude dem Warten auf die Nachzügler. Als es immer später wurde, kamen Piloten und Crewmitglieder aus dem Hotel ins Flugzentrum zurück, um zu hoffen.
Der Münsinger Uli Schwenk sagte: „Ich bin dort gekreist, um Höhe zu gewinnen, und hätte ihn eigentlich sehen müssen. Aber ich habe nicht nach unten geschaut.“ Petr Krejcirik war der zweite Pilot, der in den schwierigen Luftverhältnissen bei Siberia in die Bredouille geraten war. Während es dem Tschechen gelang, seine Maschine wieder in eine sichere Zone zu hieven, brach kurz danach der Funkverkehr zu Weiß’ Helfer Walter Sinn im Flugzentrum und die Telemetrie-Verbindung ab.
Es war kein technischer Defekt, es war der Anfang vom Ende eines leidenschaftlichen Fliegerlebens. Der Tod eines Routiniers, der 6800 Flugstunden angesammelt und niemals Kopf und Kragen riskiert hatte.
Feiner Humor Ob er von seinem Unfall erzählte, weil er eine Vorahnung hatte? Alle Philosophie zwischen Himmel und Erde beiseite: Herbert Weiß war glücklich am letzten Tag seines Lebens. Die Weltklasse-Segelflieger sind ein stets gut gelaunter Haufen. Und Herbert Weiß mit seinem feinen Humor war ein herausragender Protagonist dieser Spezies. Er hatte so viel Spaß, er lachte so viel – lachte mit, wenn die anderen über ihn lachten. Wie am Dienstag, dem Trainingstag vor dem Start der Wettflüge, seinem 59. Geburtstag. Da hatte er eine holprige Landung hingelegt, weil er vergessen hatte, das Rad auszufahren. „Obwohl. . .“, gab er zu, „das ist mir schon peinlich. Aber ich war halt ein bisschen aufgeregt.“ Und gestern. Dieser letzte Morgen.
Unverhofft tauchte Richie McCaw, der Kapitän der All Blacks, des neuseeländischen Rugby-Teams, und seit zwei Jahren begeisterter Segelflieger, in Omarama auf. Herbert Weiß fachsimpelte mit ihm über dessen neue Discus 2c. Er kannte ihn vom vergangenen Jahr, als er nicht wusste, dass er es mit dem populärsten Sportler Neuseelands zu tun hatte, „weil ich halt keine Ahnung von Rugby hatte“.
Auch McCaw blieb gestern im Flugzentrum. Aber auch er konnte nur warten auf die Nachrichten der Suchflugzeuge und dann, als das Wrack der Maschine an einem Berghang entdeckt wurde, das Hoffen auf ein kleines Wunder. Als der Rettungshubschrauber aus Queenstown am Unfallort eintraf, erlosch auch dieses letzte Hoffnungsfünkchen.
Zur Person: Herbert Weiß wohnt in Friedrichsruhe und war aktiv in der Flugsportgruppe Öhringen. Er wurde an diesem Dienstag 59 Jahre alt. Geboren wurde er in Künzelsau.
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