Toter Trucker an Rastanlage: Angeklagter gesteht Faustschlag

Neuenstein  Im September soll ein weißrussischer Lastwagenfahrer seinen Kollegen niedergestreckt und ihn an der Ratsanlage bei Neuenstein liegengelassen haben. Zum Prozessauftakt vor dem Heilbronner Landgericht äußerte sich der 32-Jährige zur Tat.

Von Yvonne Tscherwitschke

Toter Trucker an Rastanlage

Mit einer großangelegten Befragung klärt die Polizei am 25. September den Tod eines osteuropäischen Fahrers auf der Rastanlage.

Foto: Archiv/Hoffmann

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"Das Bild, das man in diesem Verfahren von osteuropäischen Fahrern bekommt, die auf Rastanlagen dem Alkohol frönen, wirft kein gutes Licht auf die Branche", sprach Richter Roland Kleinschroth aus, was viele Prozessbeobachter dachten. Und fügte hinzu: "Seither ist mir nicht mehr so wohl, wenn ich an osteuropäischen Lastwagen vorbeifahren muss."

Einblick in die Branche gibt das Verfahren wegen eines toten Truckers, der am 25. September auf der Rastanlage Süd gefunden wurde. Die Staatsanwaltschaft wirft einem 32 Jahre alten Weißrussen vor, im Verlauf einer Auseinandersetzung seinem betrunkenen Kollegen, mit dem er bei einer polnischen Spedition fährt, einen Faustschlag versetzt zu haben. Das Opfer sei gefallen und habe einen Schädelbruch erlitten, sagt die Staatsanwältin. Die Kollegen hätten verletzt im Grünstreifen der Rastanlage liegen lassen. Am nächsten Morgen seien sie zurück gekommen. Der Niedergeschlagene lag tot im Gras.

Bei der dritten Vernehmung gesteht der Verdächtige

Erst bei der dritten Vernehmung durch die Polizei gab der nun angeklagte Weißrusse den Faustschlag zu, der zum Tod des Kollegen geführt hatte. Trotz der generellen Bereitschaft, vor Gericht auszusagen, gestaltete sich am ersten Verhandlungstag das Aneinanderreihen der Fakten schwierig.

Unter Tränen berichtete der Angeklagte von seiner Jugend in Weißrussland und davon, wie er bei verschiedenen Firmen als Fahrer und auf dem Bau gearbeitet hatte. Mit einem Grundeinkommen von 350 Euro verdiene er für die Verhältnisse in seiner Heimat gut, zumal er mit Spesen bei den Auslandsfahrten auf 1800 Euro im Monat komme. Dafür sei er immer vier Wochen am Stück weg von seiner Frau und dem siebenjährigen Sohn. Alle vier Wochen steht ein Fahrerwechsel an. Dann schickt die polnische Spedition einen Kleinbus, der die Fahrer in ganz Europa einsammelt und die Ablösung bringt.

Angeklagter will betrunken gewesen sein

Am Tattag wurde der Angeklagte im französischen Metz abgelöst. Schon am Morgen habe er dann Wodka und Whiskey getrunken und während der Fahrt im Kleinbus Richtung Hohenlohe zwei Dosen Bier. Auf der Rastanlage Hohenlohe Süd hätte das Opfer abgelöst werden sollen. Der Kollege sei aber betrunken auf die Gruppe zugelaufen und habe sich geweigert, den Schlüssel abzugeben. Im Gerangel habe er dem Opfer einen Faustschlag versetzt. Ein Kollege hatte Teile der Auseinandersetzung gefilmt.

Das Opfer sei auf der Fahrbahn zu Boden gegangen. Sie hätten ihn auf den Grünstreifen gelegt und seien dann nach Karlsruhe gefahren. Dort sei ein anderer Laster von der Polizei beschlagnahmt worden, weil der Fahrer betrunken war, sagte der Angeklagte. Kamen sie am Morgen zurück, um nach dem Verletzten zu sehen und ihn zu holen? Eher weil ein Kollege eine Gasflasche brauchte. Man habe ihm versichert, alles sei ok, wehrte der Angeklagte ab.