Kreistag beschließt Förderantrag, der Klinik-Schließung zur Folge hätte

Schöntal/Künzelsau  Der Kreistag beschloss am Freitag einen Antrag auf Investitionsförderung aus dem Krankenhaus-Strukturfonds, der beinhaltet, dass das Krankenhaus in Öhringen ausgebaut und der Standort Künzelsau ab 2021 oder 2022 in seiner jetzigen Form geschlossen wird.

Von Ralf Reichert

Außerdem beschloss der Kreistag, unabhängig davon zu prüfen, ob es nicht doch noch weiterreichende Möglichkeiten für den Standort Künzelsau geben könnte. Gespräche zwischen dem Schwäbisch Haller Diak und dem Hohenlohekreis vor der Kreistagssitzung könnten neue Optionen beinhalten. Was dabei am Ende herauskommt, ist aber noch völlig unklar. Weitere Gespräche hierzu könnten zeitnah erfolgen, heißt es von Seiten des Hohenlohekreises. Beide Beschlüsse erfolgten mit einer Gegenstimme.

 

 

Vor der Sitzung haben rund 80 Bürger vor der Jagsttalhalle mit Transparenten und Trillerpfeifen für den Erhalt des Künzelsauer Krankenhauses demonstriert und danach die Besucherplätze gefüllt.

Der Antrag auf Investitionsförderung aus dem Krankenhaus-Strukturfonds sieht vor, alle stationären Betten der Künzelsauer Klinik ab 2021 oder 2022 nach Öhringen zu verlagern, wo ein Neubau entstehen soll. In Künzelsau soll ein medizinisches Zentrum erhalten bleiben mit ambulanten Versorgungsangeboten, die 24 Stunden an 365 Tagen vorgehalten werden, etwa in der Orthopädie, der Unfallchirurgie, der Inneren Abteilung und Kardiologie. Weitere Bereiche sind HNO, Frauenheilkunde, Kindermedizin oder Psychiatrie. Es wird eine Notfall-Bereitschaftspraxis geben, auch ein Rettungswagen wird dort angesiedelt sein, um schwere Fälle sofort verlegen zu können. Als klassisches Krankenhaus soll Künzelsau aber nicht fortbestehen.

Die Allgemeinchirurgie ist bereits im Juni komplett nach Öhringen verlagert worden. Momentan noch in Künzelsau sind eine Innere Abteilung, die Unfallchirurgie und die Schlaganfalleinheit. All diese Abteilungen könnten sukzessive nach Öhringen verlagert werden, wenn dem Antrag auf Investitionsförderung aus dem Krankenhaus-Strukturfonds stattgegeben wird und sich keine weiteren Optionen über mögliche Kooperationen mit dem Diak oder anderen Partnern ergeben, die über das in diesem Konzept vorgesehene ambulante medizinische Zentrum hinausgehen. Der Öhringer Klinikstandort soll laut dem Antrag langfristig die Notfall-, Grund- und Regelversorgung des Hohenlohekreises sicherstellen und einzelne Schwerpunktbereiche ausgebaut werden: etwa die Schlaganfalleinheit und der Herzkathetermessplatz.

 

 

Der geplante Neubau in Öhringen soll nicht vor 2021 stehen. Ob die stationäre Versorgung in Künzelsau so lange zu halten sein wird, wenn sich nicht kurz- oder mittelfristig Kooperationslösungen mit anderen Partnern ergebn, ist aus Verwaltungssicht fraglich, weil dort immer weniger Patienten behandelt werden und Fach- und Pflegekräfte immer rarer werden. Der Kreis wolle alles tun, um die Versorgung so lange wie möglich aufrechtzuerhalten.

Der externer Gutachter Dr. Christian Roßbach hatte das medizinische Konzept vorgestellt, das in den Antrag zum Krankenhaus-Strukturfonds gegossen wird. Demnach habe es aus wirtschaftlicher Sicht keine Alternative zu dieser Entscheidung gegeben. Ein Fortbestand des Status Quo hätte unweigerlich in die Insolvenz des Hohenloher Krankenhauses geführt. Allein der Klinikstandort Künzelsau sei dafür verantwortlich, dass sich das aktuelle Defizit auf vier Millionen Euro belaufe.

Die Kreistagsentscheidung am Freitag stand vor allem in Zusammenhang mit diesem Krankenhaus-Strukturfonds, den der Bund Ende 2015 aufgelegt hatte. Ohne Mittel aus diesem Finanztopf könnte die Strukturreform des Hohenloher Krankenhauses nicht finanziert werden. Vorbehaltlich der Zustimmung der Regionalen Gesundheitsholding Heilbronn-Franken, die Mehrheitseigentümerin der Hohenloher Krankenhaus gGmbH ist, werde der Antrag jetzt dem Sozialministerium Baden-Württemberg vorgelegt, so der Kreis. Der weitere Zeitplan des Sozialministeriums sehe vor, dass bis spätestens Mitte nächsten Jahres alle Anträge entschieden würden. Eine wichtige Voraussetzung für eine Förderung aus dem Krankenhausstrukturfonds ist, Krankenhausstandorte umzubauen oder abzubauen. Der Bund honoriert damit auch Schließungen von Klinikabteilungen oder einzelnen Klinikstandorten.

Unabhängig von diesem Beschluss ist die Frage, mit welchen Partnern das Hohenloher Krankenhaus die Zukunft bestreiten wird. Derzeit ist das HK Teil der Regionalen Gesundheitsholding Heilbronn-Franken. Doch es gibt neue Optionen. Wie bereits am Donnerstag bekannt wurde, laufen Verhandlungen mit dem Schwäbisch Haller Diak über eine mögliche Kooperation. Was dabei am Ende herauskommt, ist völlig offen. Möglicherweise könnte das ambulante medizinische Zentrum aufgewertet werden.