Krankenhaus-Entscheidung ist Gesprächsthema Nummer eins

Künzelsau  In der Kreisstadt wird eifrig über den Neubau in Öhringen diskutiert.

Von unseren Redakteurinnen Tamara Kühner und Juliane Renk

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Die Nachricht, dass die Klinik in Künzelsau zugunsten eines Neubaus in Öhringen aufgegeben und zu einem ambulanten Zentrum umgebaut werden soll, ist am Wochenende Gesprächsthema Nummer eins in der Kreisstadt und darüber hinaus.

„Ich habe 40 Jahre im Krankenhaus gearbeitet, das tut jetzt einfach weh“, erzählt eine 80-jährige Künzelsauerin. Ihr 84-jähriger Ehemann ergänzt: „Es ist so viel investiert worden, für nichts und wieder nichts.“ Er habe gehofft, dass eine andere Lösung gefunden werde. Von den Verantwortlichen zeigt er sich enttäuscht: „Das ist alles hintenrum gelaufen, ohne dass die Bürger einbezogen wurden, das gefällt mir nicht.“ Deswegen sei es kein Wunder, dass sie Menschen sich ärgern.

Großer Knall

Auch können sich aktuell die wenigsten in Künzelsau wirklich vorstellen, wie die medizinische Versorgung, vor allem im Notfall, nach der Schließung genau aussehen soll. „Ich fürchte, wenn der Erste unterwegs stirbt, weil die Wege zu weit sind, dann kommt der große Knall“, sorgt sich ein 44-Jähriger aus Ingelfingen. Auch um die Arbeitsplätze der jetzigen Klinikmitarbeiter sei ihm Bange.

Obwohl das Krankenhaus in Öhringen an Bedeutung gewinnt, sieht sich Öhringens Oberbürgermeister Thilo Michler nicht als Sieger. Vielmehr sei der Hohenlohekreis, der zukunftsfähig bleiben müsse, der Sieger. „Für die Künzelsauer Senioren tut es mir leid, aber ich sehe keine andere Möglichkeit, nachdem sowohl das Diak als auch das Caritas Krankenhaus 30 Kilometer entfernt sind“, sagt Hans Wolf (70), der im Kreisseniorenrat aktiv ist und in Pfedelbach lebt. Vor allem wegen der Finanzen bleibe kaum Spielraum.

Kosten

Der Krankenhaus-Neubau in Öhringen und der Neubau des Landratsamts in Künzelsau werden knapp 170 Millionen Euro kosten. Zwischen 40 und 50 Millionen könnten aus dem Krankenhaus-Strukturfonds kommen, glaubt Michler. Wolf fragt sich trotzdem, wie der kleine Kreis das stemmen will. „Die Gemeinden kann man nicht noch mehr belasten. Der größte Fehler war jedoch, dass man vor Jahren den Bau eines Krankenhauses in Übrigshausen abgelehnt hat“, urteilt Wolf. Am Freitag hatte der Kreistag den Zukunftsplänen für die Hohenloher Krankenhaus GmbH zugestimmt. Bis 2021/22 soll die stationäre Versorgung der Patienten in Künzelsau beendet sein.

 

 

SLK-Spitze begrüßt Entscheidung

Auf die Entscheidung des Hohenloher Kreistages, das Krankenhaus Künzelsau zu einem ambulanten Versorgungszentrum umzubauen und gleichzeitig einen Klinik-Neubau in Öhringen umzusetzen (wir berichteten), reagierten am Samstag auch SLK-Geschäftsführer Dr. Thomas Jendges und Heilbronns Oberbürgermeister Harry Mergel in seiner Funktion als Aufsichtsratsvorsitzender der Regionalen Gesundheitsholding Heilbronn-Franken (RGHF). Im Verbund der RGHF sind bekanntlich sowohl die SLK-Kliniken in Stadt- und Landkreis Heilbronn sowie die Hohenloher Krankenhäuser verbunden. 

Mergel begrüßt die Entscheidung des Hohenloher Kreistags in Sachen Hohenloher Krankenhaus: "Es ist gut, dass Hohenlohe diesen ersten Schritt zur Zusammenführung der Krankenhausstandorte mit der gestrigen Entscheidung gegangen ist."

Für die Umsetzung und die Weiterentwicklung sollten nun weitere Schritte für die organisatorische Integration des künftigen Krankenhausstandorts Öhringen geprüft und gegangen werden, ergänzte Thomas Jendges, Geschäftsführer der Regionalen Gesundheitsholding Heilbronn-Franken. uhe